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Apps & Tools für Grevet, Brevet, Ultra und Bikepacking: Wetter, Versorgung und Routenplanung


Die Strecke steht. Der Track liegt auf dem Gerät, die Höhenmeter sind angeblich kalkuliert. Trotzdem scheitern lange Fahrten selten an der Linie auf der Karte. Sie scheitern zwischen den Punkten: am geschlossenen Supermarkt, am Gegenwind nach Sonnenuntergang, an der Wasserlücke zwischen zwei Orten oder am verpassten letzten Zug.

Genau dafür ist in den letzten Jahren ein eigener Werkzeugkasten entstanden. Nicht für die Route selbst, sondern für alles, was darüber entscheidet, ob man sie zu Ende fährt.

Dieser Artikel ist kein Test einzelner Bikepacking-Apps. Er beschreibt die Werkzeuge für die Grevet, Brevet- und Langstreckenplanung, mit denen man Versorgung, Wetter, Navigation, Schlafplätze und Notfalloptionen entlang einer Route plant — die ganze Informationskette einer langen Fahrt, vom Startfenster bis zum Notausstieg.

Die meisten Planungsfehler entstehen nicht auf der Karte, sondern in den Informationslücken dazwischen. Genau dafür existieren die Werkzeuge in diesem Artikel: Sie ersetzen keine Erfahrung, aber sie machen Unsicherheit sichtbar, bevor sie zum Problem wird.

Das Problem: eine Prognose für einen Punkt, eine Fahrt über 300 Kilometer

Vergleichsgrafik: die Linie (nur A nach Z) gegen das Szenario, bei dem Versorgung, Wetter, Schlaf und Ausstiege mitgeplant sind. LINIE ODER SZENARIO Die Linie Das Szenario AZ nur die Verbindung von A nach Z Wasser Wetter Schlaf Ausweg plus Versorgung, Wetter, Schlaf, Ausstiege PLAN = EINE LINIE Start, Ziel, fertig PLAN = VIER FRAGEN MEHR Versorgung, Wetter, Schlaf, Ausweg ANFÄNGER PLANEN LINIEN — ERFAHRENE PLANEN SZENARIEN

Das Raster hinter dem Artikel: fünf Fragen, in der Reihenfolge, in der man sie beantworten muss. Die Tools sind austauschbar — die Reihenfolge der Entscheidungen bleibt.

Eine Karte zeigt die Linie — aber nicht, ob nach der nächsten Ortschaft 40 Kilometer ohne Einkaufsmöglichkeit kommen, oder ob der einzige Laden am Sonntag zu hat. Auf einer Stadtrunde egal. Sobald die Strecke aber 100, 200 oder 300 Kilometer lang wird, entscheidet die Versorgung darüber, ob man durchkommt.

Dasselbe gilt fürs Wetter. Eine normale Vorhersage gilt für einen Ort; sie sagt fast nichts über den Anstieg drei Stunden später, die Abfahrt nach Sonnenuntergang oder den Gegenwind in der zweiten Hälfte. Genau hier setzt eine ganze Werkzeugklasse an, die in der Ultra- und Audax-Szene zuletzt deutlich gewachsen ist: Tools, die Versorgung, Wetter und Geländeinformation nicht für einen Punkt, sondern für die gesamte Strecke aufschlüsseln — entlang des GPX-Tracks, in der Reihenfolge, in der man dort ankommt.

Selbst die scheinbar harte Zahl trügt: Die Höhenmeter, die ein Planer ausspuckt, sind oft schlicht falsch. Weil die zugrunde liegenden Höhendaten Messrauschen enthalten, summieren viele Tools Anstiege mit, die es gar nicht gibt — zwei Planer können für dieselbe Strecke teilweise mehrere hundert Höhenmeter Unterschied anzeigen. Wer seine Tagesform an einer aufgeblähten Zahl plant, verschätzt sich. Auch das ist ein Informationsproblem, kein Routenproblem — und es lässt sich lösen, wie der Abschnitt zum Planen weiter unten zeigt.

Das führt zu einem Gedanken, der die ganze Planung umdreht: Versorgung ist nicht bloß ein Komfortthema, sondern Teil der Schwierigkeit einer Route — genauso wie Höhenmeter oder Untergrund. Ein 300-Kilometer-Grevet mit einem Laden alle 20 Kilometer ist leichter zu fahren als ein 200-Kilometer-Grevet mit einer einzigen 80-Kilometer-Wasserlücke bei 35 Grad. Distanz und Höhenmeter, die Zahlen, mit denen man Routen üblicherweise vergleicht, verschweigen genau das. Wer eine Strecke nur nach Länge und Anstieg einschätzt, übersieht die Variable, die am Ende oft entscheidet, ob der Tag hart oder leicht wird. Die Werkzeuge in diesem Artikel machen diese verborgene Schwierigkeit sichtbar — sie zeigen die Lücken, bevor man in ihnen steckt.

Konsequent zu Ende gedacht heißt das: Langstreckenplanung bedeutet nicht, eine Linie zu planen. Sie bedeutet, mehrere mögliche Verläufe derselben Fahrt vorzubereiten — eine schnelle Variante für Rückenwind und Tageslicht, eine versorgungssichere mit Schlafoptionen, eine defensive für den Fall, dass das Wetter kippt. Erfahrene Fahrer:innen planen längst keine Route mehr, sondern Szenarien; welches am Tag X gefahren wird, entscheidet sich erst kurz vor dem Start. Das ist die eigentliche Lehre dieses Artikels, und alles Folgende läuft darauf zu. Doch der Reihe nach — erst die einzelnen Bausteine, dann ihre Synthese.

Die Linie sagt dir, wohin du fährst. Alles andere sagt dir, ob du ankommst.

Was zuerst? Die Reihenfolge der Planung

Bevor es zu den Werkzeugen geht, eine Frage, die der Rest dieses Artikels stillschweigend beantwortet — und die man besser bewusst beantwortet: Was plant man zuerst, die Strecke oder die Versorgung? Die naheliegende Reihenfolge ist, eine Linie zu ziehen und anschließend zu prüfen, ob entlang dieser Linie genug Wasser, Läden und Schlafplätze liegen. Viele der Werkzeuge hier funktionieren auch genau so: Sie nehmen einen fertigen Track und legen die Versorgung darüber. Das ist bequem — aber es ist die Reihenfolge für kurze, gut erschlossene Touren, nicht für die echte Langstrecke.

Wer weit fährt, dreht das oft um. Zuerst stehen die Fixpunkte fest: die garantierte 24-Stunden-Tankstelle vor der langen unversorgten Etappe, die einzige Wasserquelle in einem trockenen Abschnitt, eine Unterkunft, die man am Etappenende erreichen muss, der Bahnhof als Notausstieg. Erst danach legt man die Linie so, dass sie diese Punkte verbindet. Die Strecke ist dann nicht der Ausgangspunkt, sondern das Ergebnis — sie windet sich um die Versorgungslage, statt sie dem Zufall zu überlassen. Genau das meint der Satz, dass die Linie der einfache Teil ist: Sie ist das, was man zuletzt zeichnet, nicht zuerst.

In der Praxis ist beides selten ein reines Entweder-oder, sondern eine Annäherung in Schleifen. Man beginnt mit einem groben Entwurf — einer ersten Linie, die ungefähr dorthin führt, wo man hin will. Dann prüft man sie gegen Versorgung, Wetter und Untergrund, entdeckt eine 70-Kilometer-Wasserlücke oder einen unfahrbaren Sandweg, und biegt die Linie zurück. Dieser Entwurf ist nicht die Route, sondern die erste von mehreren Fassungen. Wer das im Kopf behält, spart sich die Enttäuschung, eine schöne Linie verwerfen zu müssen, weil die Logistik nicht mitspielt — und versteht, warum die folgenden Werkzeuge alle demselben Zweck dienen: aus einem Entwurf eine Route zu machen, die trägt.

Versorgung auf der Fahrradtour: Wasser, Tankstelle, Supermarkt

Fangen wir mit dem härteren Problem an. Wer den Punkt-für-Punkt-Gedanken aus unserem POI-Artikel weiterdenkt, landet bei Tools, die genau das automatisieren: Sie scannen die Strecke und zeigen, wo Supermärkte, Tankstellen, Bäcker, Trinkwasser und Unterkünfte liegen — und wie weit die jeweils von der Linie entfernt sind. Gerade in Brandenburg, wo zwischen zwei offenen Läden gut und gern 40 Kilometer liegen, ist das keine Bequemlichkeit, sondern Planung. Was man an diesen Punkten am besten einkauft und wie man sich für lange Strecken verpflegt, steht in unseren Radsport-Rezepten.

OnRouteMap

Das stärkste Werkzeug dieser Kategorie — und passenderweise ein deutsches Projekt mit Server in Deutschland. GPX hochladen, und OnRouteMap findet Supermärkte, Tankstellen, Bäckereien, Cafés, Trinkwasser, Hütten, Campingplätze, Radläden und mehr entlang der Strecke. Der entscheidende Kniff: Die POI-Basis stammt aus OpenStreetMap, die Öffnungszeiten und Bewertungen aber aus Google Maps — damit umgeht OnRouteMap die größte Schwäche reiner OSM-Tools, die lückenhaft gepflegten Öffnungszeiten. Seit Februar 2026 lässt sich die Karte sogar nach Tag und Uhrzeit filtern: Man sieht gezielt, welcher Punkt am Sonntag um sechs Uhr früh wirklich offen ist, statt vor verschlossener Tür zu stehen. Favoriten lassen sich als Roadbook zusammenstellen und als GPX oder KML für Garmin und andere Geräte exportieren. Kostenlos, ohne Werbung, ohne Tracking, ohne Registrierung — die hochgeladene Datei wird nach der Verarbeitung sofort gelöscht. Dahinter steht kein Konzern, sondern ein unabhängiges Einzelprojekt, das sich über Spenden trägt.

Kosten: kostenlos · Account: nein · Daten: Server DE; GPX nach Verarbeitung gelöscht, erzeugte Karte bis 6 Mon. gespeichert (Öffnungszeiten via Google) · Export: GPX/KML mit POI-Markern · Neu: Filter nach Tag/Uhrzeit (So./nachts)
Gewusst wie: nach Sonntags- und Nachtöffnung filtern

Die zentrale Frage auf Langstrecke lautet nicht „wo ist ein Supermarkt“, sondern „wo ist einer offen, wenn ich dort ankomme“. So grenzt man das ein:

In OnRouteMap (der bequeme Weg): Nach dem Erstellen der Karte den Filter nach Tag und Uhrzeit öffnen und auf den realistischen Ankunftszeitpunkt setzen — etwa „Sonntag, 06:00″. Die Karte blendet dann aus, was zu dieser Zeit geschlossen hat; übrig bleibt, worauf man sich verlassen kann. Beim Antippen eines POI stehen die vollständigen Öffnungszeiten im Popup, der aktuelle Tag hervorgehoben. Für mehrtägige Touren den Filter pro Etappe auf das jeweilige Zeitfenster neu setzen.

Über Overpass Turbo (der genaue Weg): Wer es exakt will, fragt direkt das OSM-Feld opening_hours ab. Diese fertige Abfrage nach Supermärkten mit hinterlegten Öffnungszeiten liefert nur Läden, bei denen die Zeiten in OSM gepflegt sind; rund um die Uhr geöffnete Tankstellen und Läden findet diese Abfrage nach opening_hours=24/7. Beide im aktuellen Kartenausschnitt ausführen und die Treffer als GPX in den Track laden. Das ist die verlässlichste Quelle für „hat nachts offen“, weil man die Rohdaten sieht.

Faustregeln als Plausibilitätsprüfung: Größere Supermärkte (REWE, Edeka) haben werktags oft bis 22 Uhr offen — in Städten teils bis Mitternacht, auf dem Land und bei kleinen Märkten eher bis 20 Uhr — und sonntags grundsätzlich zu. Discounter (Aldi, Lidl, Netto) schließen meist etwas früher. Die verlässlichste Spätversorgung sind Tankstellen: an Hauptstraßen und in Städten häufig 24 Stunden, sonst zumindest bis spät. Diese Faustregeln ersetzen den Filter nicht, helfen aber, ein Ergebnis auf Plausibilität zu prüfen.

Der Haken — und warum die Quelle zählt: Reine OSM-Abfragen (etwa über Overpass) sind nur so gut wie die Pflege der opening_hours-Tags — viele Dorfläden haben gar keine hinterlegt. Genau hier liegt der Vorteil von OnRouteMap: Weil es die Öffnungszeiten aus Google Maps zieht statt aus OSM, ist die Trefferquote deutlich höher. Hundertprozentig ist aber auch Google nicht — Feiertage, kurzfristige Schließungen und Dorf-Eigenheiten fehlen oder stimmen nicht immer. Der Filter ist also eine starke Vorauswahl, kein Garant. Bei kritischen Etappen die wichtigsten Punkte zusätzlich direkt prüfen — und nie auf den einen Laden kalkulieren.

PitStopper

Ähnlicher Ansatz, anderer Schwerpunkt: PitStopper kennt über 60 POI-Kategorien, akzeptiert neben GPX auch Garmin-FIT-Dateien und erlaubt das Hinzufügen eigener Wegpunkte. Heraus kommt eine neue GPX- oder FIT-Datei für den Radcomputer — oder eine ausdruckbare Wegpunktliste. Wer ein klassisches Cue-Sheet auf Papier mag, ist hier richtig.

Kosten: kostenlos · Account: nein · Daten: Web · Export: GPX/FIT mit Wegpunkten, Cue-Sheet

POI Ahead

Das Tool mit der schönsten Anbindung an die Wetter-Logik: POI Ahead nimmt den Track und das Durchschnittstempo und berechnet voraussichtliche Ankunftszeiten entlang der Strecke — man sieht also nicht nur wo, sondern auch ungefähr wann man an einer Versorgungsmöglichkeit vorbeikommt. POIs lassen sich markieren und für Garmin exportieren, sodass man unterwegs eine Benachrichtigung bekommt. Dazu gibt es ein Cue-Sheet zum Mitnehmen.

Kosten: kostenlos · Account: nein · Daten: Web · Export: GPX für Garmin, Cue-Sheet

Watrify & Refill

Zwei schlanke Helfer speziell fürs Trinkwasser — gerade im Brandenburger Hochsommer, wo Wasser zur eigentlichen Planungsfrage wird. Watrify zeigt über 250.000 Trinkwasserstellen weltweit auf einer interaktiven Karte ohne Registrierung.
Zudem gibt es eine kostenlose, werbefreie App (Android und iOS), die die Trinkwasserstellen cacht — so kommt man auch bei schlechtem Empfang noch an die Daten. Refill Deutschland verzeichnet Läden und Cafés mit dem blauen Refill-Aufkleber, an denen man kostenlos auffüllen kann — in Städten dicht, auf dem Land dünn. Für abgelegene Touren bleiben Brunnen und Friedhöfe die verlässlicheren Quellen; wie man Wasser in der Mark grundsätzlich plant, steht ausführlich in unserem Beitrag über die Wasser-Oasen der märkischen Wüstenlandschaft.

Kosten: kostenlos · Account: nein · Daten: Watrify weltweit, Refill DE; beide ohne Registrierung · Export: nein, reine Anzeige-Karte

Overpass Turbo

Für Fortgeschrittene und alle, die es genau wissen wollen: Overpass Turbo ist die direkte Abfrage in die OpenStreetMap-Datenbank. Statt einer vorkonfigurierten POI-Auswahl fragt man hier exakt das ab, was man sucht — Trinkwasserbrunnen, Supermärkte, Tankstellen, Schutzhütten, sogar Details wie Öffnungszeiten oder Wasserhahn-Tags. Das ist dieselbe Datenquelle, aus der OnRouteMap schöpft, nur roh und ungefiltert. Steile Lernkurve, dafür maximale Kontrolle — und die ehrlichste Art zu verstehen, woher die Versorgungsdaten der bequemeren Tools eigentlich stammen.

Zum Mitnehmen: vorkonfigurierte POI-Abfragen

Damit die Lernkurve nicht abschreckt — hier fünf fertige Abfragen für die wichtigsten Versorgungspunkte. Einfach anklicken, in Overpass Turbo zur eigenen Route zoomen und auf „Ausführen“ klicken. Jeder Treffer lässt sich als GPX exportieren und in den Track laden.

→ Trinkwasserstellen
→ Supermärkte
→ Bäckereien
→ Tankstellen
→ Tankstellen mit 24-Stunden-Betrieb
→ Schutzhütten

Und alles auf einmal — Trinkwasser, Supermärkte, Bäcker, Tankstellen und Schutzhütten in einer Abfrage:

[out:json][timeout:90];
(
  nwr["amenity"="drinking_water"]({{bbox}});
  nwr["shop"="supermarket"]({{bbox}});
  nwr["shop"="bakery"]({{bbox}});
  nwr["amenity"="fuel"]({{bbox}});
  nwr["amenity"="shelter"]({{bbox}});
);
out center;

→ Kombi-Abfrage direkt in Overpass Turbo öffnen

POIs und Route zusammenführen: Overpass exportiert die Treffer als eigene GPX-Datei voller Wegpunkte — die muss man noch mit dem Routen-Track verheiraten. Am einfachsten geht das in gpx.studio: dort den Routen-Track öffnen, die POI-GPX zusätzlich importieren, und beide liegen in derselben Datei übereinander; gemeinsam als ein GPX exportieren, fertig fürs Gerät. Warum diese Punkte überhaupt der heimliche Schlüssel jeder guten Route sind, steht in unserem Beitrag Der stille Lotse; wie die fertige Datei zuverlässig aufs Navigationsgerät kommt, in Nie mehr Falschabbieger.

Kosten: kostenlos, Open Source · Account: nein · Daten: direkt aus OpenStreetMap · Export: GPX, KML, GeoJSON

Automaten: die Sonntagsrettung in der Peripherie

Ein brandenburgisches Spezialproblem: Sonntags und an Feiertagen ist im Dorf alles zu. Was dann bleibt, sind Automaten. Regiomaten von Direktvermarkter:innen — Eier, Milch, Wurst, manchmal Getränke — stehen zunehmend an Höfen und Ortsrändern; Portale wie regiomat.de oder eine gezielte OpenStreetMap-Abfrage listen sie. Eine fertige Abfrage für genau diese Lebensmittel-Automaten gibt es hier: → Regiomaten im Kartenausschnitt (zur Route zoomen, „Ausführen“ klicken). Auch die Schlauchautomaten an manchen Radläden, oft über OSM erfasst, sind im Hinterkopf gut aufgehoben. Keine Versorgungsstrategie für sich, aber ein nützlicher Notnagel, wenn der geplante Supermarkt geschlossen ist. Und der alte Brevet-Grundsatz bleibt: nie auf den einen Punkt kalkulieren.

Kosten: kostenlos · Account: nein · Daten: OSM / Anbieterportale · Export: via Overpass als GPX
Vor der Tour prüfen

Öffnungszeiten sind die Achillesferse jeder Versorgungsplanung. Sonntags und an Feiertagen sind Supermärkte zu, Tankstellen und Bäcker oft offen, aber nicht sicher. Die OSM-Daten der Tools sind gut, aber nicht lückenlos — bei knappen Etappen lieber einen Puffer einplanen als auf einen einzelnen Punkt zu setzen. Und: Tools, die einen Account erzwingen oder nur als App laufen, taugen schlecht für die schnelle Kontrolle unterwegs. Einrichten vor der Tour, nicht auf dem Schotter.

Ein Wort zur Tool-Schwemme: Versorgungs-Apps gibt es inzwischen im Dutzend, und sie konkurrieren nicht mit Komoot, sondern untereinander. Vieles können sie heute gleich gut — von Feature-Listen sollte man sich nicht täuschen lassen. Der ehrliche Unterschied liegt woanders: Manche sind im Kern eine POI-Sammlung mit Nacht- und 24-Stunden-Fokus, gut für die Frage „wo bekomme ich um drei Uhr nachts etwas zu essen“. OnRouteMap denkt stärker als Planungswerkzeug — es beantwortet weniger „dort ist ein Supermarkt“ als „zwischen Kilometer 80 und 145 kommt gar nichts mehr“, und das ist auf Selbstversorgerstrecken die wertvollere Information. Dazu kommt ein praktischer Vorteil für unsere Gegend: OnRouteMap ist ein deutsches Projekt und versteht deutsche Öffnungszeiten, Supermärkte und Brandenburg oft besser als Lösungen aus UK, USA oder Australien.

Interessanter als die Frage, welches Tool gewinnt, ist ohnehin die Frage, warum es sie alle plötzlich gibt. Früher plante man Langstrecke mit Papierkarte und einer handgeschriebenen Tankstellenliste. Heute ist eine ganze Werkzeugklasse entstanden, die entlang einer GPX-Datei Versorgung, Wetter, Schlafplätze und Logistik analysiert. Das ist der eigentliche Trend — und der Grund, warum dieser Artikel kein Ranking ist, sondern eine Landkarte: Mehr Tools sind nicht besser. Besser ist, zu wissen, welches die eine Frage beantwortet, die gerade zählt.

Wetter entlang der Route: GPX-Forecast und Wind

Vergleichsgrafik: eine Punkt-Prognose für einen Ort gegen eine Routen-Prognose je Streckenabschnitt. EIN PUNKT ODER DIE GANZE ROUTE Punkt-Prognose Routen-Prognose 1 Ort = 1 Vorhersage Sonne, Wolke, Regen je Abschnitt GILT FÜR EINEN ORT Der Rest der Strecke bleibt blind GILT JE ABSCHNITT Wetter dort, wo du dann bist 300 KM SIND NICHT EIN WETTER, SONDERN VIELE

Dynamisch statt statisch: Routen-Wetter berechnet die Bedingungen für deine Ankunftszeit am jeweiligen Kilometer.

Die zweite Hälfte der Gleichung. Das Prinzip ähnelt der Versorgungssuche: GPX-Datei oder Routenlink hochladen, Startzeit und Durchschnittstempo angeben — und das Tool rechnet aus, wann man wo sein wird, und legt die Wetterdaten genau darauf. Temperatur, Wind, Regenwahrscheinlichkeit, Stunde für Stunde, in Fahrtrichtung. Aus „heute wechselhaft“ wird „ab Kilometer 90 fährst du in den Regen“.

gpx-forecast.com & routeweather.cc

Zwei schlanke Web-Tools, gpx-forecast.com und routeweather.cc, lösen genau dieses eine Problem. Track rein, Startzeit und Schnitt einstellen, fertig ist die Wetterkurve entlang der Strecke. Beide laufen direkt im Browser, auch auf dem Handy, und brauchen keinen Account. Manche Varianten lesen den Track sogar direkt aus Strava-, RideWithGPS- oder Garmin-Connect-Links, sodass der Umweg über den manuellen GPX-Export entfällt — und ergänzen Nischenfunktionen wie eine Pollenflug-Prognose oder einen „besten Startzeitpunkt“, der den ganzen Tag durchrechnet.

Copyright routeweather.com

Kosten: kostenlos · Account: nein · Daten: Web, kein Login
Vergleichsgrafik: Windstaerke als blosse Zahl gegen Windrichtung relativ zur Fahrtrichtung. WINDSTÄRKE ODER WINDRICHTUNG Nur die Stärke Relativ zur Route 12 km/h aber aus welcher Richtung? Fahrtrichtung Gegenwind Rückenwind Seitenwind EINE ZAHL SAGT WENIG 12 km/h von hinten ist Geschenk RICHTUNG ENTSCHEIDET Gegen-, Rücken- oder Seitenwind NICHT WIE STARK — SONDERN AUS WELCHER RICHTUNG

Erst auf die Fahrtrichtung gespiegelt wird aus Windrichtung ein Profil: rot Gegenwind, gelb Seitenwind, grün Rückenwind.

Windy

Der etablierte Klassiker. Windy kann eine GPX-Datei laden und den Track über die Wetterebenen legen — Wind, Niederschlag, Böen — und sich stundenweise durch den Tag steppen. Wer ohnehin gern in Karten denkt, bekommt hier die visuell stärkste Darstellung, samt Modellvergleich und Frontenverlauf. Viele Langstreckenfahrer:innen nutzen Windy parallel zu myWindSock, weil beide verschiedene Fragen beantworten: myWindSock sagt, was auf meinem Track passiert; Windy sagt, was am Himmel passiert. Für die exakte „Wann bin ich wo“-Logik der reinen Routenwetter-Tools muss man bei Windy allerdings selbst mitrechnen.

Kosten: Freemium · Account: optional · Daten: kommerzielle Plattform

myWindSock

Das Spezialwerkzeug für alle, die den Wind ernst nehmen. myWindSock legt die Windprognose auf den Track und schlüsselt auf, wo Rücken-, Seiten- und Gegenwind zu erwarten sind — inklusive einer Analyse, welches Startfenster am wenigsten kostet. In der Brevet- und Zeitfahrszene ist das Tool fast Standard, wenn es um die Frage geht, wann man losrollt. Für flaches, windoffenes Terrain wie Brandenburg ist das oft entscheidender als die Höhenmeter.

Kosten: Freemium (~30 £/Jahr) · Account: ja · Daten: meist Strava-Verknüpfung

Tageslicht und Sonnenstand: wann du wo im Hellen bist

Erstaunlich, wie selten das geplant wird — dabei ist Tageslicht auf der Langstrecke mindestens so entscheidend wie Regen. Die Frage lautet nicht nur „wird es nass“, sondern „fahre ich diesen Waldabschnitt um 14 Uhr im Hellen oder um 2 Uhr nachts im Lampenkegel?“. Gerade im Herbst, wenn der Tag auf unter neun Stunden schrumpft, wird ein 300-Kilometer-Grevet zur Nachtfahrt, ob man das eingeplant hat oder nicht.

Zwei Fragen stecken dahinter. Wann wird es dunkel? Das bestimmt das Nacht-Versorgungsfenster (ab wann ist alles zu) und ab welchem Kilometer Licht Pflicht wird — und das beantwortet ohnehin, was die meisten dabeihaben: GPS-Uhr und Radcomputer (Garmin, Wahoo) wie auch das Handy zeigen Sonnenauf- und -untergang an, viele Routenwetter-Tools markieren sie gleich auf der Zeitleiste. Wo steht die Sonne? Die zweite, oft übersehene Frage: Eine tiefstehende Sonne blendet — morgens aus Osten, abends aus Westen; wer eine lange Ost-West-Gerade in den Sonnenuntergang fährt, hat ein Sicht- und Sicherheitsproblem, das keine Uhr anzeigt. Dafür lohnt ein kurzer Blick auf SunCalc, das die Sonnenrichtung für jeden Punkt auf eine Karte legt — mehr Werkzeug braucht es nicht.

Gewusst wie: die Route gegen das Licht legen

Statt das Tageslicht hinzunehmen, plant man es ein. Lege die anspruchsvollen Abschnitte — technisches Gelände, Wald, die schöne Aussicht — in die hellen Stunden und die einfachen, sicheren Asphaltstücke in die Nacht. Rechne vom Sonnenuntergang rückwärts: Wenn das letzte Licht um 18 Uhr fällt und du bei Kilometer 180 noch 70 Kilometer vor dir hast, fährst du den Rest im Dunkeln — also Licht laden und das Nachtfenster bewusst setzen. Und denk daran, dass sich zwei Uhren gleichzeitig schließen: Im Herbst geht abends nicht nur das Licht, sondern auch der letzte Laden.

Planen mit Versorgungsblick: Routing für Gravel und Brevet

Wer Versorgung nicht erst nachträglich auf eine fertige Route legen, sondern schon beim Planen mitdenken will, hat zwei gute Optionen. Die erste ist der hauseigene CXB-Planer, der genau für diese Region und diese Fahrweise gebaut ist, mit detaillierten Profilen für Road, Gravel, Trekking und MTB: das Werkzeug für alle, die ihre Route selbst feinjustieren wollen. Unter der Haube arbeitet die quelloffene BRouter-Engine, und das bringt zwei Stärken mit, die man in glatteren Plattformen vergeblich sucht.

Erstens eine ehrliche Höhenmeter-Rechnung. Die meisten Planer summieren aus den SRTM-Höhendaten viel zu hohe „Gesamtanstiege“, weil sie Messrauschen und Interpolationsfehler mitzählen; die BRouter-Logik filtert dieses Rauschen heraus und nennt realistischere Werte. Wer sich je gewundert hat, warum zwei Tools für dieselbe Strecke teils mehrere hundert Höhenmeter Unterschied ausspucken, kennt das Problem.

Zweitens eine Routenqualitäts-Farbcodierung. Per Tastendruck lässt sich die Linie nach Steigung, Höhenlage, zulässiger Höchstgeschwindigkeit oder Oberfläche einfärben, von blau für flach bis rot für steil oder grob. So sieht man auf einen Blick, wo eine Route zur Schiebepassage oder zur Hauptstraße wird, bevor man losfährt.

Die zweite Option ist cycle.travel, ein Router mit einer eigenen Stärke: Er folgt bevorzugt ausgeschilderten Radwegen und nationalen Radnetzen, statt nur die kürzeste Linie zu ziehen, und bezieht Unterkünfte und Versorgung von vornherein in die Streckenführung ein. Für ruhige Langstrecken in Europa wird er in der Touring- und Bikepacking-Szene viel empfohlen, mit einem Vorbehalt: Die so erzeugten Routen sind oft schön, aber selten die effizientesten; wer es direkter will, importiert sie und justiert nach.

CXB-Planer: kostenlos, Open Source · kein Account · kein Tracking, kein Lock-in · Export: GPX mit POI-Layer
cycle.travel: kostenlos · kein Account (zum Planen) · OSM, spendenfinanziert · Export: GPX
In eigener Sache

In eigener Sache, kurz und ohne Werbeversprechen: Wir haben aus genau diesem Grund einen eigenen Planer gebaut — ein Profil, das Brandenburger Sand, Plattenwege und Versorgungslücken kennt, liefert hier oft brauchbarere Linien als ein globaler Dienst. Er ist Open Source und kostenlos; ob er zur eigenen Fahrweise passt, muss man selbst herausfinden. Wer mag: routing.cxberlin.net.

RideWithGPS

Der Platzhirsch der Tourenplanung — eher die Excel-Tabelle des Langstreckenradsports als ein elegantes Werkzeug. Beim Schotter-Routing ist RideWithGPS schwächer als beim Drumherum: große Routenbibliothek, brauchbare Cue-Sheets und Veranstalter:innen-Funktionen. Wichtig zu wissen: Die starke Stellung der Plattform ist vor allem ein angelsächsisches Phänomen — in den USA und in Großbritannien wickeln viele Audax- und Randonneuring-Veranstalter:innen ihre Events darüber ab. In Deutschland läuft die Brevet-Welt anders: Hier organisiert die Audax Randonneurs Allemagne (ARA) die Brevets über eigene Anmeldeseiten, und die digitale Brevetkarte läuft über die ebrevet-App, nicht über RideWithGPS. Für deutsche Randonneur:innen ist die Plattform also weit weniger zwingend, als ihr Ruf vermuten lässt. Die kostenlose Starter-Version deckt das Nötigste; Turn-by-turn, Offline-Karten, druckbare Cue-Sheets und Live-Logging sind kostenpflichtig, und das Abo ist mit rund 50 bis 60 Pfund im Jahr nicht billig. Brauchbar, wenn man internationale Events fährt oder fremde Routen aus der Bibliothek zieht — für die heimische Planung gibt es nähere Werkzeuge.

Kosten: Freemium (Premium ~50–60 £/Jahr) · Account: ja · Daten: kommerzielle Plattform

Mapy.com

Eines dieser näheren Werkzeuge — und gerade für Mitteleuropa oft die angenehmere Wahl als RideWithGPS. Das tschechische Mapy.com (früher Mapy.cz) bringt einen ausgereiften Radroutenplaner mit, der Wander- und Radwege sauber darstellt und mit eigenem, sehr lesbarem Kartenstil arbeitet — die Wanderkarte gilt vielen als die schönste im DACH- und Ostmitteleuropa-Raum. Routen lassen sich planen, als GPX exportieren und offline aufs Handy laden. Für die Planung von Touren in Deutschland, Tschechien, Österreich oder Polen ist es ein vollwertiger Planer; sein eigentlicher Schwachpunkt liegt erst bei den unbegrenzten Offline-Karten, die inzwischen ein Abo kosten (dazu mehr im Offline-Abschnitt weiter unten).

Kosten: Planung gratis · Account: optional · Daten: OSM & eigene Daten · Export: GPX · Stärke: Rad-/Wanderwege, Mitteleuropa

Und Komoot?

Die Frage liegt nahe, denn Komoot ist die bekannteste und meistgenutzte Planungsplattform im deutschsprachigen Raum. Sie spielt in diesem Artikel trotzdem nur eine Nebenrolle — und das hat zwei Gründe. Erstens liegt der Fokus hier auf spezialisierten Werkzeugen für Versorgung, Wetter und Langstrecke, also genau auf dem, was Komoot nicht abdeckt. Zweitens, und ehrlich gesagt: Fürs Gravelfahren in unserer Gegend halten wir Komoot für wenig geeignet. Nach unserer Erfahrung neigt das Routing dazu, Wege als gut fahrbar einzustufen, die in Brandenburg in Tiefsand enden, und die Oberflächen-Einschätzung wirkt auf märkischem Terrain häufig zu optimistisch — genau dort, wo es darauf ankommt. Wer Komoot bereits nutzt und schätzt, soll dabei bleiben; als Werkzeug zum Teilen und für die grobe Tourenidee ist es solide. Für die ehrliche Gravel-Planung greifen wir lieber zum CXB-Planer, dessen Oberflächen-Logik auf genau dieses Gelände abgestimmt ist, und prüfen die Linie anschließend ohnehin gegen unabhängige Quellen — was uns direkt zum nächsten Kapitel bringt.

Ähnlich verhält es sich mit ein paar Werkzeugen, die in englischsprachigen Bikepacking-Listen prominent auftauchen, hierzulande aber wenig bringen. Gaia GPS ist in Nordamerika ein Standard für Offline-Karten und Geländeebenen, in Deutschland aber ein Nischenprodukt ohne Mehrwert gegenüber OsmAnd oder Organic Maps. Trailforks ist die große Mountainbike-Trail-Datenbank — stark fürs MTB, fürs Grevet- und Brevet-Fahren auf gemischtem Untergrund aber Randthema. Und die Public-/Private-Land-Layer, in den USA wichtig, um nicht versehentlich über Privatland zu fahren und dabei erschossen zu werden, sind in Deutschland mit seinem Wegerecht praktisch irrelevant. Und FarOut (früher Guthook), in den USA der Standard für lange Fernwege wie Great Divide, Arizona Trail oder PCT, ist für Brandenburg schlicht ohne Gegenstand — hier fehlen die kuratierten Tausend-Kilometer-Trails, die es abbildet. Kein Verlust — für unser Terrain decken die OSM-basierten Werkzeuge das ab.

Vertrauen ist gut, Scouting ist besser: die Linie gegenprüfen

Jeder Planer kann eine Linie zeichnen. Ob sie hält, was die Karte verspricht, steht auf einem anderen Blatt — der Forstweg von 2009, der heute zugewachsen ist; die Plattenstraße, die in Tiefsand übergeht. Eine fremde Route aus dem Netz ist ohnehin nur eine Hypothese, kein Versprechen — warum, steht in Nimm dir eine Machete. Vor der Fahrt lohnt sich deshalb ein zweiter Blick aus unabhängiger Quelle.

Strava-Heatmap — mit Vorbehalt

Oft als wichtigste Scouting-Quelle gehandelt, in der Praxis aber mit einem entscheidenden Haken. Die Heatmap aggregiert die aufgezeichneten Fahrten unzähliger Nutzer:innen: Wo es leuchtet, fahren viele. Nur heißt viel nicht gut — die Masse folgt hier eher dem Lemming-Prinzip: Man landet automatisch auf den Hauptstraßen, weil dort schon alle fahren, nicht weil sie die beste Wahl wären. Das Problem für unseren Zweck — leuchten tun vor allem die Hauptverkehrsachsen und die ohnehin bekannten Strecken. Genau die einsamen, abgelegenen Gravelwege, deren Fahrbarkeit man wirklich prüfen will, bleiben dunkel, obwohl sie tadellos fahrbar sind. Die Heatmap bestätigt also meist nur, was man ohnehin kennt, und schweigt dort, wo es interessant wird. Als grober Anhaltspunkt für „fährt hier überhaupt jemand“ taugt sie; als verlässliches Urteil über einen konkreten Feldweg nicht. Wir verlassen uns im Zweifel lieber auf den direkten Blick — siehe unten.

Kosten: Heatmap frei sichtbar, Detail-Zoom im Abo · Account: für Details · Daten: Strava, kommerziell · Schwäche: zeigt vor allem Hauptachsen

Die offenen Alternativen: CyclOSM und OSM-Spuren

Wer Stravas Hauptachsen-Problem umgehen will, greift zu OpenStreetMap-Bordmitteln — kostenlos, ohne Account, ohne kommerzielles Tracking. Das stärkste davon ist CyclOSM, eine fahrrad-spezifische Kartenebene, die die Oberfläche direkt aus den OSM-Tags rendert: Asphalt, Schotter und vor allem Sand werden farblich unterschieden — sandige Wege erscheinen als schwarz-pink gestrichelte Linie, also genau das, was man in Brandenburg meiden will, Kopfsteinpflaster schwarz-gelb. Das beantwortet die Untergrundfrage strukturell, nicht über Befahrungsdichte, und ist damit für einsame Gravelwege oft aussagekräftiger als jede Heatmap. CyclOSM lässt sich als Layer in vielen Apps einblenden, unter anderem in OsmAnd.

Ergänzend gibt es die rohen GPS-Tracks von OpenStreetMap als eigene Kartenebene. Auf openstreetmap.org blendet man sie über den Ebenen-Schalter rechts unter „Öffentliche GPS-Tracks“ ein (der Parameter &layers=G in der Adresse aktiviert sie direkt); in OsmAnd lässt sie sich über das Online-Tile-Plugin nachrüsten. Anders als Stravas geglättete Heatmap zeigt dieser Layer jede einzelne hochgeladene Aufzeichnung — also auch die eine einsame Fahrt auf dem Feldweg, die in der Masse sonst untergeht. Kein Komfort-Werkzeug mit GPX-Upload, aber die ehrlichste Quelle dafür, ob überhaupt schon jemand einen bestimmten Weg gefahren ist.

Ein letzter, oft übersehener Abgleich: gegen die offiziell ausgeschilderten Routen. Wo die eigene Linie einem markierten Radfernweg, einer regionalen Radroute oder einem etablierten Wanderweg folgt, ist die Fahrbarkeit meist gesichert — solche Wege sind kartiert, gepflegt und begehbar. Waymarked Trails zeigt diese Routen als eigene Ebene (Rad und Wandern getrennt), CyclOSM rendert benannte Radrouten ohnehin mit. Im CXB-Planer beziehungsweise in bikerouter.de lässt sich eine bestimmte Route über einen Custom-Layer einblenden und die eigene Spur direkt daran ausrichten — etwas technischer über die OSM-Relations-ID, dafür exakt. Die Logik dahinter ist dieselbe wie beim Scouting insgesamt: Je mehr unabhängige Quellen eine Linie bestätigen, desto weniger Überraschungen unterwegs. Ein Stück Strecke, das auf Satellit gut aussieht, in der GPS-Spur befahren ist und einem ausgeschilderten Radweg folgt, fährt man mit ruhigem Gewissen.

Kosten: kostenlos, Open Source · Account: nein · Daten: OpenStreetMap · Stärke: Oberfläche (CyclOSM) & einzelne Spuren statt nur Hauptachsen

Routecheck

Routecheck lädt einen GPX-Track und reichert ihn mit POIs aus OpenStreetMap an — und zwar bequem nach Kategorie gefiltert: Essen und Trinken (Pub, Café, Imbiss, Restaurant), Versorgung (Tankstelle, Supermarkt), dazu Fahrradladen, Apotheke, Unterkunft und Campingplatz, jeweils mit einstellbarem Maximalabstand zur Route. Dazu ein klickbarer Streetview-Spot-Check des Untergrunds. So gut sich das zur schnellen Sichtprüfung eignet, gehören zwei ehrliche Einschränkungen dazu: Erstens funktioniert das ehemals beworbene Überlagern mit der Strava-Heatmap in der aktuellen Version nicht mehr. Zweitens, und gewichtiger: Die gefundenen POIs lassen sich nicht exportieren — anders als früher bleibt es bei der reinen Anzeige im Browser. Damit fällt Routecheck nach dem entscheidenden Export-Kriterium (siehe weiter unten) auf ein Sichtprüfungs-Werkzeug zurück: gut, um eine Strecke zu mustern und Streetview-Stichproben zu nehmen, aber die Punkte muss man anschließend in einem anderen Tool selbst setzen. Ein nicht-kommerzielles Hobby-Projekt aus dem Transcontinental-Umfeld (die stabile Adresse ist routecheck.y3m.net, nicht die wackelige .cc-Domain), kein Voll-Planer.

Für die eigentliche Gegenkontrolle einer fertigen Linie ist ohnehin ein BRouter-basiertes Werkzeug das mächtigere: bikerouter.de oder, mit denselben Fähigkeiten und auf unser Terrain abgestimmt, der hauseigene CXB-Planer. Man lädt den GPX-Track und spielt anschließend verschiedene Datenebenen nacheinander durch — Esri-Satellit, CyclOSM, OpenStreetMap-Oberflächendaten, die markierten Radrouten, dazu die eigene Routenqualitätscodierung. Wo der Track über einen verdächtig gezeichneten Weg läuft, springt man die Stelle zusätzlich in Google Street View an. Etwas mehr Handarbeit als ein Ein-Klick-Tool, dafür mit allen Ebenen, die zur Verifikation taugen — und unabhängig von einem fremden Hobby-Projekt, das jederzeit Funktionen verlieren kann.

Die Heatmap-Gegenkontrolle, die das neue Routecheck verloren hat, lässt sich hier sogar nachrüsten: Beide Planer erlauben über „Benutzerdefinierte Ebenen“ das Einbinden eigener Kartenebenen per URL. Die niedrig aufgelöste Strava-Heatmap (Radaktivitäten) liegt unter https://heatmap-external-a.strava.com/tiles/ride/hot/{z}/{x}/{y}.png und lässt sich ohne Login als Overlay hinzufügen — gut genug für die Lemming-Frage, wo die Hauptspuren verlaufen. Die hochaufgelöste Variante (bis Zoomstufe 15) ist eingeloggten Strava-Konten vorbehalten und braucht drei Cookie-Werte, die wöchentlich ablaufen und neu geholt werden müssen — mehr Bastelei als Dauerlösung. Es kursieren auch öffentliche Proxy-Dienste, die diesen Login-Schritt umgehen und die Detail-Heatmap durchreichen; wir verlinken sie bewusst nicht, weil sie unzuverlässig laufen und Stravas Zugangsschutz aushebeln. Für den schnellen Überblick reicht die freie Version ohnehin.

Kosten: kostenlos, Open Source · Account: nein · Daten: OSM-POIs, Google Streetview · Export: nein – reine Anzeige (Heatmap-Layer und POI-Export entfallen)

Satellit, Streetview und die manuelle Recherche

Der ehrlichste Scouting-Weg führt nicht über Heatmaps, sondern über den direkten Blick. Das Satellitenbild verrät, ob ein Weg asphaltiert, geschottert oder ein sandiger Trampelpfad ist; Google Streetview zeigt, wo ein Auto hingekommen ist, oft auch die Oberfläche. Dazu die alte Detektivarbeit: Der Name einer Straße oder eines Waldstücks bei Google eingegeben fördert oft Blogs und Berichte zutage, die mehr über den Zustand verraten als jede Karte. Auf Flickr getaggte Fotos zeigen, wie eine Gegend tatsächlich aussieht. Und YouTube ist eine unterschätzte Scouting-Quelle: Auto-, Rad- und Laufvideos verraten Oberflächenqualität und Verkehr eines Abschnitts, lange bevor man selbst dort war. Fünf Minuten Recherche sparen unterwegs gern eine Stunde Schieben — und sagen über einen einsamen Feldweg mehr als jede Heatmap.

Vergleichsgrafik: der heruntergeladenen Linie vertrauen gegen sie per Heatmap, Satellit, Streetview und OSM gegenprüfen. VERTRAUEN ODER PRÜFEN Der Linie glauben Die Linie prüfen Sand? Verhau? der Linie geglaubt Heatmap Satellit Streetview, CyclOSM, Routecheck SAND BLEIBT UNSICHTBAR Foto und Beschreibung lügen gern VIER QUELLEN GEGENGECHECKT Heatmap, Satellit, Streetview, OSM VERTRAUEN IST GUT, SCOUTING IST BESSER

Die Linie gegenprüfen: Satellit und Streetview schlagen die Heatmap, gerade auf einsamen Wegen.

Übernachten und Schlafplätze: Apps für die Mehrtagestour

Auf Mehrtagesetappen wird aus der Versorgungs- eine Übernachtungsfrage. Wo der Tag endet, ist bei der Langstrecke selten Zufall — es ist Planung. Der einfachste Weg vorweg: Für ein festes Dach reichen meist Booking.com oder die schlichte Google-Maps-Suche nach „Hotel“ oder „Pension“ am Zielort. Beides funktioniert in der Regel problemlos am selben Tag — gerade abseits der Hauptsaison findet sich fast immer ein Zimmer, oft mit später Anreise. Für alles jenseits des Hotels — Camping, Biwak, Schutzhütte, Schlafen bei Gastgeber:innen — helfen vier spezialisierte Werkzeuge, von denen die wenigsten aus der Radwelt stammen.

OpenCampingMap

Eine spezialisierte OSM-Karte nur für Übernachtung: Campingplätze, Biwakplätze, Schutzhütten, oft mit Ausstattungsdetails. Open Source, ohne Account, ohne Werbung. Gerade auf Fernreisen und längeren Bikepacking-Touren nach wie vor nützlich, weil sie das Thema fokussiert, statt es in einer großen Allzweck-App zu vergraben.

Kosten: kostenlos, Open Source · Account: nein · Daten: OpenStreetMap

iOverlander & Park4Night

Beide kommen aus der Camper- und Overlanding-Welt, liefern aber genau das, was auf Mehrtagestouren zählt: mögliche Schlafplätze, Schutzhütten, Duschen, Toiletten (Wasserstellen deckt die Versorgungssektion oben ab). Community-gepflegt, weltweit, mit Bewertungen und Fotos. iOverlander ist dabei das schlankere, werbefreie Community-Projekt; Park4Night das größere, aber werbe- und abofinanzierte. Ein wichtiger Vorbehalt zu den Schlafplätzen steht im Kasten unten — ein in der App markierter Punkt ist keine Garantie, dass dort übernachten erlaubt ist.

iOverlander: kostenlos · Account optional · Community/OSM
Park4Night: Freemium + Werbung · Account · werbefinanziert

Warmshowers

Der Klassiker für reisende Radfahrer:innen: ein Gastgeber:innen-Netzwerk, bei dem Menschen anderen Radreisenden einen Schlafplatz, eine Dusche oder einfach einen Kaffee anbieten. Kein Hostel-Ersatz, sondern ein Stück Radkultur — und auf langen Routen oft der menschlichste Teil der Planung.

Kosten: 30 $ einmalige Registrierung · Account: ja · Daten: Mitgliedernetzwerk

Schutzhütten und Trekkingplätze: wo sie stehen — und was sie wirklich sind

Für eine wettergeschützte Rast oder ein Notbiwak sind Schutzhütten die unkomplizierteste Option — sofern man weiß, wo sie stehen. Die Lage lässt sich vorab planen: Der CXB Gravel Routenplaner blendet Schutzhütten und Unterstände über seinen POI-Layer direkt auf der Karte ein — ebenso Campingplätze, Rastplätze, Tankstellen und Trinkwasser, also gleich mehrere Übernachtungs- und Versorgungsoptionen auf einen Blick. Offline zeigt OsmAnd dieselben OSM-Punkte über die POI-Suche („Unterstand“ oder „Shelter“). Wer es genauer braucht, nutzt die spezialisierte outdoor-karte.de — eine crowdgesourcte Hüttenkarte mit Zusatzinfos wie Feuerstelle, Tisch, Mülleimer und oft Fotos, die verraten, ob eine Hütte für die Notübernachtung taugt oder nur ein zugiger Bretterverschlag ist.

Zwei ehrliche Einschränkungen gehören dazu. Erstens sind die OSM-Daten nicht immer verlässlich: Was baulich nach Hütte aussieht, ist mal als Shelter getaggt, mal nicht — und ob eine eingezeichnete Hütte tatsächlich Schutz bietet, sieht man erst vor Ort oder auf einem Foto. Zweitens, der rechtliche Punkt: Eine offene Schutzhütte ist nicht automatisch ein erlaubter Übernachtungsplatz. Die legale Variante in Deutschland sind ausgewiesene Trekkinghütten und Biwakplätze — das deutsche Pendant zu den skandinavischen Sheltern, oft an Wasserwanderrastplätzen entlang von Havel und Spree. Diese sind über OpenCampingMap auffindbar und für Radreisende meist mitnutzbar. Wildes Biwakieren an einer beliebigen Hütte bleibt dagegen rechtlich heikel — siehe den Hinweis oben.

Spontan ein Dach: Hotel und Pension unterwegs

Wenn die Tour doch ein festes Dach braucht, ist das kein Versagen, sondern Vernunft. Booking.com und die schlichte Google-Maps-Suche nach „Hotel“ oder „Pension“ am Zielort funktionieren in der Regel problemlos auch am selben Tag — oft sogar mit später Anreise. Zwei Kniffe helfen: Auf Booking zeigt der Filter „heute Abend, eine Nacht“, was noch frei ist, und auf dem Land schlägt oft der Anruf die App, weil kleine Gasthöfe gar nicht gelistet sind, aber eine Telefonnummer haben. Wer auf einer mehrtägigen Tour ohnehin Etappen plant, kann Unterkünfte direkt im Routing berücksichtigen — cycle.travel bezieht sie in die Streckenführung ein.

Wenn die Tour in die Nacht geht: Versorgung und kurze Rast im Dunkeln

Auf langen Strecken — Grevet, Brevet, Ultra, aber auch beim Overnighter oder auf der Radreise — kippt irgendwann das Licht, und damit ändern sich die Spielregeln. Nicht das Fahren selbst ist das Problem (das ist eine Frage von Licht und Reflektoren, nicht von Software), sondern die Versorgung: Ab dem späten Abend sind Supermärkte zu, Bäcker längst geschlossen, viele Dörfer komplett dunkel. Wer nicht vorausplant, steht um zwei Uhr nachts vor einer verschlossenen Tür mit leeren Flaschen. Die Nacht ist deshalb weniger eine fahrtechnische als eine logistische Frage — und genau dafür gibt es Werkzeuge.

Was nachts noch offen hat

Die wichtigste Quelle bleibt der Nachtöffnungs-Filter, den wir oben bei OnRouteMap beschrieben haben: vorab die Ankunftszeit setzen, und die Karte blendet aus, was dann geschlossen hat. Was übrig bleibt, sind in der Regel 24-Stunden-Tankstellen — der verlässlichste Nachtversorger im ländlichen Raum, oft die einzige Lichtquelle mit Wasser, Kaffee und Kalorien im Umkreis von zwanzig Kilometern. Wer eine eigene Abfrage bauen will, filtert in Overpass Turbo gezielt nach opening_hours=24/7 in Kombination mit Tankstellen — und lädt die Treffer als POIs in den Track. Faustregel für die Mark: Plane Tankstellen als Nacht-Stützpunkte ein, nicht als Zufallsfund.

Eine gute Nachricht für die Nacht: Anders als Essen, das ab dem Abend knapp wird, ist Wasser fast immer verfügbar — auch um drei Uhr. Friedhofshähne, öffentliche Brunnen und Quellen kennen keine Öffnungszeiten, das ist ihr eigentlicher Nacht-Vorteil gegenüber Supermärkten und Bäckern. Wo man sie findet und wie man die Quellen einschätzt, steht ausführlich in unserem Beitrag über die Wasser-Oasen der märkischen Wüstenlandschaft — die dort beschriebenen Punkte funktionieren nachts wie am Tag.

Zum Mitnehmen: zwei fertige Overpass-Abfragen

Beide Abfragen suchen im aktuellen Kartenausschnitt — einfach zur eigenen Route zoomen und in Overpass Turbo auf „Ausführen“ klicken. Die Treffer lassen sich anschließend als GPX exportieren und in den Track laden.

1 · Alle 24-Stunden-Tankstellen — der verlässlichste Nachtversorger:

[out:json][timeout:60];
nwr["amenity"="fuel"]["opening_hours"="24/7"]({{bbox}});
out center;

→ Diese Abfrage direkt in Overpass Turbo öffnen

2 · Nacht-Versorger gebündelt — 24-Stunden-Tankstellen, Verkaufsautomaten, Trinkwasser und öffentliche Toiletten in einem:

[out:json][timeout:60];
(
  nwr["amenity"="fuel"]["opening_hours"="24/7"]({{bbox}});
  nwr["amenity"="vending_machine"]({{bbox}});
  nwr["amenity"="drinking_water"]({{bbox}});
  nwr["amenity"="toilets"]({{bbox}});
);
out center;

→ Diese Abfrage direkt in Overpass Turbo öffnen

Hinweis: Die Daten stammen aus OpenStreetMap. Nicht jede Tankstelle hat ihre Öffnungszeiten hinterlegt — ein Treffer ist verlässlich, eine Lücke heißt nicht zwingend „geschlossen“, sondern manchmal nur „nicht erfasst“.

Gewusst wie: Nacht-Stützpunkte vorab setzen

Vor dem Start die geplante Strecke gegen die Nachtstunden legen: Welche Abschnitte fährt man nach 22 Uhr? Dort gezielt 24-Stunden-Tankstellen als Wegpunkte markieren — über OnRouteMap mit gesetzter Ankunftszeit oder über eine Overpass-Abfrage. So wird aus „hoffentlich hat was offen“ eine Kette verlässlicher Stützpunkte. Zwischen zwei Tankstellen sollten nie mehr Kilometer liegen, als die mitgeführte Wasser- und Kaloriemenge trägt.

Kurz ausruhen, wenn die Kräfte nachlassen

Wer durchfährt, braucht irgendwann einen Ort für eine kurze, wettergeschützte Pause — nicht zum Übernachten, sondern um zwanzig Minuten die Augen zuzumachen oder einen Schauer abzuwarten. Die naheliegendsten Notoptionen in der Nacht: Schutzhütten und Unterstände, die sich vorab als POI einplanen lassen (wie und mit welchen Werkzeugen, steht im Übernachten-Abschnitt oben), und — überraschend nützlich — überdachte Bushaltestellen. Sie stehen in fast jedem Dorf, bieten ein Dach und eine Bank, sind über Nacht praktisch immer frei und in OpenStreetMap flächendeckend erfasst (als highway=bus_stop mit shelter=yes). Für die echte Übernachtung sind beide keine Lösung — für die Mikro-Rast um drei Uhr nachts oft genau das Richtige. Wenn der Körper mehr als eine Pause braucht, greifen die Hotel- und Schutzhütten-Optionen aus dem Übernachten-Abschnitt; Booking.com akzeptiert auch nachts oft eine späte Anreise.

Zum Mitnehmen: Unterstände für die Mikro-Rast

Beide Abfragen suchen im aktuellen Kartenausschnitt — zur Route zoomen und in Overpass Turbo auf „Ausführen“ klicken. Treffer als GPX exportieren und in den Track laden.

1 · Schutzhütten und Unterstände (amenity=shelter):

[out:json][timeout:60];
nwr["amenity"="shelter"]({{bbox}});
out center;

→ Schutzhütten direkt in Overpass Turbo öffnen

2 · Überdachte Bushaltestellen (highway=bus_stop mit shelter=yes) — Dach und Bank, nachts fast immer frei:

[out:json][timeout:60];
nwr["highway"="bus_stop"]["shelter"="yes"]({{bbox}});
out center;

→ Überdachte Bushaltestellen direkt öffnen

Beides auf einmal — alle wettergeschützten Mikro-Rast-Punkte: → Kombi-Abfrage öffnen

Die eiserne Nacht-Regel: nie auf die Karte allein verlassen

So gut die Werkzeuge sind — nachts gilt verschärft, was tagsüber Komfort ist: Verlass dich nie darauf, dass die eingeplante 24-Stunden-Tankstelle wirklich offen hat. Öffnungszeiten ändern sich, Automaten sind defekt, ein OSM-Eintrag ist veraltet. Wer um drei Uhr nachts vor verschlossener Tür steht, hat ein echtes Problem. Deshalb drei Grundsätze, die jede App schlagen: Führe immer Extrakalorien mit, die du nicht einplanst — ein Riegel-Polster für den Fall, dass die Versorgung ausfällt. Habe immer die Option zum Biwak im Kopf: eine leichte Notunterkunft oder zumindest warme Kleidung, mit der man notfalls bis zum Morgengrauen an einer Schutzhütte ausharren kann. Und plane Wasser großzügiger als am Tag, weil nachts noch weniger offen hat. Die Tools zeigen dir, wo es im Idealfall etwas gibt. Die Reserve trägt dich, wenn der Idealfall ausbleibt.

GPX-Handwerk: gpx.studio

Bleibt das Werkzeug für alles, was zwischen den anderen Tools passiert: gpx.studio. Tracks im Browser schneiden, zusammenfügen, Wegpunkte setzen, kaputte Höhenprofile reparieren, Formate konvertieren. Das Schweizer Taschenmesser der Track-Vorbereitung — unscheinbar, aber man braucht es ständig, sobald man Strecken aus mehreren Quellen kombiniert.

Ein Kriterium entscheidet darüber, ob ein Versorgungs-Tool im Alltag wirklich nützt: Lassen sich die gefundenen Punkte als GPX (oder FIT) mit den POIs exportieren und aufs Navigationsgerät laden? Eine schöne Karte im Browser hilft am Schotter wenig — erst der Export macht aus der Anzeige eine Planung. Die meisten der hier vorgestellten Werkzeuge können das: OnRouteMap exportiert sein Roadbook als GPX oder KML mit farbigen Markern, PitStopper liefert GPX oder FIT samt Wegpunkten, POI Ahead schreibt die markierten POIs Garmin-kompatibel heraus, und die Overpass-Abfragen oben lassen sich ohnehin als GPX speichern. Reine Anzeige-Werkzeuge ohne Export — etwa Watrify oder das neue Routecheck — taugen zur schnellen Sichtprüfung, nicht zur Übernahme in die Navigation. Wie die exportierten Punkte zuverlässig aufs Gerät kommen, steht in unserem Tutorial Nie mehr Falschabbieger.

Kosten: kostenlos, Open Source · Account: nein · Daten: läuft im Browser

Offline-Karten und Tracking: das Backup auf dem Handy

Ein Punkt, den keines der bisherigen Web-Tools abdeckt: Was, wenn unterwegs das Netz fehlt oder der Radcomputer ausfällt? Dann zählt eine Offline-Karte auf dem Handy — als zweite Spur neben dem Track, zur Kontrolle und zur Orientierung, wenn die geplante Linie nicht mehr passt, und auf Wunsch zeichnet sie die Fahrt gleich als Track auf. In Bikepacking-Foren stehen diese drei fast immer neben Komoot und RideWithGPS. Das Handy kann ausfallen, das Netz kann fehlen — eine Offline-Karte tut es nicht. Sie ist die billigste Versicherung im ganzen Werkzeugkasten.

Prinzip: offline zuerst — das Funkloch einplanen

Das reicht weiter als die Karten-App selbst. Brandenburg hat reale Mobilfunklöcher, und das Problem sind selten Notfälle, sondern die alltäglichen Abfragen, die alle stillschweigend ein Netz voraussetzen: der Wetterabruf, die nächste Bahnverbindung, die Hotelbuchung, die nachgeladene Kartenkachel. Fällt der Empfang weg, fällt der halbe Werkzeugkasten mit aus. Die Konsequenz ist eine Haltung, kein Tool: herunterladen, bevor man es braucht. Kartenregion offline ziehen, die Wettervorhersage cachen, die Zugoptionen und die Versorgungs-POIs abspeichern oder als Screenshot sichern, solange noch Balken da sind. Wo die Löcher liegen, zeigt einmal vor der Tour die Mobilfunk- und Funklochkarte der Bundesnetzagentur (Mobilfunk-Monitoring, gespeist aus der Funkloch-App) — pro Netzbetreiber, sodass man weiß, welche Abschnitte dunkel werden. Die tiefere Regel braucht aber gar keine Karte: Plane, als ob das Netz ausfällt, denn auf der Brandenburger Langstrecke tut es das. Alles, was dieser Artikel „Backup“ nennt — Offline-Karte, Extrakalorien, die Bahn-Option — ruht auf derselben Annahme: Die bequeme Online-Version ist nicht immer da.

Mapy.com

Der frühere Mapy.cz — seit Mai 2025 unter neuem Namen — ist in Bikepacking-Kreisen ein Klassiker fürs Backup: detaillierte Wander- und Radwegekarten weltweit, sehr gut für Waldwege, beliebt als Gegenkontrolle zu Komoot. Tschechien aus eigenen Daten, der Rest der Welt aus OpenStreetMap. Die App ist kostenlos, das Herzstück Offline-Karten allerdings inzwischen eingeschränkt: nur noch ein Land gratis, der Rest per Abo.

Kosten: Freemium (Offline-Abo) · Account: für Sync · Daten: kommerziell (Seznam)

Organic Maps

Der datensparsame Gegenentwurf: Open Source, OpenStreetMap, komplett offline, kein Tracking, keine Werbung, kein Account. Schlanker als Mapy, dafür ohne Hintergedanken — und in der Bikepacking-Szene gerade stark im Kommen, vor allem bei Leuten, denen Offline-Fähigkeit und Datenschutz wichtiger sind als Komfortfunktionen.

Kosten: kostenlos, Open Source · Account: nein · Daten: offline, kein Tracking

OsmAnd

Der Schwergewichts-Allrounder — und die Antwort auf die Tracking-Frage. OpenStreetMap-Karten offline, Navigation für Rad, zu Fuß und Auto, und anders als die beiden davor eine vollwertige Trip-Recording-Funktion, die die Fahrt als GPX aufzeichnet, importiert und wieder abfährt. Open Source, erklärtermaßen ohne Datensammlung, der Zugriff liegt bei dir. Der Preis dafür: eine steile Lernkurve und viele Bezahloptionen. Die Gratis-Version funktioniert, unbegrenzte Karten-Downloads und Cloud-Backup gibt es per OsmAnd-Pro-Abo. Wer offline navigieren und gleichzeitig tracken will, kommt an OsmAnd kaum vorbei.

Kosten: Freemium (Pro-Abo) · Account: nur für Cloud · Daten: Open Source, kein Tracking, GPX-Aufzeichnung

Locus Map

In Europa verbreiteter, als viele denken — gerade in der Ultra-, Bikepacking- und Offroad-Szene. Locus Map (aus Tschechien) spielt funktional in derselben Liga wie OsmAnd: OSM-basierte Offline-Karten weltweit, Track-Aufzeichnung, GPX-Import und -Export, Sensoranbindung und ein konfigurierbares Radcomputer-Dashboard. Ähnlich mächtig, ähnlich steile Lernkurve, ähnliches Freemium-Modell. Zwingend nötig ist es neben OsmAnd und Organic Maps nicht — wer aber ohnehin im Locus-Ökosystem zu Hause ist oder dessen sehr feine Kartendarstellung schätzt, findet hier einen vollwertigen Offline-Begleiter.

Kosten: Freemium (Pro-Abo) · Account: nur für Sync · Daten: OSM, kein Tracking · Export: GPX

Live verfolgen statt nur navigieren

Spätestens bei Brevet, Ultra und Mehrtagesfahrten kommt ein zweiter Modus dazu: nicht nur selbst navigieren, sondern verfolgt werden. Das hat zwei Seiten — Sicherheit, weil jemand weiß, wo du bist, und Anteilnahme, weil Familie und Freunde im Kopf mitfahren.

Am einfachsten geht es mit dem, was man schon hat: Garmin LiveTrack teilt die Live-Position über Garmin Connect mit ausgewählten Kontakten, solange das Handy Empfang hat — kostenlos, kein Zusatztool. Ähnliches bietet das Live-Logging von RideWithGPS in den Bezahlstufen. Bei organisierten Events übernehmen Plattformen wie Maprogress oder Follow My Challenge das Tracking ganzer Starterfelder. Und dotwatcher.cc ist weniger Werkzeug als Bühne: die zentrale Anlaufstelle, um den großen Ultra-Rennen als Zuschauer:innen zu folgen.

Garmin LiveTrack: kostenlos (mit Garmin) · Account · Live-Position via Connect
Maprogress / Follow My Challenge: meist über die Veranstalter:innen · für Events
dotwatcher.cc: kostenlos · Coverage-Plattform zum Zuschauen

Kostenlos, offen, datensparsam? Eine Frage der Haltung

Für uns ist das keine Fußnote. Ein Routenplaner, der die eigene Strecke an eine Plattform zurückmeldet, ist kein neutrales Werkzeug — er ist ein Geschäftsmodell, das nebenbei auch Routen plant. Genau deshalb haben wir den CXB-Planer selbst gebaut: Open Source, kein Tracking, keine Registrierung, GPX ohne Lock-in. Dieselbe Brille lohnt sich bei jedem Tool auf dieser Liste — warum, steht im Anker-Artikel Vermessene Freiheit.

Die gute Nachricht: Der harte Kern dieser Liste ist offen und kostenlos. CXB-Planer, gpx.studio und cycle.travel laufen ohne Account und ohne dass Daten zu einer Plattform zurückfließen — bei den ersten beiden liegt der Code offen. OnRouteMap gehört in dieselbe Ecke: kostenlos, keine Werbung, kein Tracking, keine Registrierung, Server in Deutschland, und die hochgeladene GPX-Datei wird sofort nach der Verarbeitung gelöscht. Ein bewusster Kompromiss steckt aber drin: Öffnungszeiten und Bewertungen zieht das Tool über die Google-Places-Schnittstelle — diese Abfragen laufen also über Google. Das ist zugleich seine Stärke (Googles Öffnungszeiten sind weit vollständiger als die von OSM) und sein einziger Datenschutz-Schwachpunkt. Ehrlich benannt ist das vertretbar; verschwiegen wäre es ein Problem. Auch die schlanken Wetter-Tools gpx-forecast und routeweather sowie PitStopper und POI Ahead arbeiten kostenlos und ohne Pflicht-Login. Bei den Offline-Karten sind Organic Maps und OsmAnd die offenen Optionen — Open Source, ohne Datensammlung; bei OsmAnd kostet nur der Komfort jenseits der Gratis-Grenze.

Anders bei den kommerziellen Diensten. myWindSock ist Freemium: die kostenlose Version reicht für die meisten, das Premium-Abo kostet rund 30 Pfund im Jahr — aber ein Account ist Pflicht, und die volle Wind- und Performance-Analyse hängt meist an einer Strava-Verknüpfung. Windy ist als große Plattform ähnlich gelagert. RideWithGPS ebenso — Freemium mit Account-Pflicht, das meiste Brauchbare hinter der Bezahlschranke. Mapy.com ist gratis nutzbar, das eigentlich wertvolle — unbegrenzte Offline-Karten — kostet inzwischen Abo. Park4Night finanziert sich über Werbung und ein Premium-Abo und ist von allen hier das datenhungrigste. Und Warmshowers ist streng genommen nicht mehr kostenlos: Neue Mitglieder zahlen eine einmalige Registrierungsgebühr von 30 US-Dollar, die den Betrieb der Community-Plattform trägt; danach ist die Nutzung über die Website kostenfrei.

Unsere Haltung dazu ist schlicht: Wo es ein offenes, datensparsames Werkzeug gibt, das die Aufgabe erfüllt, nimm es. Wo nicht — wie beim Wind, wo myWindSock dem Rest schlicht voraus ist —, zahl bewusst und wisse, wofür. Und wo ein offenes Projekt wie OnRouteMap, Organic Maps oder OsmAnd kostenlos liefert, was Konzerne sich bezahlen lassen, ist eine Spende kein Almosen, sondern Instandhaltung: Sie hält die Infrastruktur am Leben, die uns die Werbe- und Trackingfreiheit überhaupt erst ermöglicht.

Das eiserne Backup: die Bahn als Notausstieg

Hier kommt eine Infrastrukturklasse ins Spiel, die in den meisten Tool-Listen als Sicherheits-Fußnote abgehandelt wird — zu Unrecht. Wasser, Wetter, Schlaf, Versorgung: Das sind die Fragen, die jeder plant. Erfahrene Langstreckenfahrer:innen planen eine fünfte gleich mit, oft unbewusst — wo komme ich weg, wenn der Tag anders läuft? Nicht nur „wo bekomme ich Wasser“, sondern „wo bekomme ich mich und das Rad wieder nach Hause“. Der häufigste Abbruchgrund auf der Langstrecke ist nicht der Wind, sondern ein Defekt oder der eigene Körper; wer 200 Kilometer von zu Hause im Fläming oder in der Uckermark strandet, braucht keinen Wetterbericht mehr, sondern einen Heimweg. Der Notausstieg ist deshalb kein Anhang, sondern Teil der Routenarchitektur — man legt ihn mit der Linie zusammen, nicht erst, wenn es klemmt.

In der Praxis heißt das, drei Dinge schon beim Planen mitzudenken. Erstens die Bahnhofsdichte entlang der Strecke: Bleibt die Route nie weiter als zehn, fünfzehn Kilometer von einem Bahnhof entfernt, hat man alle paar Stunden eine Reißleine; führt sie durch ein bahnloses Loch, weiß man wenigstens, wo das Loch anfängt. Zweitens der letzte Zug: Auf dem Land fährt die Regionalbahn abends früh zum letzten Mal; wer das nicht kennt, steht um 23 Uhr am toten Bahnsteig.

Drittens, und das ist der eigentliche Hebel: Regionalbahn statt Fernverkehr. Im Nahverkehr (RE, RB, S-Bahn) ist die Fahrradmitnahme in der Regel ohne Reservierung möglich, genau dort, wo der Fernverkehr seine Stellplätze auf populären Verbindungen oft Wochen bis Monate im Voraus ausbucht. Das dichte Regionalnetz ist damit das eigentliche Sicherheitsnetz der Langstrecke, nicht der ICE. Als spontaner Notausstieg ist die reguläre Mitnahme im Fernverkehr dagegen alles andere als garantiert — es sei denn, man kennt den Trick mit der Tasche (dazu gleich).

Der DB Navigator ist die naheliegende Wahl: nächster Bahnhof, nächste Verbindung, Ticket direkt in der App, und in den Fahrtinformationen die Wagenreihung in Echtzeit. Daneben lohnt sich bahn.expert (die frühere Marudor-Seite): eine kostenlose Web-App, die Echtzeit-Abfahrten, Verspätungen und Wagenreihung bündelt — und, für uns entscheidend, anzeigt, ob ein Zug Fahrradmitnahme bietet und wo das Fahrradabteil hält. Wer mit bepacktem Gravelbike am Bahnsteig steht, will genau das wissen, bevor der Zug einfährt.

Der Notausstiegs-Trick: die Rinko-Bag

Das wirksamste Werkzeug für den Bahn-Notausstieg ist gar keine App, sondern ein Stück Stoff: eine Fahrrad-Transporttasche, japanisch Rinko-Bag. Ein so weit zerlegtes und in der Tasche verpacktes Rad — meist Vorder-, oft auch Hinterrad raus, Lenker gedreht — gilt bei der Bahn nicht mehr als Fahrrad, sondern als Handgepäck. Das heißt: keine Fahrradkarte, keine Stellplatzreservierung, und vor allem die Mitnahme in jedem Zug — auch im ICE und im Nachtzug, wo reguläre Räder gar nicht oder nur mit Wochen-Vorlauf-Reservierung erlaubt sind. Wer auf langen Touren eine leichte, klein packbare Rinko-Bag dabei hat, ist nie auf einen freien Radplatz angewiesen. Das ist der eigentliche Schlüssel, der aus „Bahn als Notausstieg“ eine verlässliche Option macht statt eines Glücksspiels.

Derselbe Trick rettet die Bus-Option: Ein verpacktes Rad zählt bei FlixBus als Sondergepäck (Gurtmaß bis 290 cm, max. 30 kg, rund 9 Euro) — verfügbar in jedem Bus und, entscheidend, auch während der winterlichen Fahrrad-Sperrzeit November bis Februar. Ein Vorbehalt: nur ein Sondergepäckstück pro Fahrgast, kein garantierter Anspruch. Aber wenn weder Zug noch Radplatz zu haben sind, ist es Gold wert.

Oft unterschätzt als Exit-Strategie: FlixBus und Flixtrain. Der große Vorteil im Notfall ist die Flexibilität — Tickets lassen sich unkompliziert und günstig umbuchen, und das Fernbusnetz fährt gerade dort, wo der Schienenverkehr dünn wird. Die Fahrradbuchung ist simpel (Stellplatz bei der Ticketauswahl dazubuchen, rund 8 bis 19 Euro), hat aber drei Haken: nur wenige Radplätze pro Bus (meist maximal drei), kein E-Bike, kein Pedelec, kein Tandem im Bus (im Flixtrain erlaubt), und eine Wintersperre von November bis Ende Februar. Als Backup taugt Flix also, wenn man flexibel umbuchen will und rechtzeitig einen Radplatz bucht — der starre Notfall mit dem E-Bike im Januar ist sein Fall nicht. Es sei denn, das Rad steckt in der Rinko-Bag (siehe oben): Als Sondergepäck umgeht es Stellplatz-Knappheit und Wintersperre.

Kosten: kostenlos (Ticket separat) · Account: optional · Daten: Infrastruktur-Echtzeit · Fahrradmitnahme: Bahn meist ja; Flixbus begrenzt, kein E-Bike, Winterpause

Welches Tool für welche Fahrt: Radreise oder langer Grevet

Dieselben Werkzeuge, zwei völlig verschiedene Fahrten. Wer mehrere Tage entspannt unterwegs ist, gewichtet anders als jemand, der einen langen Grevet gegen die Uhr fährt. Nicht das Tool entscheidet, sondern die Frage, die man ihm stellt.

Radreise: Zeit ist da, Komfort zählt

Auf einer mehrtägigen Radreise ist das Zeitbudget großzügig — dafür rücken andere Fragen nach vorn: Wo schläft man, wo gibt es abends noch etwas zu essen, hält das Wetter über drei oder vier Tage? Hier spielen die Tools ihre entspannte Seite aus. cycle.travel plant Unterkünfte gleich in die Route ein. Warmshowers macht aus dem Abend eine Begegnung statt einer Hotelbuchung. iOverlander, Park4Night und OpenCampingMap liefern Schlafplätze und Wasser — wobei für Übernachtungen die legalen Camping- und Trekkingplätze die unkomplizierte Wahl sind (siehe Hinweis oben). Das Routenwetter prüft man nicht einmal, sondern jeden Morgen neu — die Mehrtagesprognose ist ohnehin unsicher, also zählt das tägliche Update. Versorgung ist selten das Problem, weil über mehrere Tage genug Infrastruktur am Weg liegt. gpx.studio fügt die einzelnen Etappen zu einer Reise zusammen. Auf der Radreise plant man nicht gegen die Uhr, sondern für die guten Momente — die Tools schaffen den Freiraum, in dem sie passieren.

Langer Grevet: das Zeitfenster regiert

Ein langer Grevet — in der CXB-Logik Nr. 3 mit rund 300 km und erstmals Nacht oder Nr. 4 mit rund 400 km über 40 Stunden — ist das Gegenteil: unsupported, auf Zeit, in Stunden geplant statt in Kilometern. Hier wird das Startfenster zur strategische

n Entscheidung. myWindSock und das Routenwetter zusammen beantworten die Frage, wann man losrollt, damit Rückenwind und Tageslicht auf der richtigen Seite liegen. Versorgung ist kein Komfort, sondern Entscheidungsfähigkeit: OnRouteMap und POI Ahead zeigen nicht nur, wo der nächste Punkt liegt, sondern — mit Öffnungszeiten und voraussichtlicher Ankunftszeit — ob er offen hat, wenn man ankommt. Das ist der Unterschied zwischen einem Plan und einer Hoffnung.

Übernachtungsnetzwerke treten dabei zurück. Wer in 40 Stunden durchfährt oder nur kurz biwakiert, bucht keinen Warmshowers-Host; iOverlander bleibt allenfalls als Notfalloption für einen Wasser- oder Schlafpunkt. Und ein Live-Tracker ist hier keine Spielerei, sondern Sicherheit — jemand zu Hause sieht den Punkt, der sich nachts durch den Fläming bewegt. Die Tools ergänzen die Vorbereitung, ersetzen sie aber nicht: Der Grundsatz „Plane nie auf Minimum“ gilt für Wasser, Essen und Licht unabhängig davon, was eine App anzeigt.

Grevet-spezifisch

Beim Grevet ist der Track gescoutet, die Versorgungspunkte liegen oft schon als POIs im GPX. Die Tools dienen hier weniger der Routensuche als der Zeit- und Reserveplanung. Bei einem fixen Event-Track ist cycle.travel zweitrangig — wichtiger sind Wind, Tageslicht und Öffnungszeiten. Details immer gegen das Vorbereitungshandbuch und „Der stille Lotse“ prüfen.

WerkzeugRadreise (mehrtägig)Langer Grevet (300–400 km)
Routenwetter (gpx-forecast / routeweather)Täglich neu prüfenPflicht – Startfenster
myWindSockOptionalPflicht – Startzeit & Wind
OnRouteMap / POI AheadNützlichPflicht – Öffnungszeiten, Lücken
cycle.travelStark – Unterkunft im RoutingKaum – Track steht meist fest
WarmshowersStark – Schlafplatz & BegegnungKaum – unsupported, zu schnell
iOverlander / Park4NightStark – Camp & WasserNotfall / Biwak
CXB-PlanerRoutenbau & ScoutingNur bei eigenem Track
Routecheck / bikerouter (Linie gegenprüfen)Nützlich bei neuem TerrainStark – Track vorab mustern
gpx.studioEtappen zusammenfügenTrack säubern
Offline-Karte (Mapy.com / Organic Maps / OsmAnd)Pflicht – tägliche OrientierungBackup & Tracking
Bahn-Apps (DB Navigator / bahn.expert)An- & AbreisePflicht – Abbruch-Option
Automaten-Finder (regiomat.de / OSM)Nützlich für SpätkäufeNotnagel am Sonntag
Live-TrackingFamilie informierenSicherheit & Begleitung

Kombination statt Super-App

Das wichtigste Muster aus der Szene zum Schluss: Es gibt kein Mastertool. Wer in Foren mitliest, sieht selten die eine App, sondern fast immer eine Kette — der CXB-Planer (oder Komoot) für die erste Route, RideWithGPS für die Feinarbeit, Garmin für die Navigation, Mapy.com zur Kontrolle, myWindSock fürs Wetter, OnRouteMap für die Versorgung. Jedes Werkzeug macht eine Sache gut. Die Kunst ist der richtige Stapel, nicht die eierlegende Wollmilch-App.

Es gibt kein Mastertool — es gibt den richtigen Stapel.

Vergleichsgrafik: eine Super-App für alles gegen einen Werkzeugkasten spezialisierter Tools. SUPER-APP ODER WERKZEUGKASTEN Eine App für alles Spezialisierte Tools EINE APP Wetter Routing Schlaf… alles halb WetterVersorgungRouting ScoutingSchlafOffline je Aufgabe das beste Werkzeug KANN VIEL, NICHTS GANZ Kompromiss in jeder Disziplin JE AUFGABE DAS RICHTIGE Kombiniert statt eingemeindet KOMBINATION STATT SUPER-APP

Ein Werkzeugkasten, vier Aufgaben: Planen, Versorgen, Vorhersagen, Backup — kein Mastertool, sondern der richtige Stapel.

Wer nicht den ganzen Werkzeugkasten parallel betreiben will, sortiert ihn nach Aufgabe. Zum Planen: CXB-Planer, cycle.travel. Zum Versorgen: OnRouteMap, PitStopper, POI Ahead. Zum Vorhersagen: gpx-forecast/routeweather und myWindSock. Eine Offline-Karte wie Organic Maps, OsmAnd oder Mapy.com liegt als Backup daneben, gpx.studio repariert, was die anderen brauchen. Mehr ist selten nötig.

Dieser Werkzeugkasten ist bewusst auf Mitteleuropa und besonders auf Brandenburg zugeschnitten: Dort kennen wir die Lücken, die Sonntagsöffnung, die Wasserfrage, das Bahnnetz. Auf einer Radreise außerhalb dieser Region verschiebt sich einiges, und es lohnt zu wissen, was.

Die OSM-basierten Werkzeuge — CyclOSM, Organic Maps, OsmAnd, Overpass, der CXB-Planer — funktionieren weltweit, nur wird die Datendichte mit der Entfernung von dicht kartierten Gegenden dünner. In Westeuropa ist OpenStreetMap oft hervorragend, in abgelegenen Teilen der Welt lückenhaft.

Die deutschlandspezifischen Helfer (OnRouteMap mit Google-Öffnungszeiten, Refill, regiomat.de, DB Navigator) verlieren außerhalb des deutschsprachigen Raums an Wert. An ihre Stelle treten dann iOverlander für Versorgung und Schlafplätze in entlegenen Regionen, Booking.com und Google Maps in Städten, und für die Bahn die jeweilige nationale App.

Geht es ins Hochgebirge, beantwortet ein Pässe-Lexikon wie quäldich.de die Anstiegsfrage, die unsere flachland-optimierten Werkzeuge nicht kennen: Länge, Steigung und Höhenprofil jedes Passes. Das ist allerdings ausgeprägte Rennrad-Bergtouren-Logik; dort ist der Anstieg das Ziel, während es bei der Langstrecke um die ganze Strecke geht. Für die Bergetappen eines Supergrevets ist es trotzdem nützlich.

Konstant bleibt allein das Denkmodell. Auch in Kirgistan oder Patagonien lauten die fünf Fragen identisch: wo fahre ich, was liegt an der Strecke, wann bin ich dort, stimmt das, und was, wenn der Plan nicht hält. Nur die Werkzeuge, mit denen man sie beantwortet, wechseln mit dem Land.

Wenn wir nur drei wählen müssten

Wetter: myWindSock — kommerziell, aber beim Wind unschlagbar.
Versorgung: OnRouteMap — offen, datensparsam, deutsch.
GPX: gpx.studio — repariert und fügt zusammen, was sonst hakt.

Mit diesen drei Werkzeugen lassen sich die meisten Brevet-, Grevet- und Bikepacking-Touren vollständig vorbereiten.

Die fortgeschrittene Ebene: keine Route, sondern Szenarien

Wer tiefer einsteigt, merkt: Die besten Ultra-Fahrer:innen planen längst keine Route mehr. Sie planen Szenarien. Statt einer einzigen Linie liegen mehrere Varianten bereit — eine schnelle für Rückenwind und Tageslicht, eine versorgungssichere mit Schlafoptionen, eine defensive für den Fall, dass das Wetter kippt. Welche am Tag X gefahren wird, entscheidet sich kurz vor dem Start aus Wind, Prognose und Tagesform. Der Werkzeugkasten aus diesem Artikel ist die Voraussetzung dafür: Der CXB-Planer (oder ein anderer Planer wie RideWithGPS) hält die Varianten nebeneinander, der Blick auf Satellit und Streetview zeigt, welche Linie wirklich trägt, myWindSock sagt, welche der Wind belohnt.

Bemerkenswert ist, worüber diese Szene nicht mehr redet: Garmin, Wahoo, Hardware. Das Gerät am Lenker ist zur Nebensache geworden. Geredet wird über Informationsarchitektur, Resupply, Wetterfenster, Schlafmanagement, Routingentscheidungen. Der eigentliche Wettbewerbsvorteil liegt heute selten am Rad — er liegt in den Stunden vor dem Start, an einem Bildschirm, in einem Tabellenblatt voller Varianten und Notizen, warum man sich wofür entschieden hat. Genau das meint der Satz, dass die Linie der einfachste Teil ist.

Praxis: das Roadbook als Tabelle

Bei einem mehrtägigen Grevet oder einem komplexen Event wird das Tabellenblatt zum eigentlichen Planungswerkzeug — wichtiger als jede einzelne App. Erfahrene Ultra-Fahrer:innen teilen die Gesamtstrecke in Tagesetappen und legen für jede eine Zeile an: geplante Distanz und Höhenmeter, das ungefähre Zeitfenster (wann bin ich wo?), die Versorgungspunkte auf dem Abschnitt, eine vorrecherchierte Schlafoption mit Telefonnummer, und — der wichtigste Teil — eine kurze Notiz, warum man sich für diese Variante entschieden hat. Der Grund ist simpel: Das übermüdete Hirn auf Kilometer 250 vergisst die eigene Logik. Wer sich notiert hat „Umweg über X, weil die direkte Strecke ab 22 Uhr keinen offenen Laden mehr hat“, trifft nachts keine schlechte Entscheidung aus Erschöpfung. Eine Booking.com-Merkliste mit Kandidaten entlang der Route ergänzt das gut — so bucht man am Tag spontan, sobald klar ist, wie weit man kommt. Die Tabelle ist nichts Hochtechnisches: eine Google-Tabelle oder ein Blatt Papier genügt. Sie ist das Gedächtnis der eigenen Planung.

Ein Ausblick, mit Vorbehalt: Manche experimentieren inzwischen damit, solche Tabellen oder ganze Etappenpläne von einem KI-Assistenten erstellen zu lassen — Distanzen aufteilen, POIs zuordnen, Zeitfenster schätzen. Das kann Tipparbeit sparen, aber die Ergebnisse sind 2026 noch mit Vorsicht zu genießen: Eine KI kennt den geschlossenen Dorfladen am Sonntag nicht und überschätzt gern die Fahrbarkeit eines Sandwegs. Als Tippgeber brauchbar, als alleinige Entscheidungsgrundlage nicht — die Verantwortung bleibt bei den Fahrer:innen.

Der Wettbewerbsvorteil liegt nicht mehr am Rad. Er liegt vor dem Start.

Vergleichsgrafik: ein fester Plan gegen einen Plan mit Entscheidungspunkten und Auswegen. FESTER PLAN ODER AUSWEGE Ein fester Plan Plan mit Auswegen wenn blockiert: Sackgasse Bahnhof Abkürzung Ausstieg EIN HINDERNIS REICHT Steht der Weg, steht die Tour ENTSCHEIDUNGSPUNKTE EINGEPLANT Abkürzen, ausweichen, aussteigen PLANUNG IST UNSICHERHEITSMANAGEMENT

Statt einer Linie mehrere Szenarien — die Entscheidung fällt kurz vor dem Start aus Wind, Prognose und Tagesform.

Damit schließt sich der Kreis zum Anfang. Anfänger:innen planen Linien. Erfahrene Fahrer:innen planen Versorgung, Wetter, Schlaf und Ausstiege — und die Linie auf der Karte entsteht danach fast von selbst, als Ergebnis dieser Entscheidungen, nicht als ihr Ausgangspunkt. Die Werkzeuge in diesem Artikel ändern sich. Die fünf Fragen dahinter — wo, was, wann, stimmt das, und was, wenn nicht — bleiben. Wer sie beantworten kann, kommt an. Mit welcher App, ist zweitrangig.

Vielleicht ist das der eigentliche Kern. Die ganze Zeit über reden wir von Informationsmanagement — Lücken sichtbar machen, Daten entlang der Linie auffächern. Aber eine Schicht tiefer ist es Unsicherheitsmanagement. Wasser, Wetter, Tageslicht, Bahnhöfe, Schlafplätze, Backup-Routen: Das sind nicht sechs verschiedene Themen, sondern sechs Formen derselben Frage — welche Überraschungen akzeptiere ich, und welche schließe ich vorher aus? Versorgung planen heißt, die Überraschung „kein Wasser“ auszuschließen. Routenwetter heißt, „Gegenwind nach Sonnenuntergang“ auszuschließen. Der Notausstieg heißt, „ich komme hier nicht weg“ auszuschließen. Was übrig bleibt, ist die Unsicherheit, die man bewusst stehen lässt — und die macht die Fahrt erst zur Fahrt. Die Werkzeuge nehmen einem nicht das Abenteuer. Sie nehmen einem die vermeidbaren Überraschungen, damit die unvermeidbaren Platz haben.

Langstreckenplanung ist die Kunst, Unsicherheit sichtbar zu machen — nicht, sie wegzuplanen.

Eine Route zu planen war lange Kartographie. Heute ist sie Logistik, Meteorologie und manchmal ein wenig Psychologie. Die Linie auf der Karte ist meist der einfachste Teil.

Weiterlesen auf cxberlin.net: Wie POIs überhaupt aufs Gerät kommen und warum Navigation mehr ist als ein Track, steht in Der stille Lotse. Wie aus einer Route eine saubere GPX-Datei für den Radcomputer wird, zeigt Nie mehr Falschabbieger. Warum man fremden Routen aus dem Netz nicht blind trauen sollte, verhandelt Nimm dir eine Machete. Und die Grundsatzfrage, warum offene, datensparsame Werkzeuge beim Routing zählen, steht im Serienanker Vermessene Freiheit.

Kleines Glossar: die wichtigsten Begriffe

Wer neu in die digitale Routenplanung einsteigt, stolpert über dieselben Abkürzungen. Die wichtigsten in Kürze — eine ausführliche Sammlung steht im CXB Gravel Glossar.

  • GPX: Das Dateiformat, in dem Routen gespeichert und auf GPS-Geräte geladen werden. Der kleinste gemeinsame Nenner aller hier genannten Tools.
  • OSM (OpenStreetMap): Die freie, community-gepflegte Weltkarte. Detaillierter als kommerzielle Karten, besonders bei Feld- und Waldwegen — und die Datenquelle hinter den meisten offenen Tools.
  • POI (Point of Interest): Ein markierter Punkt entlang der Route — Wasser, Supermarkt, Tankstelle, Checkpoint. Erscheint nach dem Import auf dem Radcomputer.
  • Heatmap: Eine Überlagerung, die zeigt, wie oft ein Weg befahren wird. Je heller, desto mehr Menschen fahren dort — ein Hinweis auf populäre Strecken, aber kein verlässliches Urteil über einsame Wege, die trotz Fahrbarkeit dunkel bleiben.
  • Base Map (Grundkarte): Die Kartenebene, aus der ein Planer seine Informationen zieht. Bestimmt Aussehen und Detailtiefe — etwa OSM, Satellit oder topografisch.
  • Topografische Karte: Eine Grundkarte mit Höhenlinien. Zeigt auf einen Blick, wie bergig eine Gegend ist.
  • Elevation (Höhenprofil): Die Höhe über dem Meeresspiegel; Planer summieren daraus die Höhenmeter einer Route. Achtung: Die Werte schwanken je nach Tool teils erheblich, weil die zugrunde liegenden SRTM-Höhendaten Rauschen enthalten — gute Planer filtern das heraus, viele summieren es mit und melden zu hohe Anstiege.
  • Grade / Gradient: Die Steilheit eines Anstiegs oder Gefälles, meist in Prozent.
  • Waypoint (Wegpunkt): Ein Zwischenziel auf der Strecke, an dem die Route entlangführt.
  • Parcours: Bei organisierten Events die verbindlichen Abschnitte, die exakt so gefahren werden müssen — von den Veranstalter:innen vorgegeben.
  • Kraftfahrstraße / Autobahn: Straßen, die für Radfahrer:innen gesperrt sind. Ein Routing-Profil, das Gravel ernst nimmt, meidet sie — Autobahn nie, Kraftfahrstraße ebenfalls nicht.

Häufige Fragen

FrageKurz beantwortet
Welche Tools brauche ich mindestens für eine lange Tour?Drei reichen meist: ein Routenwetter-Tool für den Wind (myWindSock), ein Versorgungs-Scanner für Wasser und Läden (OnRouteMap) und ein GPX-Editor zum Aufräumen (gpx.studio). Alles Weitere ist Feinjustierung.
Gibt es eine einzige App, die alles kann?Nein — niemand nutzt eine Super-App, sondern einen Stapel: Routenplaner für die Linie, Routecheck oder bikerouter zum Gegenprüfen, myWindSock fürs Wetter, OnRouteMap für die Versorgung, eine Offline-Karte als Backup.
Wie prüfe ich, ob ein Weg wirklich fahrbar ist?Über den direkten Blick: Satellit und Streetview zeigen die Oberfläche, CyclOSM rendert sie aus OSM-Daten (Sand eigens markiert), Blogs und YouTube ergänzen. Die Strava-Heatmap taugt nur grob — sie zeigt Hauptachsen, einsame Wege bleiben dunkel.
Welche Tools sind kostenlos und datensparsam?Offen und ohne Account: CXB-Planer, gpx.studio, OnRouteMap, Organic Maps, OsmAnd. Kommerziell mit Account-Pflicht: myWindSock, RideWithGPS, Windy, Park4Night. Warmshowers verlangt eine einmalige Registrierungsgebühr.
Unterschied myWindSock und Windy?myWindSock sagt, was auf der eigenen Strecke passiert (Rücken-/Gegenwind je Abschnitt, abhängig von der Ankunftszeit); Windy zeigt das große Bild am Himmel (Modelle, Fronten, Niederschlag). Viele nutzen beide.
Wie finde ich Läden, die sonntags oder nachts offen haben?OnRouteMap-Filter auf die Ankunftszeit setzen (z. B. „Sonntag 06:00″) — er zieht Öffnungszeiten aus Google Maps, vollständiger als OSM. Wer Rohdaten will, fragt über Overpass Turbo das Feld opening_hours ab. Keine Quelle ist hundertprozentig — kritische Punkte gegenprüfen.
Brauche ich die Tools auch für einen Grevet?Beim Grevet ist der Track gescoutet, die Versorgungspunkte liegen als POIs im GPX. Routensuche ist zweitrangig; wichtiger sind Wind, Tageslicht und Öffnungszeiten — plus eine Bahn-App als Abbruch-Option. Die Tools ergänzen die Vorbereitung, ersetzen sie nicht.

4 Responses

  1. Ein Freund hat mir erzählt, dass Watrify hier erwähnt wurde. Stark! Vielen vielen Dank für die Empfehlung 🙂 Ich bin Jan, der alleinige Entwickler hinter dem Projekt.

    Eine Ergänzung: Watrify gibt es sehr wohl als iOS & Android App – beide kostenlos, werbefrei, 100% Datenschutz, ohne Premium-Upselling. Was ich oft gesagt habe war „Keine App-Pflicht“, man kan also durchaus die mobil optimierte Webseite nehmen. Angenehmer sind die Apps aber schon 😀 Zumal sie einige Inhalte auch Cachen, und man bei schlechten Empfang noch an seine Daten kommen sollte.

    Viele Grüße und Danke für eure tolle Arbeit
    Jan

    • Hallo Jan, schön, dass du hier bist — und danke fürs Bauen von Watrify, genau solche schlanken, werbefreien Werkzeuge sind uns die liebsten. Du hast recht, „keine App-Pflicht“ kann man falsch lesen. Wir haben den Text präzisiert: Die kostenlose App für iOS und Android steht jetzt klar drin, samt dem Caching-Vorteil bei schlechtem Empfang — der zählt auf der Langstrecke wirklich. Mach weiter so 🙂

  2. Danke, das ist eine hervorragende Zusammenfassung. Manche dieser Tools nutze ich selbst als Routine (bikerouter, Brouter) manche habe ich ausprobiert (mapy, cycletravel , locus, osmand, ridewithgps, komoot) und manche waren mir gänzlich unbeknnt -die werde ich noch ausprobieren.

    Vielleicht zur Ergänzung:
    Ein ähnliches Programm, wie Locus, ist oruxmaps. Seit einiger Zeit ist die App nicht mehr kostenlos, aber die Nutzung funktioniert auch ohne Registrierung, das Hoch-und Runterladen von Tracks, und die Routenplanung per Brouter-app erfordern keinen Internetzugang. Und weltweit lassen sich, genauso wie bei Locus, die openandromap-Karten zur Offline-Nutzung herunterladen. Allerding braucht es viel Einarbeitungszeit, wenn man alle Optionen nutzen möchte. Das ist halt der Nachteil wenn es viele Nutzungsmöglichkeiten und viele Einstellungen gibt.

    Zur Suche von Campingplätzen kann ich als Ergänzung die Archiescamping-App empfehlen. Funktioniert auf Wiki-Basis, die Nutzer helfen mit, die Angaben zu aktualisieren. Daraus resultieren natürlich auch die Schwächen: es werden noch CPs angezeigt, die inzwischen geschlossen haben, und andere fehlen, die in der Wirklichkeit existieren. Es gibt Filtermöglichkeiten, z.b. nach kleinen CP, man kann die mapsforge basierten Karten zur offline-Nutzung herunterladen (für Deutschland und Fraknreich auch einzelne Regionen). Was ich für sehr nützlich empfinde: Man kann direkt aus der App den Campingplatz anrufen, und nachfragen, wie lange die Rezeption geöffnet ist.

    • Hallo Martin, danke — und vor allem für die beiden Ergänzungen.

      OruxMaps hatte ich früher sogar selbst im Einsatz und dann irgendwann aus dem Blick verloren — danke fürs Zurückholen. Es gehört klar in die Offline-Riege neben OsmAnd und Locus: Dass Track-Handling und BRouter-Routing offline laufen und die OpenAndroMaps weltweit dazukommen, ist genau das Backup-Profil aus dem Offline-Abschnitt. Die steile Lernkurve ist der ehrliche Preis für die Tiefe — der Fluch der vielen Optionen, wie du sagst.

      Archie’s Camping schauen wir uns an, danke für den Tipp. Ein Vorbehalt gleich dazu, und der knüpft an deinen eigenen Punkt an: Die Wiki-Pflege ist das wunde Knie. Soweit wir sehen, wirkt das Projekt zuletzt nur noch teilweise aktiv — und genau dann kippt die Stärke (Community hält es aktuell) in die Schwäche, die du beschreibst: geschlossene Plätze bleiben stehen, existierende fehlen. Den Anruf-Button finden wir trotzdem klasse. Ob das Tool insgesamt verlässlich genug für eine Empfehlung ist, sehen wir uns also erst noch genauer an.

      Schöne Liste übrigens, die du selbst fährst — bikerouter/BRouter als Routine ist genau unsere Ecke. Viel Spaß beim Ausprobieren der neuen Kandidaten, und falls dir noch was fehlt: immer her damit.

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