Die Stadt steht. Blechkolonnen, rote Bremslichter, Kreuzungen voller Ungeduld. Wir rollen in die andere Richtung.
Die kleinen Sealant-Flaschen muss man nicht wegwerfen. Mit einem Stück Frischhaltefolie zwischen Flaschenhals und Schraubverschluss lassen sie sich aus dem Großgebinde nachfüllen – beliebig oft, auslaufsicher und ohne dass der Verschluss verklebt. Ein Werkstatt-Trick, der Müll spart und unterwegs zum Pannenhelfer wird.
Diese Woche geht es nach Norden raus. Nicht spektakulär. Genau deshalb gut. Der Berliner Norden funktioniert anders als der Südosten: offener, direkter, weniger versteckt. Lange Wege, Windkanten, trockene Linien zwischen Stadtrand, Feldern und Kiefern. Wir sammeln unterwegs noch einmal im Prenzlauer Berg ein und ziehen dann gemeinsam weiter Richtung Außenkante der Stadt. Sobald der Asphalt aufhört, wird es ruhig.
Berlin hat in erster Näherung überhaupt keine Skyline, aber wenn man aus genau dem richtigen Winkel, genau zur richtigen Zeit aus genau dem richtigen Abstand bei genau dem richtigen Licht schaut, ist es immer noch nicht beeindruckend. Wir machen uns trotzdem auf den Weg um uns die Sache mal genauer anzuschauen.
Alles Radfahren war Gravelcycling, bevor es Asphalt gab. Die Geschichte des Untergrunds reicht von römischen Heerstraßen über McAdams Schotterrevolution und preußische Chausseen bis zu den Radfahrern, die im 19. Jahrhundert für bessere Straßen kämpften — und vom Automobil verdrängt wurden. Eine Materialgeschichte von Sand, Feldstein und Teer, die erklärt, warum Brandenburger Feldwege keine kaputte Infrastruktur sind, sondern ihr Originalzustand.
Berlin ist flach. Sagen Menschen, die nie falsch abgebogen sind. Auch diese Woche suchen wir wieder jede Erhebung, die der Südosten hergibt: kleine Kanten, sandige Anstiege, Brücken, alte Aufschüttungen, Wege, die kurz unangenehm werden und genau deshalb Spaß machen.
Karow ist gesetzt. Der Rest ergibt sich.
Wir feiern jede frische Knospe und jedes bisschen Grün der letzten Woche angemessen: Mit dem Fahrrad im Wald und zwischendurch mit Kaffee und Kuchen.
Der 30.04. ist ein besonderer Abend. Die Stadt lädt sich auf. Morgen wird es laut. Wir fahren heute. Ein Ride im Zwischenraum: noch Alltag, aber schon mit diesem leichten Kippen Richtung Ausnahmezustand. Genau der Moment, in dem man am besten rauskommt. Richtung Südosten. Trockene Wege, lange Linien, ruhiger Rhythmus. Wald, Sand, offene Abschnitte. Nichts Spektakuläres – nur ein Abend, der läuft. Die Stadt bleibt zurück, ohne dass man sie verlässt. Der Lärm kommt erst später.
Wir feiern jede frische Knospe und jedes bisschen Grün der letzten Woche angemessen: Mit dem Fahrrad im Wald und zwischendurch mit Kaffee und Kuchen.