Buchrezension · Wenn ein Mann aus Middlesbrough das Pavé erklärt.

Harry Pearson: Quer durch Flandern – Eine Reise ins Heiligtum des Hardman-Radsports

Wer in Deutschland an professionellen Radsport denkt, denkt an Frankreich. Tour de France, gelbes Trikot, Pyrenäen, Mont Ventoux. Wer schon tiefer in der Materie steckt, fügt vielleicht den Giro d’Italia hinzu, mit seinen rosa Trikots und Dolomitenpässen. Aber das eigentliche Herz des professionellen Radsports schlägt seit über hundert Jahren nördlich von Brüssel – in einem flachen, windgepeitschten Landstrich zwischen Gent, Brügge und der niederländischen Grenze. Harry Pearson will, dass auch der Rest Europas das endlich versteht.

Eine Buchbesprechung über den britischen Sportjournalisten Harry Pearson, der mit Quer durch Flandern ein Frühjahr lang die belgischen Frühjahrsklassiker abgefahren und zugleich 500 Jahre flämische Geschichte aufgeschrieben hat. Ergebnis: Eine ethnographische Liebeserklärung an die Flandriens – jene unbeugsamen, mayonnaisefressenden Hardmen, die seit einem Jahrhundert mehr Profi-Sieger pro Kopf produzieren als alle anderen Regionen der Welt zusammen.


Kurzurteil. Pearsons Buch ist die wahrscheinlich beste Einführung in den flämischen Radsport, die es derzeit in deutscher Sprache gibt – und zugleich die unterhaltsamste. Statt taktischer Detailanalyse oder Heldenporträts liefert er eine Saison-Reportage mit kulturhistorischer Tiefe: Wer waren die Mythos-Träger der flämischen Radkultur, warum gerade Flandern, was hat das mit der belgischen Identität zu tun, und warum essen die Leute hier Mayonnaise zu Pommes Frites? Die englische Originalausgabe stand 2019 auf der Longlist des William Hill Sports Book of the Year und 2020 auf der Shortlist des Telegraph Sports Book Award. Für jeden, der ahnt, dass die Frühjahrsklassiker mehr bedeuten als die Tour, ein Pflichtkauf. Für alle anderen: eine Einladung, das endlich zu verstehen.

Die drei Spitznamen im Titel

Der deutsche Titel Quer durch Flandern ist freundlich, aber zahm. Das englische Original heißt The Beast, the Emperor and the Milkman – und diese drei Spitznamen sind kein Zufallsfund. Sie gehören zu drei flämischen Radlegenden, deren Karrieren zusammen das halbe 20. Jahrhundert umspannen:

Die drei im Titel.

The Beast – Roger De Vlaeminck (geb. 1947): das „Biest von Eeklo“, einer der größten Klassikerfahrer aller Zeiten. Über 160 Siege, einer von nur drei Fahrern, die alle fünf Monumente des Radsports gewannen – die anderen beiden, Rik Van Looy und Eddy Merckx, sind ebenfalls Flamen.
The Emperor – Rik Van Looy (1933–2025): der „Kaiser von Herentals“, erster Sammler aller fünf Monumente überhaupt. Ghent-Wevelgem 1956, 1957, 1962. Punktewertung Tour de France 1963.
The Milkman – Frans Verbeeck (1941–2019): der „fliegende Milchmann“, einer der talentiertesten Fahrer seiner Generation – und doch immer im Schatten von Eddy Merckx. Pearsons Pointe: Der Milchmann steht für die Erkenntnis, dass Größe im Radsport auch eine Frage der Mitfahrer ist, nicht nur des eigenen Talents.

Schon am Titel wird klar, was Pearson vorhat: nicht das Pantheon der gegenwärtigen Stars (Tom Boonen, Greg Van Avermaet, Wout van Aert), sondern die tieferliegende Schicht – jene Generation, die den Mythos überhaupt erst erfunden hat. Die Männer, deren Spitznamen heute noch in Café-Wänden klemmen, in Bushaltestellen-Graffiti, auf Friedhofsdenkmälern. Quer durch Flandern ist ein Buch über das, was bleibt, wenn die Karrieren längst vorbei sind.

Die drei im Titel sind keine zufällige Auswahl, sondern ein Programm: Beast, Emperor, Milkman – Macht, Glanz und das namenlose Mitfahrer-Schicksal. Ein ganzes Soziogramm in drei Spitznamen.

Flämischer Frühling – ein Saisonbuch

Quer durch Flandern ist kein klassisches Sportbuch. Pearson beschreibt keine Taktiken oder Siege im Detail, sondern das Lebensgefühl entlang der Strecke. Das Buch hat eine klare Struktur: Pearson folgt im Frühjahr 2017 den belgischen Klassikern – Etappe für Etappe, Rennen für Rennen. Vom Omloop Het Nieuwsblad Ende Februar als Saisoneröffnung über Strade Bianche (das streng genommen italienisch ist, aber ins Programm gehört), Kuurne-Brussel-Kuurne, Dwars door Vlaanderen, die E3 Saxo Classic, Gent-Wevelgem bis zum großen Höhepunkt: der Ronde van Vlaanderen, gefolgt vom französischen Geschwister-Klassiker Paris–Roubaix.

Diese Saisonchronologie ist kein Kalender, sondern eine Erzähltechnik: Jedes Rennen bringt seine eigenen Geschichten, seine eigenen Helden, sein eigenes Lokalkolorit. Die Muur van Geraardsbergen mit ihren 910 Metern Pflasterstein bei durchschnittlich 9% Steigung (Spitze: 20%) bekommt eigene Kapitel. Der Koppenberg, der Oude Kwaremont, der Paterberg – die berühmten Hellingen sind nicht nur Anstiege, sondern Orte mit eigener Mythologie. Wer einmal auf einem dieser Hügel im Regen gestanden hat, weiß: Diese Mythologie ist nicht ausgedacht.

Die Ronde von 1913 – als die Franzosen passten.

Die Ronde van Vlaanderen wurde 1913 gegründet, ein Jahr nach dem ersten flämischen Tour-de-France-Sieg von Odiele Defraeye. Treibende Kraft: der Journalist Karel Van Wijnendaele (selbst ehemaliger Profi unter dem Pseudonym Marc Bolle), der mit einer neuen Sportzeitung ein Rennen brauchte. Die erste Ausgabe führte über 320 Kilometer durch Ost- und Westflandern, auf Wegen, die Pearson treffend beschreibt: „Kopfsteinpflaster so lückenhaft wie das Lächeln eines Dorfdeppen, Schlackenpfade kaum breit genug für eine Schubkarre, von Kühen zertretene Furchen auf dem Weg zum Melken“. Die französischen Teams verboten ihren belgischen Fahrern die Teilnahme – zu gefährlich. Genau das wurde zur Geburtsstunde des Hardman-Mythos: Wer hier antrat, war Flame. Wer hier siegte, wurde zum Heiligen.

Radsport als säkulare Religion

Dass der Radsport in Flandern religiöse Züge trägt, ist mehr als rhetorische Geste. In Roeselare wurde eine entweihte Kirche zum Radsportmuseum umfunktioniert – mit Altären, Reliquien (Schuhen, Trikots, Flaschen verstorbener Champions) und einem regelrechten Kreuzweg. Pearson nimmt diese Symbolik auf, ohne sie zu überhöhen, aber auch ohne sie zu belächeln. Er versteht: In einer Region, in der die katholische Liturgie über Jahrhunderte die soziale Grundinfrastruktur war, ist die Verlagerung dieser Strukturen auf den Radsport keine Säkularisierung, sondern eine Transformation.

Er zeigt, wie Fahrer wie Briek Schotte (zweimaliger Weltmeister, dreimaliger Sieger der Ronde, lebte im selben Dorf bis zu seinem Tod 2004), Freddy Maertens („Der Oger“, über 50 Siege in einer Saison, später alkoholkrank und verschuldet), Johan Museeuw („Der Löwe von Flandern“, dreimal Ronde-Sieger) zu Heiligen des Alltags wurden. Wie Orte, die sonst kaum Beachtung finden, für einen Tag des Jahres zu Pilgerstätten werden. Wie Leiden, Regen und das stundenlange Plombenrütteln auf dem Pavé zur kollektiven Transzendenzerfahrung führen – nicht nur für die Fahrer, sondern auch für die Tausenden, die am Streckenrand stehen, mit Bier in der Hand und gefrorenen Zehen.

Wo die Kirche entweiht wurde, übernimmt das Wielermuseum. Wo der Pfarrer die Gemeinde nicht mehr versammelt, tut es der Sieger im Café neben der Bushaltestelle.


Eine ethnografische Expedition mit Humor

Pearson ist Brite – und zwar nicht irgendein Brite, sondern einer aus Middlesbrough, jener postindustriellen Stadt im Nordosten Englands, deren Bewohner als noch härter, trockener und schwerer zu lesen gelten als die Flamen selbst. Diese Herkunft macht ihn zum idealen Ethnographen: Er versteht hartes Wetter, harte Industrie, harte Leute, harte Sätze. Mit trockener Ironie, feinem Witz und einem klugen Gespür für Absurdität beschreibt er flämische Eigenheiten – ohne sie zu exotisieren.

Da ist die obsessive Frittenkultur (immer mit Mayonnaise, niemals mit Ketchup, und der lokale frituur ist soziales Zentrum, nicht nur Imbiss). Da sind die Schaufensterauslagen mit Abführmittel-Werbungen direkt neben Heiligenbildern. Da sind die Kaffeestuben voller verblasster Fotos von Fahrern, die niemand mehr außerhalb des Dorfes kennt. Da ist die merkwürdige flämische Sitte, in Volksfest-Pavillons Plastikvorhänge gegen den Regen zu spannen, aber die Pommes-Frites-Stände komplett offen stehen zu lassen. Da sind die Bettlaken-Transparente an Brücken („Hou vol, Wout!“ – „Halt durch, Wout!“) in einer Schrift, die wie aus dem 19. Jahrhundert aussieht.

Pearsons Methode: zuhören statt analysieren.

Was Pearson von normalen Sportjournalisten unterscheidet, ist seine Bereitschaft, sich treiben zu lassen. Er steht in der Bushaltestelle, im Café, am Streckenrand und spricht mit Leuten, die behaupten, sich überhaupt nicht für Radsport zu interessieren – und die ihm dann zwanzig Minuten lang Detailwissen ausschütten. Er sucht die alten Herren mit den Kappen längst aufgelöster Profiteams, weil die wissen, wo man am besten steht. Er hört zu, wenn Leute Geschichten über Verstorbene erzählen, als wären sie noch da. Das ist nicht Sportreportage, das ist teilnehmende Beobachtung im besten ethnographischen Sinne. Pearson selbst beschreibt seine Haltung als die eines committed Belgophiles – nach Jahrzehnten regelmäßiger Besuche längst kein Außenstehender mehr.

Anekdoten, die hängenbleiben

Was das Buch hebt, sind nicht die großen Thesen, sondern die kleinen, perfekt erzählten Anekdoten. Jules Vanhevel etwa, der im Ersten Weltkrieg von einem Mörsergeschoss verwundet wurde, im selben Krieg seine Wadenmuskeln verlor und trotzdem das Straßenrennen der Weltmeisterschaft anführte – bis er in voller Fahrt mit einer Kuh kollidierte. Oder Tom Boonen, dreimaliger Ronde-Sieger, der auf seinem Anwesen in den belgischen Ardennen einen Esel namens Kamiel hält. Oder Rik Van Steenbergen („Rik I“), Weltmeister und Sieger von fast 1.000 Rennen, der nach der Karriere ins Spielcasino-Milieu abrutschte und kurz im Gefängnis saß.

Pearson hat ein Auge für solche Details, das selbst flämische Lokaljournalisten beneiden würden. Sein Geheimnis: Er nimmt sich Zeit. Er steht eine Stunde an einer Kreuzung, lässt das Peloton durch, fährt ins nächste Dorf, hört zu, was die Leute reden. Er fährt nicht der Tour hinterher wie die TV-Crews mit ihren Pressewagen Nr. 47, sondern bleibt stehen, wo es ihn interessiert. Das ist gegen den modernen Sportjournalismus – und genau deshalb funktioniert es.


Warum gerade Flandern? Die soziologische Frage

Pearson stellt – meist beiläufig, manchmal explizit – die eigentlich entscheidende Frage: Warum gerade Flandern? Warum produziert eine Region von fünf Millionen Einwohnern seit über hundert Jahren mehr Spitzenprofis als ganz Großbritannien, mehr Monument-Sieger als Spanien oder Deutschland zusammen? Seine Antwort entwickelt sich über das ganze Buch und ist mehrteilig: 18 Grand-Tour-Siege, 46 Paris–Roubaix-Siege, 20 Straßenweltmeistertitel – Zahlen, die keine andere Region der Welt vorzeigen kann.

Geographisch: ein flaches, windiges Land ohne natürliche Pässe. Wer hier trainiert, lernt, gegen den Wind zu kämpfen, lange Distanzen flach zu fahren, im Regen nicht aufzugeben. Soziologisch: eine Bauern- und Bergarbeitergesellschaft, in der das Rad jahrzehntelang das einzige Mobilitätsmittel war – und das Profi-Werden als legitimer Aufstiegspfad galt, ähnlich wie Boxen in Detroit oder Fußball in Brasilien. Kulturell: ein flämisches Selbstverständnis, das die Tugenden des Aushaltens, des Schweigens, des Unauffälligen besonders hochhält – Tugenden, die im Klassikerradsport zur Berufsanforderung werden. Linguistisch: Die flämische Sprache als Markierung gegenüber dem französischsprachigen Wallonien, der Radsport als kultureller Markierungspunkt einer eigenen Identität.

Wer in der flachen, windigen Polderlandschaft trainiert, ohne natürliche Berge zur Auswahl, lernt, sein Leiden in der Horizontale zu organisieren. Genau das ist die flämische Tradition.

Was wir nicht ganz mitmachen.

So gut Pearsons Reportage ist – an zwei Stellen wäre etwas mehr Distanz angebracht. Erstens: Die Verklärung des „Hardman“-Mythos ist nicht ganz unschuldig. Wo Pearson Härte, Schmerz, Aushalten als kulturelle Tugenden feiert, blendet er aus, was das in der Praxis bedeutet hat: jahrzehntelange Doping-Kultur (gerade in den 70ern und 80ern), kaputte Knie, alkoholische Karriereenden bei Maertens und Van Steenbergen, Lebenserwartungen unterhalb des Bevölkerungsschnitts. Der Mythos hat Opfer, und die kommen in dem Buch zu wenig vor. Zweitens: Frauen spielen praktisch keine Rolle. Das ist – natürlich – Spiegel der Profi-Realität, aber 2019 hätte man auch fragen können, warum.


Was das Buch für deutsche Leser bedeutet

Der deutsche Radsportdiskurs ist seit Jahrzehnten frankophil orientiert. Tour de France, Mavic, Look-Pedale, Lapierre-Rahmen, französische Marken, französische Mythen. Das hat Gründe – Jan Ullrichs Tour-Siege, die mediale Dominanz der ARD-Tour-Berichterstattung der 1990er und 2000er, die geographische Nähe der Pyrenäen und Alpen. Aber es führt zur kuriosen Situation, dass die geographisch viel näher gelegene flämische Radkultur in Deutschland weniger präsent ist als die zentralfranzösische.

Pearsons Buch ist deshalb für deutschsprachige Leser besonders wertvoll: Es schließt eine Lücke, die niemand zuvor systematisch gefüllt hat. Wer eine Anreise nach Belgien plant – sei es zur Ronde, zum Paris–Roubaix, oder einfach zum Pavé-Training auf eigene Faust – hat hier ein Vorbereitungsbuch, das mehr leistet als jeder Reiseführer. Wer keine Anreise plant, bekommt zumindest eine Vorstellung davon, was er verpasst.

Wer in Berlin und Brandenburg trainiert, sollte Flandern verstehen.

Die Berliner Offroad-Szene hat mit Flandern mehr Berührungspunkte, als man auf den ersten Blick denkt. Auch hier: flaches Land, Wind als Hauptgegner, keine natürlichen Berge, Pavé-Sektionen auf alten DDR-Pflasterstrecken, deren Charakter den flämischen Kasseien gar nicht so unähnlich ist. Wer auf Grevet-Distanzfahrten stundenlang gegen den brandenburgischen Wind kämpft, hat die Grundbedingung flämischer Radkultur körperlich verstanden. Pearson liefert die kulturelle Übersetzung dazu.

Fazit: Wer die Tour kennt, kennt nur die Hälfte

Pearsons Buch ist kein Manifest, sondern eine Einladung – ähnlich wie Guillaume Martins Sokrates auf dem Rennrad, aber mit anderem Akzent: Wo Martin die theoretischen Möglichkeiten des Radsports auslotet, lotet Pearson seine kulturelle Wirklichkeit aus. Beide sind in derselben Bewegung unterwegs – sie nehmen den Radsport als kulturelles Phänomen ernst, nicht nur als sportliche Disziplin.

Was bleibt nach 288 Seiten Quer durch Flandern? Die Einsicht, dass die Tour de France zwar das berühmteste Radrennen ist, aber nicht das wichtigste. Dass das eigentliche Herz des professionellen Radsports nicht in Paris schlägt, sondern in einem Café in Wevelgem, in einer Bushaltestelle bei Geraardsbergen, in einem Wielermuseum in Roeselare. Und dass man dorthin am besten mit Harry Pearson reist – einem Mann aus Middlesbrough, der diese Welt besser versteht als die meisten Insider.

Wer die Tour kennt, kennt nur die Hälfte. Die andere Hälfte fährt im April durch das flache Land nördlich von Brüssel, im Regen, auf Kopfsteinpflaster.

Kaufen, wenn: Du Frühjahrsklassiker schaust und dich fragst, warum die Leute in Flandern so anders ticken. Wenn du mal nach Belgien zur Ronde willst und nicht als Tourist auflaufen möchtest. Wenn du verstehen willst, warum Eddy Merckx, Roger De Vlaeminck und Tom Boonen aus derselben Region kommen. Auch ein hervorragendes Geschenk für radaffine Leute mit Sinn für britischen Humor.
Nicht kaufen, wenn: Du eine systematische Geschichte der Klassiker mit Streckendiagrammen und Etappenanalysen suchst. Pearson ist Reporter, nicht Statistiker – wer harte Daten will, ist bei Peter Cossins (The Monuments) besser aufgehoben.

Häufige Fragen zu Harry Pearson und Quer durch Flandern

Wer ist Harry Pearson?

Britischer Sportjournalist, geboren 1961 in Middlesbrough (Nordostengland). Schreibt für The Guardian, When Saturday Comes und andere. Mehrfach für den William Hill Sports Book of the Year Award nominiert. Hat zuvor vor allem über Fußball und Cricket geschrieben – Quer durch Flandern ist sein erstes Radsport-Buch.

Was bedeutet der englische Originaltitel?

Im englischen Original heißt das Buch The Beast, the Emperor and the Milkman. Die drei Spitznamen gehören zu drei flämischen Radlegenden: Roger De Vlaeminck (Biest von Eeklo), Rik Van Looy (Kaiser von Herentals) und Frans Verbeeck (fliegender Milchmann).

Welche Rennen werden behandelt?

Alle wichtigen belgischen Frühjahrsklassiker der Saison 2017: Omloop Het Nieuwsblad, Kuurne-Brussel-Kuurne, Strade Bianche, Dwars door Vlaanderen, E3 Saxo Classic, Gent-Wevelgem, Ronde van Vlaanderen, Paris–Roubaix und einige kleinere lokale Rennen.

Ist das Buch auch für Einsteiger geeignet?

Ja. Pearson erklärt geduldig, wer wer ist und warum es wichtig ist. Wer noch nie ein Klassiker-Rennen gesehen hat, kommt mit. Wer schon Insider ist, findet trotzdem Anekdoten, die er noch nicht kannte – Pearsons Recherchen sind erstaunlich tief.

Welche Auszeichnungen hat das Buch erhalten?

Die englische Originalausgabe stand 2019 auf der Longlist des William Hill Sports Book of the Year und 2020 auf der Shortlist des Telegraph Sports Book Award – Cycling Book of the Year.

Wo bekommt man das Buch in Deutschland?

Direkt beim Covadonga Verlag (Bielefeld), sowie im stationären und Online-Buchhandel. Hardcover-Preis: 24,80 €. Die deutsche Ausgabe enthält eine 16-seitige Fotostrecke, die im englischen Original fehlt.

Welche anderen Bücher von Harry Pearson sind empfehlenswert?

Auf Englisch unter anderem: The Far Corner (1994, über englischen Non-League-Fußball im Nordosten), Slipless in Settle (2010, über Cricket), The Trundlers (2013) und The Farther Corner (2020). Quer durch Flandern ist bislang das einzige ins Deutsche übersetzte Werk.


Über den Autor

Harry Pearson, geboren 1961 in Middlesbrough, gilt als einer der profiliertesten britischen Sportjournalisten seiner Generation. Aufgewachsen im postindustriellen Nordosten Englands, prägt sein regionaler Hintergrund den Ton aller seiner Bücher: trockener Humor, Sympathie für Außenseiter, untrügliches Ohr für lokale Eigenheiten. Schreibt seit Jahrzehnten für The Guardian, war Stammkolumnist beim Fußballmagazin When Saturday Comes. Mehrfach für den William Hill Sports Book of the Year Award nominiert.

Vor Quer durch Flandern hatte Pearson hauptsächlich über Fußball (besonders Non-League-Fußball im Nordosten Englands) und Cricket geschrieben. Das vorliegende Buch ist sein erstes über Radsport – aber kein Anfängerwerk: Pearson hat Flandern über mehrere Jahrzehnte hinweg regelmäßig bereist und sich als „committed Belgophile“ in die Materie eingearbeitet. Diese lange Vorlaufzeit merkt man dem Buch an: Es ist nicht das schnelle Reportage-Produkt eines Tour-Tourismus, sondern die Frucht einer langjährigen Beziehung.

Bibliografische Notiz

Harry Pearson: Quer durch Flandern. Eine Reise ins Herz der flämischen Radsportleidenschaft
Aus dem Englischen von Olaf Bentkämper
Hardcover, 288 Seiten + 16-seitige Fotostrecke
ISBN 978-3-95726-054-3
Covadonga Verlag, Bielefeld, 2021
Originalausgabe: The Beast, the Emperor and the Milkman. A Bone-Shaking Tour through Cycling’s Flemish Heartlands, Bloomsbury Sport, London 2019
Preis: 24,80 €

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