CXB Gravel Routenplaner
Ein Routenplaner ist eine These darüber, was Fahren ist. Unsere These lautet Brandenburg.
Der CXB Gravel Routenplaner ist aus der Vorbereitung der Grevet-Serie entstanden. Schotter ist hier kein selbstverständlicher Untergrund. Er liegt in Inseln im Meer aus märkischem Sand, Plattenwegen, Forstpisten und Kiefernwellen – und muss erfahren werden, bevor er fahrbar wird. Eine gute Brandenburg-Route ist Insel-Hopping: von einem brauchbaren Schotterabschnitt zum nächsten, mit dem Wissen darum, was zwischen ihnen liegt.
Kommerzielle Planer werben mit Gravel-Profilen und liefern im Gelände Strecken, die ihre Werbeversprechen nicht halten – Asphalt, wo Schotter möglich wäre, oder Sandbahnen, die kein Plattformprofil als solche erkennt. Wir haben den Router für uns selbst gebaut. Wer ihn brauchbar findet, kann ihn nutzen.
Das Ergebnis liegt unter routing.cxberlin.net – Open Source, kostenlos, kein Tracking, keine Registrierung. Entwickelt für Brandenburg, inzwischen quer über Europa eingesetzt – von Polen über die Pfalz und die Vogesen bis Norditalien, in den Alpen, in Dänemark. Was hier funktioniert, funktioniert auch dort. Umgekehrt selten.
Substanz tritt Software, Software trifft Schotter.
Gravel ist älter, als die Gravel-Industrie behauptet
Gravel ist nicht in den USA erfunden worden. Der heutige Sport beruft sich gern auf die Schotterstraßen Kansas und das Unbound-Format – aber das ist nur die jüngste Etappe einer viel längeren Geschichte. Radsport begann in Europa um 1900 auf unasphaltierten Straßen, weil es nichts anderes gab. Wien–Berlin 1893, 582 Kilometer, größtenteils Schotter und Pflaster. Mailand–München 1894, über den Brenner, Distanzformat, Basel-Kleve 1894, quer durch Deutschland. Die ersten Klassiker der Tour de France führten über Pavé und Feldwege, die nach heutigen Maßstäben kein Rennrad mehr berühren würde. Was wir heute Gravel nennen, ist in Europa keine Wildnis-Romantik. Es ist die Erinnerung an einen Sport, der seine Substanz auf rauen Untergründen gefunden hat, lange bevor Asphalt sie geglättet hat.
Gravel heute ist daher in Deutschland Ausweichverkehr. Unsere alten Strecken hat das Auto übernommen. Die Landstraßen, auf denen Radsport entstanden ist, sind asphaltiert, vierspurig, lärmbelastet, gefährlich. Wer den ursprünglichen Modus des Radfahrens sucht – das eigene Tempo, den eigenen Atem, den unverstellten Blick auf die Landschaft –, weicht aus: auf Forstwege, auf Feldwege, auf Plattenstrecken durch Brandenburger Dörfer. Was wie eine Stilfrage aussieht, ist eine Verdrängung. Mehr dazu in unserem Artikel 26 Jahre Freiheit.
Das hat Folgen für die Routenplanung. In den USA ist Gravel ein zusammenhängendes Netz: weite, dünn besiedelte Räume mit kilometerlangen unasphaltierten Straßen, die ohne Unterbrechung befahrbar sind. In Europa, besonders in Deutschland, liegen Schotterwege verstreut zwischen Asphaltabschnitten, brechen ab, sind durch Forstgesetze, Schutzverordnungen und private Eigentumsgrenzen unterbrochen. Wer hier Gravel-Routen plant, plant ein Geflecht mit Kompromissen. Keinen Korridor.


Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, Open Database License (ODbL).
Quelle: openstreetmap.org
In Brandenburg kommt eine zweite Verschiebung dazu. Was im süddeutschen Mittelgebirge oder in den Alpen unter Gravel verstanden wird, ist hier nicht zu finden. Keine Höhenmeter, kein technischer Singletrail, kein alpines Profil. Stattdessen Plattenwege aus DDR-Beständen, Sandpisten zwischen Kiefern, kilometerlange Forstautobahnen, gelegentliche Pflasterstraßen durch märkische Dörfer. Das ist eigene Topographie, eigene Routinglogik, eigene Anforderung an Reifenbreite und Fahrweise. Ein Profil, das das nicht kennt, schickt einen in den Sand.
Genau deshalb funktioniert das Profil auch außerhalb Brandenburgs. Wer für die schwierigste Untergrundvielfalt entwickelt, hat ein Werkzeug, das auch in Gegenden mit eindeutigerem Schottercharakter trägt. In den Vogesen, in der Pfalz, in den Dolomiten und Schweizer Alpen, in Polen und Dänemark wurde der Router auf SummerGravelTravel-Touren und Einzelfahrten gefahren. Er liefert dort, was er auch in Brandenburg liefert: eine Linie, die hält, was die Karte verspricht.
Was wir bei der Routenplanung nicht tun: bewusst gesetzte Schwierigkeiten und Planungsfehler zur Tugend erklären. Kilometerlange Plattenwege, wo nebenan ein Forstweg läuft. Bushwacking durchs Brennnesselfeld, weil niemand eine bessere Linie gesucht hat. Pflaster ohne Grund, Sand als Selbstzweck. Das ist kein Härtetest, das ist ein Planungsfehler mit Pathos. Schlechter Untergrund ist schlechter Untergrund. Wenn er auf der Strecke liegt, weil das Gelände nichts anderes hergibt, ist das eine Tatsache. Wenn er auf der Strecke liegt, weil jemand ihn dort haben wollte, ist es Inszenierung. Beides voneinander zu unterscheiden, ist Aufgabe des Profils und der Routenplanung dahinter. Mehr zur Frage, was Gravel ist – und was es je nachdem, wer es sagt, bedeutet – steht im MTB-Krise-Essay.
Was er anders macht
Die Karte basiert auf OpenStreetMap und hebt Schotterwege visuell hervor – mit eigener Gravel-Qualitäts-Klassifikation. Single Trails sind nach S-Klassifizierung markiert. Das Routing-Profil priorisiert Forstwege, Feldwege und befestigte Schotterstraßen. Asphalt, wenn nötig. Autobahn, nie. Versorgungspunkte – Supermärkte, Tankstellen, Schutzhütten, Trinkwasser – lassen sich als POI-Layer einblenden. Die fertige Strecke gibt es als .gpx oder per QR-Code – offener Standard, kein Lock-in, kein Datenfluss zurück an eine Plattform.
Wie das alles im Detail bedient wird – Layer aktivieren, Profil setzen, Strecke planen, Track exportieren –, steht in der Einführung und Kurzanleitung. Wie wir an Routen herangehen – Praxis, Umgang mit Sperrungen, Veröffentlichungsdisziplin –, ist unsere Routenplanungsphilosophie. Sie steht hinter dem Tool, ist aber von ihm zu unterscheiden.
Open Source
Der Router nutzt den BRouter-Werkzeugkasten der Open-Source-Bewegung. Wir sind eine von mehreren Plattformen, die auf BRouter aufbauen – jede mit eigenem Schwerpunkt. Unser Schwerpunkt ist Brandenburg und die spezifische Mischung aus Sand, Plattenweg und Forstpiste, die das Gelände hier auszeichnet.
Unser Gravel-Profil, die Tile-Server-Konfiguration und der CartoCSS-Style für die Gravel-Kartenebene liegen offen auf GitHub: github.com/TheRealCXBerlin. Keine Blackbox, keine versteckte Logik, keine Monetarisierungsschicht dazwischen. Wer das Profil verbessern oder eigene Anpassungen vornehmen will, kann das tun. Korrekturen am OSM-Kartenmaterial selbst gehen direkt an OpenStreetMap – jede Verbesserung dort verbessert automatisch auch unsere Karte.
Die Strukturkritik, warum offene Werkzeuge bei Routing besonders wichtig sind, steht im Anker-Artikel Vermessene Freiheit.
Loslegen
Direkt zum Tool: routing.cxberlin.net.
Wer das erste Mal hier ist: Einführung und Kurzanleitung. Wer die Bedienung im Detail braucht: Arbeitsflächen-FAQ. Wer schneller werden will: Tastaturkürzel. Wer Strecken teilen will: QR-Code-Anleitung. Wer die Linienarten lesen will: Legende.
Strecken zum Nachfahren: Der Osten · Der Süden · Der Westen · Der Norden · Permanente Potsdam
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