Langzeittest: PB Swiss Tools BikeTool PB 470.
Warum das beste Bordwerkzeug das ist, an das man sich nicht erinnert.
Übersicht
Das Problem ist nicht der fehlende Bit
Es gibt Fahrradwerkzeug, das Aufmerksamkeit erzeugen will. Es wird gefräst, eloxiert, fotografiert und in Flatlays arrangiert. Und es gibt Werkzeug, das einfach funktioniert. Das PB 470 gehört zur zweiten Sorte – und stellt damit eine Frage, die in Testberichten selten gestellt wird: Warum erinnert man sich an manche Werkzeuge nie, und warum ist genau das ihre größte Qualität?
Der Standardfall am Wegrand sieht nicht so aus, wie Kataloge ihn zeichnen. Es reißt keine Kette, es bricht kein Schaltauge. Der Sattel ist verrutscht. Der Vorbau hat sich gelöst. Eine Schutzblechstrebe klappert seit zwanzig Kilometern. Das Schaltwerk steht nach einem Umfaller schief. Die spektakulären Pannen, für die Ausrüstung verkauft wird, passieren selten. Die banalen passieren ständig.
Und dann scheitert man nicht am fehlenden Bit. Man scheitert an der Geometrie. Der Körper des Multitools stößt an, bevor der Inbus sauber auf der Schraube sitzt. Wer schon einmal versucht hat, eine Flaschenhalterschraube zwischen Rahmen und Cage zu erreichen, kennt den Moment: Der Bit passt. Das Gehäuse nicht. Genau an dieser Stelle setzt das PB 470 an – und dort entscheidet sich auch, ob man den Preis für ein Schweizer Werkzeug für vertretbar hält.
Wann das relevant wird
– Enge Rahmengeometrien, Cargo-Cages, Anything-Cages, dritte und vierte Flaschenhalter
– Bikepacking- und Langstrecken-Setups mit vielen verschraubten Anbauteilen
– Räder mit gemischter Bestückung (Torx am Bremssattel, Inbus am Rest)
– Wer unterwegs tatsächlich schraubt, nicht nur Werkzeug mitführt
– Wer ein Werkzeug für zwanzig Jahre will, nicht für zwei Saisons
Für die Feierabendrunde mit Sattelklemme und sonst nichts ist das überdimensioniert. Ein 5er Inbus tut es auch.
Konzept: Ein Stück Werkstatt, kein Gadget
PB Swiss Tools baut seit über hundert Jahren Handwerkzeug im Emmental – Schraubendreher, Winkelschlüssel, Bits. Fahrradzubehör ist dort ein Randprodukt, kein Geschäftsmodell. Man merkt das dem PB 470 an: Es fühlt sich eher wie ein Gegenstand aus der Werkstatt an als wie ein Fahrradprodukt. Es stammt aus einer Tradition, in der Werkzeug nicht Teil der Identität ist. Niemand definiert sich über einen guten Inbusschlüssel.
Der Aufbau ist entsprechend unspektakulär. Kern ist ein Winkelschlüssel Inbus 5 mm. Auf ihn steckt man einen Edelstahl-Adapter, der handelsübliche C6-Bits im Zollformat aufnimmt. Im Lieferumfang: Torx T25, Phillips PH2, Schlitz 3 sowie Inbus in 2; 2,5; 3; 4 und 6 mm. Dazu zwei Reifenheber aus Hochleistungspolymer, die zugleich als Gehäuse dienen. PB Swiss zählt das als neun Schraubfunktionen plus zwei Heber – elf Werkzeuge, 101 Millimeter lang, 91 Gramm schwer.



Was fehlt, fehlt bewusst: kein Kettennieter, kein Speichenschlüssel, kein Flaschenöffner, kein versteckter USB-Stick. Das PB 470 versucht nicht, eine Werkstatt zu ersetzen. Viele Multitools leiden unter einer seltsamen Logik – je mehr Funktionen sie bekommen, desto schlechter werden die einzelnen Werkzeuge. Die Hebel werden kürzer, die Zugänglichkeit schlechter, die Kompromisse größer. Das PB 470 geht den umgekehrten Weg.
Die meisten Multitools versuchen, eine Werkstatt zu simulieren. Das PB 470 macht etwas Klügeres: Es bringt ein Stück Werkstatt mit.
Praxis: Was funktioniert
Getestet nicht auf dem Werkstattständer, sondern dort, wo Schrauben tatsächlich klemmen: auf sämtlichen Grevets der Saisons 2025 und 2026, auf den Supergrevet-Distanzradfahrten, auf der Berlinumrundung, dem Bernauer Heerweg bis an die Ostsee und bei jedem Dreckigen Donnerstag dazwischen. Mehrere Jahre im Rahmentäschchen, Brandenburger Sand, Regen, Winter, Umfaller. Kein Testparcours, sondern die Strecken, auf denen Werkzeug zählt, weil der nächste Radladen zwei Landkreise entfernt liegt.
Zugänglichkeit: Der Bit sitzt dort, wo die Schraube sitzt – nicht dort, wo das Gehäuse es erlaubt. Flaschenhalter zwischen Rahmen und Cage, Schutzblechstreben, Lichthalter, Bremshebelschellen: Stellen, an denen ein zusammengefaltetes Multitool schräg ansetzt oder gar nicht erst hinkommt.
Hebel: Der Winkelschlüssel gibt für seine Größe erstaunlich viel Drehmoment. Fest sitzende Schrauben lassen sich kontrolliert lösen, statt sie mit einem kurzen Multitool-Stummel zu würgen.
Toleranzen: Man rutscht selten ab. Schrauben werden nicht rund. Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit und ist bei billigem Bordwerkzeug keine.
Bestückung: Man nimmt mit, was das eigene Rad braucht – und ergänzt, was fehlt. Nicht zwölf Funktionen, die man nie anfasst.
Reifenheber: Funktionieren, sind Teil des Gehäuses, kein Zusatzgewicht. Kein Grund, separate Heber mitzuführen.
Gewicht: 91 Gramm. Kein Argument in beide Richtungen – man merkt es nicht.
Haltbarkeit: Keine Verformung, kein Spiel im Adapter, kein Bit-Verlust. Die Bits sitzen fest genug, um nicht in den Sand zu fallen, und lose genug, um mit klammen Fingern gewechselt zu werden.
Der Unterschied zeigt sich in einer Asymmetrie, die man in Datenblättern nicht findet: Die Präzision merkt man erst nach Monaten. Dass man an die Schraube kommt, merkt man in der ersten Minute.
Härte hat einen Preis
Die Festigkeit ist der Grund, warum das PB 470 funktioniert. Der Stahl ist hart, die Bits verwinden sich nicht, die Kanten bleiben scharf. Genau diese Härte hat aber eine Kehrseite, und sie betrifft ausschließlich die Bits: Korrosionsschutz ist nicht ihre Stärke.
Man muss dafür unterscheiden. Winkelschlüssel und Adapter sind aus Edelstahl – PB Swiss nennt das Werkzeug beständig gegen Öl, Benzin und Reinigungsmittel, und das deckt sich mit der Erfahrung: Diese Teile bleiben blank. Die eingesteckten C6-Bits sind es nicht. Sie bestehen aus härterem, unbeschichtetem Werkzeugstahl – genau das macht sie präzise und standfest, und genau das macht sie anfällig. Das ist kein Sonderproblem von PB Swiss, sondern gilt für Werkzeugstahl-Bits generell, egal von welchem Hersteller.


Und es braucht wenig. Kein durchnässtes Rahmentäschchen, keine Woche im Regen. Leichte Restfeuchte reicht. Anhaltend hohe Luftfeuchtigkeit reicht auch. Ein Bit, der monatelang ungenutzt im Rahmentäschchen mitfährt, zeigt das irgendwann – nicht als Substanzverlust, sondern als Film, als Fleck. Auf die Funktion hat das zunächst keinen Einfluss, schön ist es bei diesem Anspruch trotzdem nicht. Gravel und Bikepacking findet nicht im Reinraum statt, sondern ziemlich genau im Gegenteil davon, auch Wartung und Reinigung ist mit Schlafmangel, nassen und verschwitzten Fingern auf z.B einem 800 Km Supergrevet von Wien-nach Berlin vielleicht zunächst keine Toppriorität. Korrosion also eine erwartbare Folge.
Beheben lässt es sich mühelos. Ein dünner Film Ballistol auf den Bits, Aufbewahrung im Trockenen, ein Ziplock-Beutel gegen die Feuchtigkeit. Beides kostet fast nichts. Nur ist damit der Punkt erreicht, an dem die Sache ihre Eleganz verliert: ein Werkzeug dieser Fertigungsgüte im Gefrierbeutel spazieren zu fahren, ist eine Lösung, keine Antwort.
Nur die Bits betroffen, nicht Winkelschlüssel oder Adapter. Nach nassen Touren abtrocknen, dünner Film Ballistol oder vergleichbares Kriechöl, Aufbewahrung im Trockenen. Kostet zwei Minuten pro Saison und verhindert Flugrost zuverlässig. Ersatzbits gibt es ohnehin einzeln.
Das einzige Teil des Systems, das nicht nach Schweizer Präzision aussieht, ist seine Aufbewahrung. Für dauerhafte Bikepacking-Nutzung ist sie nicht gedacht. Die meisten Nutzer landen früher oder später beim Ziplock, beim Dyneema-Pouch oder bei einem kleinen Cordura-Etui aus dem Zubehörmarkt. Ein wasserdichtes, robustes Etui gehörte in den Lieferumfang – nicht als Zubehör, sondern als Standardausstattung. Es wäre die konsequente Fortsetzung dessen, was das Werkzeug selbst vorführt: dass man die letzten zehn Prozent nicht dem Zufall überlässt.
Erweiterbarkeit & Ersatzteile
Der praktisch wichtigste Punkt steckt im Adapter, nicht in der Bit-Liste. Das PB 470 ist kein geschlossenes System. Der Adapter nimmt handelsübliche C6-Bits im Zollformat auf – man ist damit nicht auf die Werksbestückung festgelegt.
Das ist mehr als Bequemlichkeit. Moderne Räder sind uneinheitlich bestückt: T25 am Bremssattel, T30 an manchen Kettenblattschrauben, ein 8er Inbus an Pedalachsen und Kurbelschrauben, den das Werksset nicht abdeckt. Wer weiß, welche Schrauben am eigenen Rad tatsächlich verbaut sind, stellt sich die passende Handvoll Bits zusammen und lässt den Rest zu Hause. Das entspricht ziemlich genau der Langstreckenlogik: mitnehmen, was gebraucht wird. Nicht mehr. Es ist dieselbe Haltung, die auch beim CrankTank die Ausrüstungsfrage bestimmt – nicht möglichst viel, sondern das Richtige an der richtigen Stelle.
Der 8er Inbus ist dabei fast Pflicht, nicht Kür. Pedale sitzen bei vielen Systemen auf einer 8-mm-Inbusaufnahme, und Kurbelschrauben – etwa bei SRAM DUB – ebenfalls. Wer unterwegs ein Pedal tauschen oder eine gelöste Kurbel nachziehen muss, kommt ohne diesen Bit nicht weit. Er gehört ins Set, auch wenn PB Swiss ihn ab Werk nicht mitliefert. Beim Drehmoment stößt das PB 470 hier an seine Grenze, aber die richtige Grenze: Pedalachsen wollen rund 35 bis 40 Newtonmeter, SRAM-Kurbelschrauben um die 50. Für den Trail-Notfix reicht der schlanke Winkelschlüssel – eine gelöste Kurbel so weit nachziehen, dass man heimkommt, ein klapperndes Pedal sichern, das gelingt. Was er nicht ersetzt, ist die reproduzierbare Endmontage nach Vorgabe. Dafür bleibt der Drehmomentschlüssel in der Werkstatt zuständig. Am Wegrand geht es nicht um den korrekten Wert, sondern darum, dass die Schraube hält, bis man zu Hause ist.
Die Konsequenz ist unterschätzt: Das Werkzeug wird individuell konfiguriert, nicht gekauft. Ein Multitool ist eine Herstellerentscheidung darüber, welche Schrauben man unterwegs lösen darf. Beim PB 470 trifft man diese Entscheidung selbst – und zwar nach dem eigenen Rad, nicht nach dem statistischen Durchschnittsrad, für das die Bestückung eines Falt-Tools kalkuliert wurde.
Damit fallen auch die Randfälle ab, an denen jedes geschlossene System scheitert. Sicherheits-Torx mit Zapfen zum Beispiel: Sie sitzen an E-Bike-Akkuhaltern und Motorabdeckungen, an manchen Anbauteilen, an Gepäckträgern und regelmäßig an städtischer Infrastruktur. Kein Multitool der Welt hat sie an Bord – als C6-Bit kosten sie ein paar Euro und passen in den Adapter. Dasselbe gilt für Vielzahn, für exotische Torx-Größen, für alles, was ein Hersteller nie vorgesehen hat, weil es zu selten gebraucht wird. Zu selten heißt nicht: nie. Es heißt: genau dann, wenn man am Wegrand steht.
Auch die Einzelteile sind nachbestellbar – Adapter, Reifenheber und Bits führt PB Swiss separat im Sortiment. Ein verlorener Bit ist kein Grund, das ganze Set zu ersetzen. Für ein Werkzeug, das zwanzig Jahre halten soll, ist das keine Nebensache, sondern Voraussetzung.
Einschränkungen
Korrosion der Bits. Der zentrale Punkt, siehe oben. Betroffen sind nur die unbeschichteten Werkzeugstahl-Bits, nicht der Edelstahl-Korpus. Ohne Schutz feucht gelagert, setzen sie Flugrost an. Kein Funktionsproblem, aber ärgerlich bei diesem Preis – und mit ein wenig Öl vermeidbar.
Aufbewahrung. Kein wasserdichtes Etui im Lieferumfang. Muss man selbst lösen.
Kein Kettennieter. Wer auf Langstrecke keinen separaten Nieter oder kein Kettenschloss dabei hat, ist mit dem PB 470 allein nicht vollständig ausgerüstet. Das ist eine bewusste Systementscheidung, keine Schwäche – aber sie will bedacht sein.
Kein Speichenschlüssel. Gleiches Prinzip. Wer weit fährt, ergänzt beides ohnehin separat.
Werksbestückung endet bei 6 mm. Der 8er Inbus für Pedalachsen und Kurbelschrauben (etwa SRAM DUB) fehlt ab Werk – über den C6-Adapter nachrüstbar und faktisch Pflicht, aber man muss daran denken.
Drehmomentgrenze. An hohen Anzugsmomenten stößt der schlanke Winkelschlüssel an seine Grenze. Für den Trail-Notfix reicht es – eine gelöste Kurbel oder ein Pedal so weit sichern, dass man heimkommt, gelingt. Die reproduzierbare Endmontage von Pedalen (35–40 Nm) und SRAM-Kurbelschrauben (um 50 Nm) nach Vorgabe ersetzt es nicht. Das ist für ein Bordwerkzeug in Ordnung, solange man den Unterschied kennt.
Preis. UVP 60,88 Euro, der Straßenpreis liegt meist etwas darunter – ein Vielfaches eines Baumarkt-Multitools. Das relativiert sich über die Nutzungsdauer, aber es steht am Anfang trotzdem im Regal.
Systemvergleich: Falt-Multitool, Bit-Ratsche, PB 470
Das klassische Falt-Multitool ist der Standard, und es hat gute Gründe: billig, kompakt, überall erhältlich, alles dran. Sein Problem ist nicht die Bestückung, sondern der Körper. Alle Werkzeuge hängen an einem gemeinsamen Gehäuse, und dieses Gehäuse muss irgendwo hin. In offenen Positionen – Sattelklemme, Cockpit – ist das egal. In engen Positionen entscheidet es alles. Der Bit passt theoretisch, das Gehäuse aber nicht in die Lücke. Dazu kommt der kurze Hebel: Je mehr Funktionen am Körper hängen, desto weniger Kraft lässt sich sauber übertragen.
Die Bit-Ratsche – Silca T-Ratchet, Wolf Tooth, diverse Wera-Sets – ist der ernstere Gegenspieler, und ehrlich gesagt der überlegene, sobald es wirklich eng wird. Ihr Vorteil ist nicht in erster Linie das Drehmoment, sondern der Winkel: Über Gelenk, Verlängerung und die Ratschenmechanik kommt sie an Schrauben, an die man mit einem starren Winkelschlüssel gar nicht herandreht, weil kein Platz für die Drehbewegung ist. Wer am Bike ernsthaft schraubt, profitiert davon spürbar. Der Preis dafür ist Bulk: Sie ist schwerer, teurer, und ihr Grundkörper plus Bitsatz braucht mehr Platz. Sie ist außerdem ein mehrteiliges System, das man am Wegrand zusammensetzt – im Dunkeln, mit kalten Fingern.
Das PB 470 sitzt dazwischen. Es ist so klein wie ein Multitool, verhält sich aber wie Einzelwerkzeug, weil der Winkelschlüssel schlank genug ist, um dorthin zu kommen, wo die Schraube sitzt. Gegen die Ratsche verliert es beim Winkel und beim Drehmoment – gegen jedes Falt-Tool gewinnt es bei beidem. Was es der Ratsche voraushat, ist die Kompromisslosigkeit in der Größe: ein Teil, nichts zusammenzusetzen, verschwindet im Rahmentäschchen. Wer viel und ernsthaft schraubt, nimmt die Ratsche. Wer wenig Platz hat und trotzdem an die Schrauben kommen will, nimmt das PB 470.
Der entscheidende Unterschied ist aber ein anderer, und er ist grundsätzlicher als jede Hebelbetrachtung: Ein Falt-Multitool ist ein fertiges Produkt. Das PB 470 ist eine Konfiguration. Beim einen hat ein Hersteller entschieden, welche Schrauben man unterwegs lösen können soll. Beim anderen entscheidet man selbst – nach dem eigenen Rad, mit allen Sonderfällen, die darin verbaut sind.
Wer das gegeneinander abwägt, landet bei einer einfachen Frage: Wie oft schraubt man unterwegs wirklich – und an welchen Stellen? Wer selten schraubt und dann an gut zugänglichen Schrauben, braucht das PB 470 nicht. Wer regelmäßig an Anbauteilen arbeitet, bei denen es eng wird, merkt den Unterschied bei jedem einzelnen Mal.
Viele Multitools können eine Schraube theoretisch lösen. Das PB 470 erreicht sie überhaupt erst.
Fazit
Das PB 470 löst kein Problem, das vorher unlösbar gewesen wäre. Es verspricht keine Abenteuer und keine Geschwindigkeit. Es macht nichts interessanter. Es macht nur die Dinge zuverlässig, die ohnehin getan werden müssen – und kommt dabei an Stellen, an denen ein Falt-Multitool aufgibt. Werkzeuge die einem keinen Widerstand entgegensetzen und dadurch praktisch in der Benutzung verschwinden, sind die besten. Dem PB 470 gelingt dies.
Der Flugrost an den Bits ist der ehrliche Preis für harten, unbeschichteten Werkzeugstahl – der Korpus bleibt blank, und mit ein paar Tropfen Öl ist die Sache beherrschbar. Dass eine wasserdichte Hülle nicht mitkommt, bleibt der einzige Punkt, an dem das Produkt hinter seinem eigenen Anspruch zurückbleibt.
Niemand definiert sich über einen guten Inbusschlüssel. Man bemerkt ihn erst, wenn man einen schlechten benutzt hat. Das ist vermutlich das höchste Lob, das man Werkzeug machen kann: Gutes Werkzeug erweitert die Fahrt nicht. Es tritt einen Schritt zurück und lässt die Fahrt stattfinden.
Positiv
- Kommt an Schrauben, die ein Falt-Multitool nur schräg oder gar nicht erreicht
- Hebel und Drehmoment weit über Multitool-Niveau
- Enge Toleranzen. Man rutscht nicht ab, Schrauben werden nicht rund
- Offenes C6-Bit-System. Das Werkzeug wird nach dem eigenen Rad konfiguriert, nicht gekauft
- Deckt Randfälle ab, an denen jedes geschlossene System scheitert – Sicherheits-Torx, exotische Größen, Vielzahn
- Einzelteile nachbestellbar. Kein Wegwerfprodukt
- Reifenheber integriert, ohne Zusatzgewicht
- 91 Gramm, 101 Millimeter. Verschwindet in jeder Tasche
- Gebaut aus Werkzeugtradition, nicht aus Fahrradmarketing
Neutral
- Kein Kettennieter, kein Speichenschlüssel – bewusste Systementscheidung, aber man muss sie kennen
- Werksbestückung endet bei 6 mm Inbus. 8 mm für Pedale/Kurbel faktisch Pflicht, aber nachrüstbar
- Hohe Drehmomente (Pedale, SRAM-Kurbel um 50 Nm): Trail-Notfix ja, reproduzierbare Endmontage nein
- Sieht aus wie Werkstattwerkzeug. Ist welches
- Preis auf Werkzeugniveau, nicht auf Zubehörniveau
Negativ
- Unbeschichtete Werkzeugstahl-Bits ohne Korrosionsschutz – leichte Feuchtigkeit reicht für Flugrost (Edelstahl-Korpus bleibt blank)
- Keine wasserdichte Hülle im Lieferumfang – bei einem Werkzeug dieser Güte und dieses Preises ein Versäumnis
Technische Daten
| Modell | PB Swiss Tools PB 470 „BikeTool“ |
| Funktionen | 11-in-1: 9 Schraubwerkzeuge + 2 Reifenheber |
| Träger | Winkelschlüssel Inbus 5 mm (PB 210.5) + Bit-Adapter (PB 470.M) |
| Bits (Werksbestückung) | Torx T25, Phillips PH2, Schlitz 3, Inbus 2 / 2,5 / 3 / 4 / 6 mm |
| Bit-Aufnahme | C6 (1/4″) – handelsübliche Bits nachrüstbar |
| Reifenheber | 2 Stück, Hochleistungspolymer (PB 470.R), zugleich Gehäuse |
| Maße | 101 × 36 × 21 mm |
| Gewicht | 91 g |
| Herstellung | Schweiz |
| Preis | UVP 60,88 € (Straßenpreis meist darunter) |
Das Werkzeug wurde regulär erworben. Es handelt sich um einen unbezahlten Beitrag. Keine Kooperation, kein Testmuster, keine Vergütung.
→ PB Swiss Tools – pbswisstools.com
→ Direkt zur Produktseite PB 470
Häufige Fragen zum PB 470
Ja. Zwei Stück aus Hochleistungspolymer – sie bilden zugleich das Gehäuse des Werkzeugs. Ein separater Satz Heber ist damit nicht nötig.
Ja, und das ist der eigentliche Vorteil gegenüber einem geschlossenen Multitool. Der Adapter nimmt handelsübliche C6-Bits im Zollformat auf. Damit lässt sich das Werkzeug nach dem eigenen Rad zusammenstellen – inklusive Randfällen, die kein Hersteller vorsieht: Sicherheits-Torx mit Zapfen (E-Bike-Akkuhalter, Motorabdeckungen, Gepäckträger, städtische Infrastruktur), exotische Torx-Größen, Vielzahn. Kein Falt-Multitool hat so etwas an Bord.
Nur die Bits, und die brauchen dafür nicht viel. Sie bestehen aus hartem, unbeschichtetem Werkzeugstahl – leichte Restfeuchte oder anhaltend hohe Luftfeuchtigkeit reichen für Flugrost. Winkelschlüssel und Adapter sind Edelstahl und bleiben blank. Abhilfe: Bits trocken lagern, dünner Film Ballistol. Ein Funktionsproblem ist es nicht, ein Ärgernis schon – und Ersatzbits gibt es einzeln.
Nein. Auch kein Speichenschlüssel und kein Flaschenöffner. Wer auf Langstrecke fährt, ergänzt Nieter und Kettenschloss separat – das gilt allerdings auch für die meisten Falt-Multitools, deren integrierte Nieter oft nur bedingt brauchbar sind.
Wenn man unterwegs tatsächlich schraubt: ja. Der Unterschied liegt nicht in der Funktionsliste, sondern in der Zugänglichkeit und im Hebel. Wer nur ein Werkzeug mitführt, ohne es je zu benutzen, spart mit dem Billigtool Geld – und merkt den Unterschied nie.
Ja. Adapter (PB 470.M), Reifenheber (PB 470.R) und einzelne Bits führt PB Swiss separat im Sortiment. Ein verlorener Bit macht das Set nicht wertlos.
Für den Notfall ja. Der nötige 8er oder 10er Inbus ist nachrüstbar und sollte ins Set – Pedalachsen und Kurbelschrauben (etwa SRAM DUB) sitzen darauf. Beim Drehmoment stößt der schlanke Winkelschlüssel an seine Grenze: Pedale wollen 35–40 Nm, SRAM-Kurbelschrauben um 50 Nm. Für den Trail-Notfix reicht es – eine gelöste Kurbel so weit nachziehen, dass man heimkommt, gelingt. Die reproduzierbare Endmontage nach Vorgabe ersetzt es nicht; dafür bleibt der Drehmomentschlüssel in der Werkstatt zuständig.

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