Trelock LS 760 I-GO Vision im Langzeittest: StVZO-Frontlicht mit 100 Lux, fünf Helligkeitsstufen, LCD-Display und Powerbank-Funktion. UVP 125,99 €, Straßenpreis aktuell ab rund 80 €. Testmuster vom Hersteller.
Gravelbike-Touren sind meist Nightrides
Radfahren bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen ist die einfache Variante. Wer ausgedehnte Geländetouren fährt, kommt selbst im Hochsommer oft erst an, wenn das Ziel schon im Dunkeln liegt. Unsere Feierabendrunden – allen voran der Dreckige Donnerstag – sind in der dunklen Jahreszeit ab Start reine Nightrides. Im Gelände wird ohne gutes Licht jede Unebenheit, jeder tief hängende Ast, jeder Baumstumpf zur Falle. Lampen-Empfehlungen sind deshalb eine der häufigsten Fragen, die uns erreichen. Wir haben in den letzten zwei Saisons einen der am Markt verbreiteten Frontscheinwerfer ausführlich im Alltag und im Gelände getestet.


Features
Der Trelock LS 760 I-GO Vision ist StVZO-zugelassen und liefert bis zu 100 Lux in fünf regulierbaren Helligkeitsstufen. Die Ausleuchtung ist gleichmäßig, das Leuchtbild nach oben sauber abgeschnitten – genau so, wie die StVZO es fordert, damit Gegenverkehr und Vorderleute in der Gruppe nicht geblendet werden. Die Lichtfarbe tendiert deutlich ins Bläulich-Kalte. Das schärft Kontraste auf Sand und nassem Laub, wirkt auf langen Fahrten aber ermüdender als warmweißes Licht. Praktisch ist die integrierte Wasserwaagen-Funktion: Auf dem Display wird angezeigt, ob die Lampe horizontal ausgerichtet ist. Nützlich beim Einrichten, nützlich auch als stille Kontrolle, wenn sich die Halterung durch Kopfsteinpflaster oder einen Ellenbogenstoß verdreht hat – bevor die Vorderfrau in der Gruppe sich meldet.



Das integrierte LCD-Display zeigt Akku-Ladezustand, Restlaufzeit in Minuten und aktuelle Helligkeitsstufe. Auf längeren Touren lässt sich damit abschätzen, wann man die Leuchtstärke reduzieren sollte, im Alltag hilft die Anzeige bei der Nachladeplanung – wer zweimal täglich denselben Arbeitsweg fährt, muss nicht nach jeder Fahrt ans Kabel. Die oft zitierte Laufzeit von bis zu neun Stunden gilt dabei für Stufe 1. Auf Stufe 5 bei voller Helligkeit sind es realistisch rund fünf Stunden, bei Kälte weniger – wie bei jedem Lithium-Akku. Die Lampe zeigt das ehrlich an, was ein Vorteil gegenüber Geräten ohne Anzeige ist. Wer im Wald fährt, wird meistens Stufe 4 oder 5 brauchen und sollte mit diesen Werten kalkulieren, nicht mit der Herstellerangabe. Der USB-C-Anschluss ist zeitgemäß und kombiniert sich mit einer Powerbank-Funktion, über die sich Smartphone oder Navigationsgerät im Notfall laden lassen. Praktisch als Reserve auf Tagesausfahrten, begrenzt als planbare Ressource auf Bikepacking-Distanzen: Wer die Lampe leersaugt, um das Navi zu retten, hat anschließend kein Licht mehr für die Heimfahrt. Der Akku der Lampe ist fest verbaut und lässt sich nicht tauschen. Wenn er nach drei, vier Jahren nachlässt – und bei Lithium-Akkus ist das eine Frage des Wann, nicht des Ob –, ist das Gerät elektronisch abgeschlossen. Reparaturfreundlich ist anders.

Verarbeitung und Montage
Das Kunststoffgehäuse der LS 760 ist sauber verarbeitet und kompakt genug, um bei Bedarf auch als Backup in Trikot- oder Rahmentasche zu landen. Transparente Elemente an den Seiten sorgen dafür, dass die Lampe auch quer zur Fahrtrichtung sichtbar ist – an Kreuzungen ein nicht zu unterschätzender Sicherheitsaspekt. Montiert wird werkzeugfrei mit einer Kunststoffhalterung, die dauerhaft am Lenker bleibt; die Lampe rastet klar definiert ein und sitzt auch auf Kopfsteinpflaster und Sandpiste bombenfest. Im Langzeittest kein einziges Mal verloren, kein Verdrehen. Ersatzhalterungen und eine Gabelhalterung sind im Zubehör erhältlich. Ein Punkt, der im Gravel-Umfeld zunehmend ins Gewicht fällt: Die Montage der Lampe unterhalb des Navigationsgeräts an einem Aero-Halter mit GoPro-Anschluss ist inzwischen Standard – Wahoo, Garmin und Karoo bauen alle auf diesen Mount. Die Trelock-Halterung folgt diesem Standard nicht. Wer sein Cockpit aufgeräumt halten will, braucht einen Adapter. K-Edge, Barfly und andere bieten solche im Handel an, zwischen 15 und 30 € je nach Hersteller. Die Adapter sind weit verbreitet und lösen das Problem zuverlässig – sie sind eher ein Zusatzaufwand bei der Montage und ein zusätzlicher Posten auf der Rechnung als ein zusätzliches Teil am Cockpit.

Nutzungsgruppen und Einsatzzwecke
Die LS 760 spielt ihre Stärken dort aus, wo der Weg gemischt ist: Commuting, Rennrad im Straßenverkehr, Gravel-Touren mit Asphalt-Anteil und moderatem Schotterweg-Profil. Für die typische Feierabendrunde in Brandenburg – also genau den Einsatzzweck, den der Dreckige Donnerstag abbildet – ist sie gut geeignet, besonders in Kombination mit einer Helmlampe fürs Gelände. In engen, kurvigen Waldpassagen stößt sie an systembedingte Grenzen: Der nach oben abgeschnittene Lichtkegel leuchtet keine tief hängenden Äste aus, und in Kurven fehlt Ausleuchtung zur Seite. Das ist kein Mangel des Produkts, sondern eine Eigenschaft der StVZO-Systemlogik. Wer viel im Wald unterwegs ist, ergänzt sinnvoll mit einer Helmlampe, die der Blickrichtung folgt und die oberen Regionen mit ausleuchtet. Was Bikepacking- und Langstreckentauglichkeit betrifft: Die realen fünf Stunden auf Stufe 5 reichen für eine Feierabendrunde, nicht für eine durchfahrene Nacht. Wer auf Brevet-Distanz unterwegs ist, fährt besser mit der Trelock LS 950 CONTROL ION, die mit 70 Lux nominell schwächer ist, aber bis zu 45 Stunden durchhält. Sie hat sich bei unseren Langstrecklern auf Formaten wie Paris–Brest–Paris bewährt. Wer ein Grevet oder eine Supergrevet Distanzradfahrt fährt, sollte ohnehin mindestens mit Helmlampe ergänzen – die Strecken führen durch Brandenburger Wald, nicht über Asphalt, und dort stößt jedes StVZO-Licht an seine Grenzen. Es sind unterschiedliche Werkzeuge für unterschiedliche Nächte.
Fazit
Die Trelock LS 760 I-GO Vision ist ein solide verarbeiteter StVZO-Scheinwerfer mit funktionierendem Display, kompaktem Gehäuse und brauchbarer Powerbank-Funktion. Ihre eigentliche Stärke liegt im Mischbetrieb: Gravel-Ausfahrten in Brandenburg beginnen fast immer mit Stadttransfer, gehen dann in Wald oder Feldweg über und enden wieder auf Asphalt. Eine reine Geländelampe mit 1.500 Lumen Rundumlicht löst das Wald-Problem, ist aber auf dem Heimweg durch die Stadt nicht StVZO-konform – Blendung von Gegenverkehr ist dort kein Komfortthema, sondern ein Bußgeldkatalog-Tatbestand. In Kombination mit einer Helmlampe fürs Gelände deckt die LS 760 die gesamte Strecke legal ab. Diese Kombination – Lenkerlicht mit Zulassung plus Helmlampe als Zusatzbeleuchtung – ist für den Brandenburger Gravel-Alltag das sinnvollere Setup als jede Einzellösung. Der Straßenpreis bei rund 80 € liegt deutlich unter der UVP von 125,99 €, ein externes Akkupack ist nicht nötig. Der fest verbaute Akku ist der Schwachpunkt auf lange Sicht, die reale Laufzeit auf voller Stufe liegt bei etwa fünf Stunden – wer durchfahrende Nächte plant, nimmt die LS 950. Produktseite und Händlerfinder beim Hersteller.
Das Testmuster wurde von Trelock kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Redaktion entscheidet unabhängig über Veröffentlichung und Bewertung.

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