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VBB-Fahrrad-Monatskarte: Warum sich Papier lohnt, wenn du das Deutschlandticket hast

Das Deutschlandticket bringt dich für 58 Euro durch ganz Deutschland — aber dein Rad nicht. Für die Fahrradmitnahme gibt es keine bundesweite Lösung; jeder Verkehrsverbund kocht sein eigenes Süppchen. Wer in Berlin und Brandenburg mit dem Fahrrad in S-Bahn, Regio oder Tram steigen will, braucht zusätzlich ein VBB-Fahrradticket. Die Monatskarte Fahrrad Gesamtnetz löst das ab sieben Mitnahmen pro Monat. Sie ist übertragbar, kostet 30,30 Euro — und ist im Automatenmenü versteckt, in keiner App zu finden.

Eine Variante, nach der oft gesucht wird, gibt es so nicht: ein Deutschlandticket inklusive Fahrradmitnahme. Das D-Ticket ist personengebunden und gilt fürs Rad nicht — keine Erweiterung, kein Aufpreis, keine versteckte Option. Wer regelmäßig mit dem Rad in den Zug steigt, kommt um ein zweites Ticket nicht herum. Für Berlin und Brandenburg ist die VBB-Fahrrad-Monatskarte die sinnvollste Lösung — sofern du die Frequenz hast.


Warum überhaupt eine Fahrrad-Monatskarte

Das Deutschlandticket ist personengebunden und gilt für dich, nicht für dein Rad. Wer regelmäßig mit dem Fahrrad in den Zug steigt — sei es, um aus der Stadt herauszukommen, sei es für den Rückweg nach einer langen Tour — braucht zusätzlich ein Fahrradticket. Drei Optionen kommen in Frage: Einzelfahrausweis Fahrrad, 24-Stunden-Karte Fahrrad oder Monatskarte Fahrrad. Welche sich rechnet, hängt davon ab, wie oft du tatsächlich einsteigst.

Die Monatskarte hat drei praktische Eigenschaften, die in der Vorteilskette gern untergehen. Erstens ist sie übertragbar — du kannst sie an deinem freien Tag jemandem aus dem Haushalt in die Hand drücken, ohne sie umzuschreiben. Zweitens entfällt das Ticket-Ziehen vor jeder Fahrt, was an verregneten Sonntagabenden in Bahnhöfen, an denen der einzige Automat streikt, real spürbar ist. Drittens ist sie mit jedem Hauptfahrschein kombinierbar — also auch mit Deutschlandticket, Einzelfahrschein, Tageskarte.

Ab wann lohnt sich die Monatskarte

Die Schwelle ist einfach zu rechnen. Eine 24-Stunden-Karte Fahrrad Gesamtnetz kostet 7,50 Euro. Die Monatskarte Gesamtnetz kostet 30,30 Euro. Das heißt: Ab vier Tagesausflügen pro Monat ist die Monatskarte günstiger. Bei Einzeltickets — 3,30 Euro pro Fahrt in Berlin ABC, 2,70 Euro in AB — liegt die Schwelle bei rund sieben bis neun Mitnahmen pro Monat. Wer zweimal die Woche mit dem Rad in die S-Bahn steigt, ist deutlich über der Linie.

Kurze Rechnung

Eine Tour Berlin → Belzig → zurück mit dem Regio: zwei Mitnahmen, also rechnerisch eine halbe Tageskarte (3,75 €) oder zwei Einzeltickets ABC (6,60 €). Vier solcher Touren im Monat, und die Monatskarte hat sich amortisiert. Bei einem fünften Trip fährt sie ab.

Was du vor dem Kauf wissen solltest

Die Monatskarte Fahrrad gibt es ausschließlich als Papierticket. Weder die BVG-App noch die VBB-App noch der DB Navigator führen sie. Das ist seit Jahren so und ändert sich auch 2026 nicht. Wer schon einmal in der App gesucht hat und nichts gefunden hat, sucht nicht falsch — sie ist dort schlicht nicht hinterlegt. Verkauft wird sie an Automaten der BVG, der S-Bahn und der DB sowie in den Kundenzentren.

Seit dem 1. Januar 2026 gibt es den Tarifbereich BC nicht mehr. Der VBB hat ihn abgeschafft, um das Tarifangebot zu vereinfachen. Wer früher mit BC-Tickets zwischen Berliner Umland und Stadtgrenze pendelte, muss jetzt entweder den teureren ABC-Tarif lösen oder direkt die Gesamtnetz-Karte nehmen. Für die meisten Radtouren ins Brandenburger Umland — Müggelheim, Wandlitz, Werder, Beelitz — ist Gesamtnetz die einzig sinnvolle Wahl, weil du oft erst hinter ABC aus dem Zug steigst.

Die Preise auf einen Blick (Stand Januar 2026): Monatskarte Fahrrad Berlin AB 14,60 Euro, Berlin ABC 18,20 Euro, VBB-Gesamtnetz 30,30 Euro. Wer fast nur innerstädtisch fährt, kommt mit AB aus. Wer regelmäßig nach Brandenburg will, kauft Gesamtnetz und denkt nicht weiter darüber nach.

Schritt für Schritt am BVG-Automaten

Der Pfad durch das Menü ist nicht intuitiv. Die Fahrradtarife liegen drei Ebenen tief und sind beim ersten Mal nur schwer zu finden. Folgende Reihenfolge funktioniert an den Standardautomaten der BVG sowie an den meisten S-Bahn- und DB-Automaten.

  1. Sprache wählen. Falls der Automat nicht auf Deutsch steht, oben rechts umstellen — die Fahrradtarife sind nur in der deutschen Menüführung sauber benannt.
  2. „Andere Fahrscheine“ auswählen. Auf dem Hauptmenü unten, manchmal als zweite oder dritte Option. Nicht „Einzelfahrschein“, nicht „Tageskarte“.
  3. „Fahrradtarife“ antippen. Eigene Unterkategorie. Hier liegen alle Fahrradtickets vom Einzelfahrausweis bis zur Monatskarte.
  4. Geltungsbereich wählen — meistens „Gesamtnetz“. Für Brandenburger Touren immer Gesamtnetz. Nur AB nehmen, wenn du sicher bist, dass du keine ABC- oder C-Strecke fährst.
  5. „Monatskarte“ auswählen. Nicht 24-Stunden-Karte, nicht Einzelticket.
  6. Startdatum eingeben. Die Karte gilt ab dem Tag, den du wählst — nicht ab Kaufdatum. Praktisch, wenn du am Monatsende kaufst, aber erst nächste Woche losfährst.
  7. Zahlen. Karte oder bar. Die meisten Automaten nehmen mittlerweile Girocard und kontaktlos. Bei alten Automaten: Schein bereithalten.
  8. Ticket einstecken. Aufbewahren bis zum letzten Geltungstag. Bei Kontrollen reicht das Papier-Ticket allein nicht — du brauchst zusätzlich deinen Hauptfahrschein, also das Deutschlandticket auf dem Handy.
Falle

Die Karte ist mit jedem Hauptfahrausweis kombinierbar, gilt aber nicht allein. Wer ohne Personen-Fahrschein erwischt wird, fährt schwarz — auch mit gültiger Fahrradkarte in der Tasche.

Die Monatskarte ist übertragbar. Das ist nicht nur ein Tarifdetail — es ist der eigentliche Hebel. Eine Karte für einen Haushalt, ein WG-Zimmer, ein Pärchen mit ungleichen Pendelrhythmen.

Was die Karte nicht abdeckt

Die Monatskarte gilt für „zweirädrige einsitzige Fahrräder“ — die VBB-Definition ist eng. Pedelecs bis 25 km/h sind eingeschlossen, S-Pedelecs nicht. Falträder im zusammengeklappten Zustand zählen als Handgepäck und brauchen kein Fahrradticket. So weit der unproblematische Teil.

Tandems, Liegeräder, dreirädrige Fahrräder und Lastenräder sind in den allgemeinen VBB-Beförderungsbedingungen von der Mitnahme ausgeschlossen. Für Tandems gibt es eine Sonderregelung im Eisenbahn-Regionalverkehr und in der S-Bahn Berlin: Hier dürfen sie ausnahmsweise mit, gegen einen regulären Fahrradtarif. Für U-Bahn, Tram und Bus gilt der Ausschluss. Wer ein Cargobike fährt und in die S-Bahn will, hat ein generelles Problem — die Beförderungsbedingungen geben das nicht her, und Diskussionen mit dem Sicherheitspersonal an der Tür sind nicht im Interesse der Statistik. In Bussen ist die Fahrradmitnahme generell nicht vorgesehen, egal welche Karte du hast.

Vorrang

Rollstuhlfahrer und Kinderwagen haben Vorrang. Ein Anspruch auf Mitnahme des Rades besteht nicht — letztlich entscheidet das Personal. An schönen Wochenenden um drei Uhr nachmittags auf der Linie nach Oranienburg ist das real spürbar.

Wann sich das Ganze nicht lohnt

Wer drei- oder viermal im Monat mit dem Rad in den Zug steigt, fährt mit Einzeltickets oder einer 24-Stunden-Karte günstiger. Wer im November und Dezember das Rad an den Haken hängt, sollte die Monatskarte aussetzen — sie ist nicht als Jahresabo erhältlich, sondern wird Monat für Monat einzeln gekauft. Das ist administrativ unbequem, aber tariflich ehrlich: Du bezahlst nur, wenn du auch fährst.

Für lange Touren mit nur einer Anreise ins Brandenburger Umland und Rückfahrt am selben Tag reicht eine 24-Stunden-Karte. Erst wenn die Frequenz steigt — Donnerstag-Ausfahrten ab Werder, Sonntagstrip nach Brandenburg, gelegentliche Anreise zum Schmutzigen Wochenende — wird die Monatskarte zur sinnvollen Infrastruktur.

Wo du sie bekommst

Verkauft wird die Monatskarte Fahrrad an Fahrkartenautomaten der BVG, der S-Bahn Berlin und der Deutschen Bahn. Daneben in den Kundenzentren der drei Verkehrsbetriebe und in vielen Verkaufsstellen am Bahnhof. Online geht nichts. Wer in Cottbus, Frankfurt (Oder), Potsdam oder Brandenburg an der Havel kauft, findet die Karte an den dortigen Automaten der lokalen Verkehrsbetriebe.

Wer die Karte zum ersten Mal sucht, plant fünf Minuten extra ein. Wer sie zum zweiten Mal kauft, steht in dreißig Sekunden am Automaten und drückt sich durch.

Häufige Fragen

Kann ich die VBB-Fahrrad-Monatskarte in der App kaufen?

Nein. Die Monatskarte Fahrrad gibt es ausschließlich als Papierticket — weder in der BVG-App noch in der VBB-App noch im DB Navigator. Gekauft wird sie am Automaten oder im Kundenzentrum.

Ist die Monatskarte Fahrrad übertragbar?

Ja. Die Karte ist nicht personengebunden und kann von verschiedenen Personen genutzt werden — allerdings immer nur in Verbindung mit einem gültigen eigenen Hauptfahrschein. Eine Karte pro Fahrrad und Fahrt.

Was kostet die VBB-Fahrrad-Monatskarte 2026?

Seit 1. Januar 2026 kostet die Monatskarte Fahrrad Berlin AB 14,60 €, Berlin ABC 18,20 € und VBB-Gesamtnetz 30,30 €. Den Tarifbereich BC gibt es nicht mehr.

Gilt das Deutschlandticket auch für mein Fahrrad?

Nein. Das Deutschlandticket ist personengebunden und deckt die Fahrradmitnahme nicht ab. Eine Deutschlandticket-Variante mit Fahrradmitnahme gibt es bundesweit nicht. Wer mit Rad in S-Bahn, Regio oder Tram steigt, braucht zusätzlich ein Fahrradticket — Einzel, 24-Stunden- oder Monatskarte.

Ab wann lohnt sich die Monatskarte gegenüber einer Tageskarte?

Ab vier Tagestrips pro Monat ist die Gesamtnetz-Monatskarte (30,30 €) günstiger als vier 24-Stunden-Karten (4 × 7,50 € = 30,00 €). Bei Einzeltickets liegt die Schwelle bei rund sieben bis neun Mitnahmen.

Darf ich ein Pedelec, Tandem oder Lastenrad mitnehmen?

Pedelecs bis 25 km/h gelten als Fahrrad und sind eingeschlossen. S-Pedelecs, Tandems, Liegeräder, dreirädrige Fahrräder und Lastenräder sind nach VBB-Beförderungsbedingungen ausgeschlossen. Tandems dürfen ausnahmsweise im Regionalverkehr und in der S-Bahn Berlin mit, gegen einen regulären Fahrradtarif.

Gilt die Karte auch im Bus?

Nein. Die Fahrradmitnahme in Bussen ist im VBB grundsätzlich nicht gestattet, egal welche Fahrradkarte du hast.

Gilt die VBB-Fahrrad-Monatskarte auch außerhalb von Berlin und Brandenburg?

Nein. Die Karte gilt nur im Geltungsbereich des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg. In anderen Bundesländern gelten eigene Tarife: VRR im Ruhrgebiet, HVV in Hamburg, MVV in München, RMV im Rhein-Main-Gebiet. Manche Verbünde lassen die Fahrradmitnahme außerhalb der Hauptverkehrszeit kostenlos zu, andere verlangen eigene Tickets. Im Zweifel beim Zielverbund prüfen.

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