Der 30.04. ist ein besonderer Abend. Die Stadt lädt sich auf. Morgen wird es laut. Wir fahren heute. Ein Ride im Zwischenraum: noch Alltag, aber schon mit diesem leichten Kippen Richtung Ausnahmezustand. Genau der Moment, in dem man am besten rauskommt. Richtung Südosten. Trockene Wege, lange Linien, ruhiger Rhythmus. Wald, Sand, offene Abschnitte. Nichts Spektakuläres – nur ein Abend, der läuft. Die Stadt bleibt zurück, ohne dass man sie verlässt. Der Lärm kommt erst später.
Zweite Südost-Woche in Folge. Die Strecke vom letzten Donnerstag hat gezeigt: Der Boden trägt, die Wege laufen, und die ersten heißen Tage sind durch. Was im März noch klebte, ist jetzt fest. Was nass war, ist staubig. Aprilwetter heißt dieses Jahr: morgens kühl, abends warm genug für kurze Ärmel, Wind je nach Tag. Es kann wechseln. Kann aber auch genau so bleiben. Jacke mit, Ärmlinge mit, den Rest entscheidet die Ausfahrt. Das Licht macht den Unterschied. Um 18:30 starten und bis weit nach 20:00 Uhr hell sehen – das geht erst seit Kurzem. Kein Tastrennen durch die Dämmerung, keine fünf Stirnlampen in der Gruppe. Eine Stunde mehr Abend auf dem Rad als vor vier Wochen. Streckenführung: bekannt. Waldwege, Schotter, die üblichen Schlenker durch den Südosten. Zwei Gruppen, wie immer – schneller vorneweg, entspannter hinterher. Treffpunkt am Ende an der Bucht.
Die letzten Wochen haben es gezeigt: Die Runden werden wieder schneller. Was im März noch tastend war – fühlt sich jetzt plötzlich selbstverständlich an. Die lange Winterpause fällt Stück für Stück ab. Erst die Beine, dann der Kopf.
Die Wege sind plötzlich trocken. Zu trocken vielleicht für die Jahreszeit, aber genau richtig für einen Donnerstag. Wo noch vor ein paar Wochen Matsch, Eis und Wasser standen, liegt jetzt feiner Staub. Reifen ziehen wieder saubere Linien, Kurven fühlen sich schnell statt vorsichtig an. Der Boden gibt nach, ohne zu bremsen.
Start im Hellen. Rückkehr im Lichtermeer. Dazwischen: Gravel. Wald. Tempo. Gruppe.
Start im Hellen. Rückkehr im Lichtermeer. Dazwischen: Gravel. Wald. Tempo. Gruppe.
Die Sonne ist zurück, zumindest jedoch soweit, dass wir wieder im Hellen starten können. Kein Lampengeflacker am Treffpunkt, keine Kälte in den Fingern – einfach rollen, während die Sonne langsam tiefer steht.
Diese Woche fahren wir dahin, wo Berlin kurz vergisst, dass es flach ist. Ziel sind die Gosener Berge – ein unscheinbarer, aber überraschend kupierter Höhenzug zwischen Seddinsee und Wernsdorfer See. Bis zu 80 Meter über dem Urstromtal, entstanden aus den Hinterlassenschaften der letzten Eiszeit.
Der Frühling bleibt. Die Sonne auch. Also fahren wir dahin, wo Berlin langsam ausfranst und der Nordosten beginnt.
Zum ersten Mal seit drei Monaten fühlt sich ein Donnerstag wieder nach Bewegung an und nicht nach Überleben. Die Trails tauen auf, der Wald riecht nach Erde statt nach Frost, und das Licht bleibt lang genug, um die Stirnlampe im Rucksack zu lassen. Wir rollen raus, als wäre nichts gewesen – und doch merkt man, dass etwas vorbei ist. Kein vorsichtiges Antasten mehr, kein permanentes Bremsen auf Eis. Wieder Druck auf dem Pedal, wieder Staub statt Salz.