Bikepacking · Brandenburg · Permanente

Fizik x CXBerlin: Dornige Rose – um die Wüste

238 Kilometer Gravel um die Lieberoser Wüste: Schotter, Sand, Kiefernwald, ehemalige Militärflächen und eine Landschaft, die zeigt, was Brandenburg unter Hitze, Trockenheit und Geschichte werden kann. Die Route umrundet das munitionsbelastete Gebiet auf öffentlich nutzbaren Wegen — sie führt nicht durch die Wüste.

Eckdaten


In einem Tag oder
Zweitagestour

Start/ Ziel: Königs Wusterhausen


Distanz pro Tag
ca. 115 km/ 238 km gesamt

Anstieg
ca. 400 hm pro Tag

Geländeanteil
ca. 85%

Schwierigkeit
4/10

Die Strecke

Die Lieberoser Wüste ist mit ca. 500 Hektar die größte Wüste Deutschlands — und das Wort Wüste ist hier keine Übertreibung. Der Sand brennt im Sommer, die Luft flimmert, der Horizont liegt so weit wie in keiner anderen Brandenburger Landschaft. Unser Track umrundet das Gebiet nördlich von Cottbus auf Schotterwegen. Wir durchqueren die Wüste nicht. Das ist keine Feigheit, sondern Respekt vor dem, was dort im Boden liegt.

Die Geschichte des Areals ist aus mehreren Katastrophen zusammengesetzt. Eiszeitliche Gletscher gruben sich tief in den Sand und hinterließen eine Endmoräne. 1942 entzündete eine Waldarbeiter-Brigade einen Brand, der sich zu einem gewaltigen Waldbrand entwickelte und 1700 Hektar vernichtete — zu groß, um in Kriegszeiten wieder aufgeforstet zu werden. Dann kamen die Sowjets: Ab 1949 rollten hier Panzer, explodierten Granaten, übten Streitkräfte auf dem Truppenübungsplatz Lieberose. 1970 beobachteten Breschnew und Honecker vom Generalshügel aus das Manöver Waffenbrüderschaft — 50.000 Soldaten bewegten sich durch den Sand. Das Gebiet ist noch heute munitionsbelastet.

Nach der Wiedervereinigung überließ man die Fläche sich selbst. Was passiert, wenn ein kriegsverwüstetes Gebiet einfach liegen bleibt, zeigt die Lieberoser Heide mit erstaunlicher Deutlichkeit: Die Natur kommt zurück — aber nicht die Natur, die vorher da war. Eine neue entsteht. Der gefährdete Brachpieper hat sich an die extremen Bedingungen angepasst. Wolfsrudel durchstreifen das Gebiet. Pflanzen wachsen, die anderswo längst verdrängt wurden. Es ist kein Idyll. Es ist ein Neuanfang unter harten Bedingungen.

Vor diesem Hintergrund klingt der Name des Ortes Lieberose wie Ironie. Im Südwesten kann es nach Trockenperioden sandiger werden — dann hilft eine Schippe Geduld mehr als zusätzliche PS.

Seit 2015 ist der ehemalige Generalshügel an der B168 als Sukzessionspark Lieberoser Heide barrierefrei zugänglich — mit Infotafeln, einem Rundweg und dem Aussichtspunkt auf der ehemaligen Beobachtungstribüne. Von hier aus verfolgten 1970 Breschnew und Honecker das Manöver Waffenbrüderschaft: 50.000 Soldaten, Panzer, Sand. Heute stehen hier Radfahrer. Das ist auch ein Gefühl.

Der Bäcker in Straupitz liegt direkt an der Route. Wer die Zweitagesversion fährt, kommt am Nachmittag des ersten Tags dort vorbei — genau richtig für alles, was bis zum Großsee tragen soll.

Eine Zeitreise in die Zukunft der Region

Die Lieberoser Heide ist nicht einfach nur eine zufällige Kuriosität. Sie ist das Ergebnis von Jahrhunderten: eiszeitliche Gletscher, ein Waldbrand 1942, jahrzehntelanger Panzerbetrieb, und dann — die Hitze. Was Brandenburg in zwanzig, dreißig Jahren sein könnte, ist hier schon Gegenwart. Der Boden erreicht im Sommer 60 Grad. Nachts kühlt er dramatisch ab, weil keine Vegetation die Wärme hält. Das Mikroklima ist selbstverstärkend: Weniger Vegetation, mehr Verdunstung, mehr Trockenheit, weniger Vegetation.

Was die Lieberoser Wüste zeigt, ist kein Einzelfall, sondern ein Vorgeschmack. Brandenburg verliert Wasser. Die Oder führt seit Jahren Niedrigwasser, der Grundwasserspiegel sinkt, Waldbrände nehmen zu. Das Gebiet rund um die Route brennt strukturell: 2019 loderte es eine Woche auf 100 Hektar, 2022 brannte es erneut auf bis zu 90 Hektar — die Löscharbeiten wurden durch die Munitionsbelastung erheblich erschwert, Einsatzkräfte konnten das Gelände nicht betreten. Im Zuge des Klimawandels mit immer trockeneren und heißeren Sommern wird die Brandgefahr immer größer. Das ist kein bürokratisches Detail auf der Routenseite — es ist ein Planungshinweis. Vor jeder Fahrt im Sommer: Waldbrandwarnstufe prüfen.

Gleichzeitig: Die Wüste ist nicht tot — sie verwandelt sich. Silbergras hat die offenen Sandflächen besiedelt, die Wüste wird langsam zur Steppe. Brachpieper, Seeadler, Blauflügelige Ödlandschrecke — Arten die anderswo verschwinden, finden hier Raum. Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, die das Gebiet seit 2006 verwaltet, streitet darüber, ob die Offenfläche erhalten werden soll oder ob die natürliche Sukzession ihr Werk tun darf. Beides hat Argumente. Wer diese Route fährt, fährt durch eine Landschaft die sich gerade entscheidet — und das ist etwas anderes als eine Kulisse.

Übernachtung

Ungefähr auf halber Höhe der Tour können wir den Waldcampingplatz am Großsee empfehlen, der idyllisch an einem Sandstrand gelegen ist. Packt die Badehose ein! Es gibt vor Ort einen Imbiss — für Abendessen und Frühstück reicht das. Ein Restaurant ist es nicht.

Praktische Infos: Der Platz ist von Mitte April bis Oktober geöffnet — Saison 2026 startet am 15. April. Radfahrer für eine Nacht unbedingt vorher anfragen und reservieren. Zeltplatz, Bungalows und Mietwohnwagen verfügbar. Duschen gegen Gebühr vor Ort. Handyempfang eingeschränkt (nur O2-Netz). Preis: ca. 25–30 Euro pro Nacht. Reservierung: grosssee.de oder Tel. +49 35601 894488.

Startpunkt

Als Start und Ziel haben wir Königs Wusterhausen ausgewählt, da es mit Regional- und S-Bahn gut zu erreichen ist.

Radempfehlung

Setup und Jahreszeit

Die Route ist für Gravelbikes konzipiert und wurde auf Gravelbike gescoutet — kein MTB nötig. Empfohlen: mindestens 38 mm Reifenbreite, 40–45 mm ideal. Im Südwesten des Areals gibt es bei Trockenheit im Sommer sandige Abschnitte, auf denen Schieben möglich ist. Der Rest der Strecke ist auch mit beladenem Gravelbike gut fahrbar.

Die Schwierigkeit 4/10 in den Eckdaten ist eine Zahl, die wenig sagt. Was sie meint: technisch ist die Route einfach — keine Hindernisse, kein Singletrail der Können verlangt. Körperlich ist sie moderat bis lang — 238 km sind 238 km, auch wenn Brandenburg flach ist. Logistisch überschaubar, aber mit einer Lücke zwischen Lübben und Straupitz. Wer weiß, auf was er sich einlässt, kommt gut durch. Wer mit 28 mm und ohne Gepäckerfahrung startet, weniger.

Beste Jahreszeit: April bis Juni und September bis Oktober. Im Hochsommer (Juli/August) erreicht der Boden im Wüstengebiet bis zu 60 Grad — die Sandpassagen im Südwesten werden dann kaum fahrbar.

Aufgezeichnet: Route seit 2022 regelmäßig gefahren, Track aktuell. Vor jeder Fahrt: aktuelle Waldbrandlage prüfen — das Gebiet brennt strukturell, 2019 und 2022 jeweils Großbrände auf bis zu 90 Hektar. Bei Waldbrandwarnstufe 4 oder 5: nicht fahren. Kein Kocher, kein Feuer, keine Zigarette im Wald — unabhängig von der Warnstufe. Aktuelle Waldbrandgefahrenstufe Brandenburg — täglich aktualisiert, März bis September.

Versorgung: 24 POIs im GPX-Track — Wasser, Einkauf, Bäcker, Bahnhof, Camping und Ausstiegspunkte. Längste Lücke ohne Laden: zwischen Lübben und Straupitz (~25 km). Wasser: Wasserhahn Briesnerer See eingetragen.

Routendownload

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Nutzungsbedingungen

Keine Durchquerung der Lieberoser Wüste
Diese Route umrundet das Gebiet. Sie führt nicht quer durch die offene Sandfläche und nicht abseits der Wege. Die Lieberoser Heide ist ehemaliges Truppenübungsgelände, munitionsbelastet und ökologisch sensibel. Wege nicht verlassen — auch nicht für Fotos, Pausen oder Abkürzungen.

Beachte bitte die Straßenverkehrsordnung (StVO) und sei rücksichtsvoll gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. Gegenseitige Rücksichtnahme ist essentiell.

Lade die .gpx-Datei direkt auf dein Navigationsgerät, ohne Umwege über Portale wie Komoot. Diese Plattformen können die Streckenführung erheblich verändern, selbst bei Auswahl der „Originalroute“. Eine Anleitung zur direkten Übertragung findest du hier.

Die Nutzung erfolgt eigenverantwortlich. Der Track ist ein Routenvorschlag — keine geführte Veranstaltung und keine Zusicherung, dass alle Wege jederzeit befahrbar oder rechtlich nutzbar sind. Prüfe vor der Fahrt Wetter, Waldbrandwarnstufe, Sperrungen und aktuelle Wegverhältnisse.

Viel Freude auf der Strecke! #cxbpermanente #cxberlin #cxbdornigerose

Kooperationsroute mit Fizik. Fizik hat das Scouting unterstützt; Auswahl, Beschreibung, Trackpflege und Veröffentlichung liegen redaktionell bei CXBerlin. — Schutzgebiete Brandenburg · Kampfmittelbelastete Flächen Brandenburg