CX FAR Dreckiger Donnerstag: Karl Marx, Epidemien und die verpasste Industrialisierung

Eckdaten


22.02.24
18:30

Startort
RuBu

49/55km

Anstieg
ca. 200hm

Geländeanteil
ca. 85%

Schwierigkeit
2/10

Die Strecke

Als sich 1836 im beschaulichen Fischerdörfchen Stralau ein an der Berliner Universität eingeschriebener Jurastudent namens Karl Marx niederließ, konnte vermutlich nicht einmal dieser ahnen, wie sich die verschlafene Umgebung der Dorfstraße 11 bald verändern würde.

1831 verstarb G.W.F. Hegel in seiner Wohnung am Kupfergraben an der Cholera, während sein Konkurrent Arthur Schopenhauer vorsorglich Reißaus nach Frankfurt nahm. „Berlin ist physisch und moralisch ein vermaledeites Nest, und ich bin der Cholera sehr dankbar, dass sie mich vor 25 Jahren daraus vertrieben hat”, notierte der Schopenhauer um 1855 rückblickend über seine Zeit in Berlin. Marx folgte zunächst einem ähnlichen Impuls und mied die Stadt. Denn auch er war nach einem wilden ersten Studienjahr im rheinisch-trinkfreudigen Bonn damals gesundheitlich angeschlagen und ließ sich deshalb auf ärztlichen Rat jenseits der Zollmauer und damit vor den Toren der beschaulichen Stadt Berlin auf der Halbinsel Stralau nieder. Damit nahm er jeden Tag einen langen Fußmarsch zur Universität in Kauf. In Stralau kam er mit dem für ihn prägenden „Doktorclub“ in Kontakt, diskutierte dort den Linkshegelianismus und genoss das erholsame Landleben auf der Insel, umgeben von Fischerhütten und Segelclubs. Ganz anders als Schopenhauer zog er ausgerechnet 1837 mit der zweiten Choleraepidemie dann allerdings vom Dorf Stralau in die Innenstadt Berlins, in die Mohrenstraße 17. Dort soll die Sickergrube im Haus sehr gestunken haben. Marx genießt die Verlockungen der Stadt, das wilde Studentenleben und wird bald wegen nächtlicher „Straßenexzesse“ angezeigt.

So verpasste ausgerechnet der Theoretiker der Industriellen Revolution den folgenden rasanten industriellen Aufschwung in der Rummelsburger Bucht über die Ansiedlung von Betonwerken, Glaswerken und einem Palmölwerk. Das Wasser der Bucht wird am Ende hochgradig verseucht sein, schlimmer stinken als jede Sickergrube oder Cholera ‚Miasma‘ und die Insel Stralau kaum mehr als Ruhepol für angebende Philosophen dienen können. Als Karl Marx im Jahr 1837 in die Innenstadt von Berlin zieht, verpasst er zwar die weiteren Entwicklungen in Stralau, wird diese jedoch scharfsinnig theoretisch durchdringen. Die Insel, einst eine Oase der Ruhe, wird nun vom unaufhaltsamen Marsch der Industrialisierung beeinflusst, und die Vision eines harmonischen Lebens scheint in den brausenden Strömungen des Fortschritts verloren gegangen zu sein.

Wir besuchen am Do. den ehemaligen Wohnort von Marx und die Industrieruinen rund um die Rummelsburger Bucht.

Treffpunkt

Nordufer der Rumelsburger Bucht auf Höhe des Kajak Verleihs (18:30 Uhr)


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Anmeldung

Achtung: Anmelde und Helmpflicht. Ihr solltet eine Helm- und Lenkerlampe mitführen (fragt uns vorab ggf. bei Bedarf nach Empfehlungen oder Leihlampen!), wir empfehlen außerdem eine Daunenjacke oder ähnliches, damit Dir beim Bier im Anschluss oder bei Standzeiten nicht kalt wird.

Hier findest Du allgemeine Hinweise zum Gruppenfahren und Bekleidungstipps für den Winter.