Radsport Rezepte · Saubere Energie

Die Industrie-Riegel zerbröseln in der Trikottasche, kleben am Papier und schmecken nach Proteinshake. Dieser hier nicht: zwei Zutaten im Kern, eine Stunde im Ofen, formstabil über Wochen. Getestet auf der Berlinumrundung und auf genug Dreckigen Donnerstagen, um ihn guten Gewissens weiterzugeben.


Der Ursprung liegt im Vélochef-Buch von Henrik Orre, einem Klassiker der skandinavischen Rennradküche — inzwischen vergriffen. Die Variante, die wir auf CXBerlin-Events verteilen, ist daran angelehnt und über ein paar Saisons angepasst worden. Was geblieben ist: Honig, Flocken, Hitze, Geduld. Was dazugekommen ist: mehr Salz, als man erwarten würde. Auf langen Touren entscheidet das.

Ein Riegel wiegt gut 50 Gramm, kostet in der Selbstherstellung zwischen 28 und 46 Cent und liegt nach drei Stunden in der Feedbag-Tasche am Lenker noch so vor dem Rahmen wie nach dem Anbacken. Er schmilzt nicht. Er zerfällt nicht. Er hält satt. Mehr muss er nicht.

Zutaten

Die Mengen ergeben etwa 16 Riegel. Verdoppeln für größere Events funktioniert ohne Anpassung.

  • 400 g Müsli — davon etwa 250 g Getreideflocken (Hafer oder Dinkel) und 150 g Trockenfrüchte und Nüsse
  • 100 g Schmelzflocken
  • 1 TL Salz (nach Geschmack, eher mehr)
  • 360–400 g flüssiger Honig
Zum Honig

Weniger Honig ergibt einen kompakteren, trockeneren Riegel. Mehr Honig macht ihn süßer und weicher, aber auch anfälliger für Kleben bei Hitze. 380 g sind der Kompromiss für mitteleuropäische Sommer.

Ausstattung

Großer Topf, Backofen, Backpapier, ein scharfes Messer. Küchenmaschine oder Mixer zum Zerkleinern der Müslimischung — je feiner, desto kompakter wird das Ergebnis. Zwei Schneidebretter oder ein Backrahmen helfen, die Masse gleichmäßig und fest anzudrücken.

Zubereitung

Arbeitszeit: 20 Minuten. Backzeit: 1 Stunde bei 90 °C. Ruhezeit: 24 Stunden.

  1. 1 Ofen auf 90 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Honig in einem großen Topf 10 Minuten sanft köcheln lassen — nicht überkochen. Der Schaum soll sich zurückziehen, die Masse klarer werden.
  2. 2 Müslimischung in der Küchenmaschine kurz zerkleinern. Nicht zu Mehl pulverisieren — Textur soll erkennbar bleiben.
  3. 3 Flocken, Schmelzflocken und Salz in den noch warmen Honig einrühren, gründlich vermengen bis alles gleichmäßig benetzt ist.
  4. 4 Masse auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech geben. Zwischen zwei Lagen Backpapier mit einem Schneidebrett oder Nudelholz fest und gleichmäßig andrücken — etwa 1,5 cm Schichtdicke.
  5. 5 60 Minuten bei 90 °C backen.
  6. 6 Vollständig auskühlen lassen, dann 24 Stunden bei Raumtemperatur ruhen lassen. Erst danach in 16 Stücke schneiden und einzeln in Butterbrotpapier einwickeln.
Nicht im Kühlschrank lagern

Der Riegel zieht dort Feuchtigkeit und zerbröselt. Raumtemperatur, trocken, dunkel — dann halten sie mehrere Wochen. Eingewickelte Einzelportionen halten auch in der warmen Trikottasche.

Warum das funktioniert

Honig bindet die Flocken nicht durch Kleber, sondern durch Zuckerkristallisation beim langsamen Auskühlen — deshalb die niedrige Backtemperatur und die 24 Stunden Ruhe. Wer diese Zeit abkürzt, bekommt weichen Brei statt Riegel. Wer sie einhält, hat einen Snack, der formstabil bleibt, bis er gegessen ist.

Das Salz ist kein Detail. Auf langen Strecken entscheidet der Elektrolythaushalt mit über die Leistungsfähigkeit, und Süß allein ermüdet den Gaumen nach der dritten Stunde. Ein Teelöffel auf 500 Gramm Trockenmasse ist die Untergrenze.

Sauber arbeiten. Keine abgeleckten Löffel. Ein Riegel, der drei Wochen halten soll, verzeiht keine Küchenromantik.

Varianten

Die Grundrezeptur verträgt einiges. Kakao-Nibs oder dunkle Schokosplitter nach dem Abkühlen des Honigs unterrühren — sonst schmelzen sie beim Backen. Kardamom oder Zimt für die kalten Monate. Getrocknete Aprikose und geröstete Mandel statt Rosine und Walnuss, wenn man keine Schmetterlinge im Bauch von Traubenzucker mag. Kokoschips funktionieren, Chiasamen nicht — sie quellen und machen die Masse gummiartig.

Was nicht funktioniert: Ahornsirup statt Honig (zu flüssig, bindet nicht), Agavendicksaft (karamellisiert bei 90 °C), brauner Zucker (die Kristallisation geht anders, Textur wird krümelig).

Was das kostet

Rechnen wir es durch. 16 Riegel à 50 Gramm aus konventionellen Supermarktzutaten kosten etwa 4,50 Euro — rund 28 Cent pro Riegel. In der Bio-Variante mit Imkerhonig aus Brandenburg landen wir bei etwa 7,30 Euro oder 46 Cent pro Riegel. Der Honig ist dabei der einzige Posten, bei dem sich die Bio-Entscheidung preislich wirklich niederschlägt.

ZutatMengeStandardBio
Haferflocken250 g0,40 €0,45 €
Trockenfrüchte + Nüsse150 g0,90 €1,35 €
Schmelzflocken100 g0,76 €0,76 €
Salz5 g0,01 €0,01 €
Honig380 g2,27 €4,56 €
Energie & Backpapier0,20 €0,20 €
Gesamt (16 Riegel)4,54 €7,33 €
Pro Riegel50 g~0,28 €~0,46 €
Berliner Supermarktpreise, Stand April 2026. Honig Standard: Supermarkt-Imkerhonig im Spender, ca. 6 €/500 g. Honig Bio: Direktbezug von der Imkerei, ca. 12 €/500 g.

Zum Vergleich: Ein handelsüblicher Energieriegel im Berliner Radladen oder Supermarkt kostet zwischen 1,80 und 2,50 Euro bei 50 bis 65 Gramm — das Sechs- bis Neunfache.

Aber der Preis ist nicht der Punkt. Entscheidend ist die Kontrolle über die Zutaten. Wer selbst backt, weiß, welcher Honig drin ist, welche Nüsse, welche Flocken — und was eben nicht drin ist: keine Emulgatoren, keine Zuckeralkohole, keine aromatisierten Molkenpulver, keine Konservierungsmittel mit E-Nummern. Das Rezept gehört einem selbst. Der Industrieriegel gehört der Marke.

Im Einsatz

Ein Riegel alle 45 Minuten ist eine brauchbare Faustregel. Am besten vor dem Hungergefühl essen, nicht danach — auf der Langstrecke reagiert der Körper verzögert. Wer am Dreckigen Donnerstag unterwegs ist, hat mit zwei Riegeln im Feedbag plus einem in der Trikottasche die ersten drei Stunden gedeckt. Für die Berlinumrundung oder auf einem langen 200er Grevet unterwegs ist, kommt mit rund acht gut aus, wenn dazwischen einmal ein Kiosk liegt.

Dazu gehört Wasser. Der Riegel ist trocken, das ist Absicht — er klebt nicht, aber er fordert mitzutrinken. Wer ohne Flasche startet, sollte keinen Honigriegel essen.

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